Matthias Brandt - Raumpatrouille

3. Dezember 2016 |
Matthias Brandt ist Schauspieler. Und der Sohn von Willy Brandt. Mehr wusste ich nicht über ihn. Um ehrlich zu sein, musste ich zuerst sogar ein Bild googlen, weil ich mir nicht ganz sicher war, ob der Matthias Brandt der ist, zu dem ich ein Bild im Kopf hatte. War er zum Glück. Jedenfalls war ich total begeistert, als ich auf dieses Buch gestoßen bin. Ich würde mich nämlich schon als politisch sehr interessiert beschreiben, und wenn man dann noch irgendwie Geschichten über Menschen lesen kann (in dem Fall, die des Sohnes), die im Dunstkreis der politischen Macht aufgewachsen sind, dann finde ich das schon äußerst interessant.
Nun, als ich dann aber gestern das Buch beendet und zugeklappt habe, war das vorherrschende Gefühl bittere Ernüchterung. Nicht weil das Buch schlecht ist, im Gegenteil. Ich kann auf der einen Seite durchaus nachvollziehen, woher die Begeisterungsstürme für dieses Buch rühren. Auf der anderen Seite, kann ich dem aber nicht zustimmen. Denn irgendwie unterscheiden sich die geschilderten Ereignisse, nur sehr geringfügig von dem, wie viele andere Menschen auch aufgewachsen sind. Denn trotz des Wachpersonals und den Begegnungen mit anderen wichtigen Persönlichkeiten, bleibt unterm Strich eine Kindheit, die normaler nicht hätte sein können.

Dass sich der junge Matthias Brandt in diesen Geschichten aber nach dem gutbürgerlichen Spießertum sehnt, in das er bei einer Übernachtung bei seinem besten Freund Holger einmal eintaucht, erscheint mir etwas arg überschwänglich.

Der Schreibstil muss ich sagen, war leider auch nicht so meins. Ich habe nichts dagegen, wenn Sätze hier und da ein bisschen verzwirbelt sind, aber diese Art von Verschachtelung wie ich sie in diesem Buch vorgefunden habe, ist mir einfach zu zäh und zu holprig. Wodurch der Lesefluss auch nicht wirklich zustande kam. Zu oft bin ich hängen geblieben und musste Sätze noch einmal lesen. Und auch wenn die Geschichten (und das Buch an sich), recht kurzgehalten sind, empfand ich sie größtenteils als sehr dröge, fast schon langweilig. Denn wenn man es genau nimmt, dann ist dem damals jungen Autor, obgleich er der Sohn von Willy Brandt ist, nichts wirklich Aufregendes passiert.
Die viel gelobten, doch so authentischen Schilderungen aus der Sicht eines Kindes, habe ich leider auch nicht gesehen. Vielmehr liest man Geschichten aus einer Kindheit, an die sich ein Mittfünfziger zurückerinnert, und diese Erinnerungen zwar irgendwie durch die Augen eines Kindes sieht, sie aber mit der Beobachtungsgabe und der Eloquenz eines erwachsenen Mannes niedergeschrieben hat.

Schiebt man all diese Dinge aber auf die Seite, dann bleibt ein kurzweiliges Buch, mit einigen humorigen Stellen (die ich so, gar nicht erwartet habe), und vierzehn kleinen Episoden aus der Kindheit eines Prominenten, die zwar irgendwie genauso war, wie die aller anderen, gleichzeitig aber irgendwie anders. Zumindest ein ganz kleines bisschen.

 Kiepenheuer & Witsch   Gebunden, 176 Seiten  • 18€    ISBN: 978-3-462-04567-3  • 
Dieses Buch wurde mir vom Verlag freundlicherweise als Rezensionsexemplar gestellt

1 Kommentar:

  1. Was ich mich frage, ist, warum er es Raumpatrouille nennt. Als Fan der Kultserie erwartet man dann schließlich ein herrliches Nerdbuch voll Science Fiction und Träumerei. Konntest du da irgendwas herausfinden?

    LG
    Taaya von Let 'em eat books (das leider hier nicht verlinkt werden kann)

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