Fabian Hischmann - Das Umgehen der Orte

12. Januar 2017 |
Zwei Jahre habe ich gewartet. Sehnsüchtig gewartet! Darauf, dass Fabian Hischmann endlich einen neuen Roman veröffentlicht. Sein Debüt "Am Ende schmeißen wir mit Gold", habe ich bereits mehrmals gelesen und liebe es. Zugegeben, als ich es zum ersten Mal las, war ich eher weniger begeistert, aber irgendwie hatte es einfach was. Und als ich es das nächste Mals gelesen habe, war ich Feuer und Flamme. Daher, waren meine Erwartungen an das neue Buch von Herrn Hischmann, groß. Größer als die Hände von Donald Trump. Fast schon astronomisch.
Kacke an Erwartungen ist aber, dass sie immer mit Ungewissheit einhergehen. Wird man enttäuscht? Werden die Erwartungen erfüllt, oder im besten Fall sogar übertroffen? Irgendwie ist es ein bisschen von allem gewesen, und ich glaube das macht ein Buch, zu einem guten Buch. Wenn es deine Erwartungen packt, darauf herumkaut, den zähen Erwartungsbrei auf den Bordstein spuckt und am Ende ganz neue Erwartungen daraus formt. Und dieses Spiel mit den Erwartungen, das hat Fabian Hischmann einfach drauf. 

Was der Mann noch gut drauf hat, ist es Menschen zu schreiben. Echte Menschen. Wie man sie auf der Straße sieht, oder im eigenen Leben findet. Mit ihren vielen kleinen Ungereimtheiten, und der Kaputtness, die jeder so mit sich herumschleppt. Ich kenne kaum jemanden, der es schafft, Menschen so gut einzufangen und auf's Papier zu bringen. Die sind dann zwar nicht immer nett oder sympathisch, und bei einigen dachte ich mir auch, ach geh doch einfach in den Wald und begrab dich selbst, aber so ist es im echten Leben ja auch.

Die Geschichte beginnt mit Lisa, Anne und Magnus. Und nach und nach, kommen immer mehr Charaktere hinzu deren Geschichten man erfährt und die sich zum Ende hin, immer weiter und feiner miteinander verweben. Bis man das Buch zuklappt, und viele kleine Episode aus unterschiedlichen Leben gelesen hat, die alle auf die eine oder andere Weise verstrickt sind. Und das, ist in meinen Augen auch die größte Stärke des Buches, wie all diese Personen miteinander verbunden sind.
Eine weitere Stärke sind, wie ich finde, die Authentizität und die Intensität mit der sensible Themen wie Tod, Trauer, Selbstmord, psychische Erkrankungen, Übergewicht oder Sexualität dargestellt werden. Das ist nicht immer schön zu lesen, und Fabian Hischmann wählt manchmal Worte, bei denen ich mich schon gefragt habe, ob es denn jetzt unbedingt so vulgär sein muss. Aber das scheint irgendwie so sein Ding zu sein. Ich hab eigentlich kein Problem damit, wenn es mal direkter oder derber ist, aber ich finde, es sollte irgendwie etwas zu dem Buch beitragen. Wenn es das nicht tut, kann man es auch lassen. Denn in meinen Augen, wirkt es schnell affektiert.

Das ist auch mein größter Kritikpunkt an dem Buch. In seinem Debüt war das ja auch schon so drin, aber ich finde einfach, es "wertet" den Text nicht auf. Es macht das Buch zwar auch nicht schlechter, aber es entlockt mir doch schon das ein oder andere Augenrollen. Und Authentizität, auch wenn mir da jetzt sicher einige aus der Liga der Literatur-Honks widersprechen werden, schafft man nicht automatisch damit, indem man mit Vulgarismen um sich schmeißt. So, schlimm ist es dem Buch zwar zum Glück nicht, aber es gibt da schon so ein paar Stellen, an denen es einfach nicht hätte sein müssen.

Unterm Strich, hat mich " Das Umgehen der Orte" aber vollkommen für sich einnehmen und begeistern können. Letztlich bleibt mir nur zu sagen, dass ich mir wünschte, dieses Buch wäre vom Verlag als Jugendbuch veröffentlicht worden. Denn genau solche Bücher, brauchen wir in dem Bereich. Ehrliche Bücher. Authentische Bücher. Bücher, in denen nicht alles glitzert und einfach ist. Bücher, in denen Menschen wirkliche Probleme haben, Probleme die die Leser auch kennen. 

Also, lieber Herr Hischmann... oder kann ich Fabian sagen? Ich duze dich jetzt einfach, weil wir den gleichen Namen habe, und wir fast im selben Alter sind. Du wirst das hier nie lesen und falls doch, wahrscheinlich mit dem Kopf schütteln und keine Ahnung was machen, ein Curry King essen oder Master of None (falls du es noch nicht gesehen hast, unbedingt schauen, geile Serie!) schauen. Jedenfalls, für den unwahrscheinlichen Fall, dass diese Rezension irgendwie bei dir ankommt, bitte schreib ein Jugendbuch! Denkst dir jetzt sicher, Jugendbuch whaaaat! Aber, mach einfach mal. Würde mich freuen. Der Wells macht es auch, aber dich mag ich mehr, also PLEASE!

 Berlin Verlag   Gebunden, 205 Seiten  • 18€    ISBN: 978-3-8270-1292-0  • 
Dieses Buch wurde mir vom Verlag freundlicherweise als Rezensionsexemplar gestellt

Kommentare:

  1. Schaff dir einen Like-Button für den Blog an, damit ich meinen dicken Daumen drauf knallen kann! Ich bin so gespannt auf das Buch und ich liiiiiebe deine Rezension, die Wortwahl. Was mich wieder daran erinnert, dass du hoffentlich den Mittelteil deines Romans verdammt nochmal schreiben musst, weil ich was von dir lesen will! 😍 Aaah!!

    Liebe Grüße
    Rebecca

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    1. Haha, wenn ich wüsste wie das geht, ich würde es glatt machen! xD
      Yaay, danke, das freut mich wirklich sehr zu hören! Ich werde mir Mühe geben das Zwischengedöns so schnell wie möglich fertig zu kriegen! :D

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  2. Sehr geile Rezi!!
    Ich muss demnächst dringend mal in meinem Jugendbuch Rezensionsarchiv schauen, ob ich nicht was für dich finde. Kann ja nicht so weiter gehen mit deiner Jugendbuch Abneigung.
    Hirschmann hatte ich schon mal auf dem Schirm, dann aus den Augen verloren und jetzt dann wohl doch wieder drauf.
    Liebe Grüße
    Nanni

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    1. Dankeschön!
      Haha, eigentlich hab ich keine Abneigung gegen Jugendbücher an sich, nur irgendwie gegen den Großteil der da so veröffentlicht wird, weil die alle... na ja, da ist die Liebe immer irgendwie wichtiger als alles andere, und das nervt auf Dauer. Deswegen sage ich auch immer, mehr Story und weniger Love ;)

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  3. Tolle Rezension! Das Buch werde ich mir mal merken, du hast mich neugierig darauf gemacht.

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    1. Hussa! Freut mich sehr, ich hoffe du wirst auch so begeistert davon sein! :)

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