Die Finstersteins: Wehe, wer die Toten weckt - Kai Lüftner

14. Oktober 2016 |

Wahrscheinlich fange ich jede meiner Kinderbuch-Rezensionen so an, aber ich kann es einfach nur immer und immer wieder betonen - Kinderbücher sind einsame Spitze! Und der erste Band, aus der neuen Reihe von Kai Lüftner, untermauert meine Meinung nur allzu deutlich.
Gleich zu Beginn, bin ich dem Buch aber leider etwas auf den Leim gegangen, denn als Fred, der Held dieser Geschichte, von einem "waschechten Ork" gejagt wird, dachte ich für einen kurzen Moment, dass das tatsächlich ein echter Ork ist, was mich schwer begeistert hätte. Allerdings handelt es sich bei dem "Ork" nur um Aaron, einen fiesen Jungen, der seine Freude darin gefunden hat, Fred zu drangsalieren.
Und ich muss auch gestehen, dass ich zuerst dachte, dass das hier wieder eine der typischen Außenseiter-Geschichten wird, wie man sie gerade im Kinderbuch-Segment zu genüge findet, doch dem ist echt nicht so. Da hat mich das Buch auch gleich das zweite Mal überrascht, und das auf den ersten 50 Seiten. Schaffen die meisten Bücher für ältere Leser oft nicht einmal nach 100-200 Seiten.

Aber darum geht es nicht, sondern um Fred der gerade nach Berlin gezogen ist, und mit seiner Mutter auf einem Friedhof lebt, um Franz Ferdinand, den kleinen Nerd, mit dem sich Fred schnell anfreundet und die Finstersteins, die versteinerte Familie, die Fred eines Tages zufällig in einer der Grüfte entdeckt.

Die Geschichte die sich daraus entspinnt, könnte nicht lustiger und spannender sein. Besonders der doch recht trockene und mitunter schwarze Humor, haben es mir besonders angetan. Aber auch Franz Ferdinand und dessen Nerdtum, haben mich sehr begeistern und unterhalten können.

Im Mittelpunkt steht aber ganz klar die Freundschaft zwischen Fred und Ferdi, wie sie zusammen das Geheimnis um die Finstersteins lüften, sich zusammen gegen Aaron und seine "Ork-Gang" behaupten und über den gesamten Verlauf des Buches, immer fester zusammenwachsen. Ich finde es sehr authentisch, wie Kai Lüftner hier die Dynamik einer Jungenfreundschaft darstellt, und fand zu keinem Zeitpunkt, dass einer der beiden Jungs irgendwie daneben oder überzogen wirkte.

Was mich allerdings ein bisschen gestört hat, ist der Punkt mit dem Mobbing. Ich finde gut und auch sehr wichtig, dass sich Herr Lüftner diesem Thema gewidmet hat, mir war es dann aber doch ein bisschen zu wenig. Ich würde hier aber durchaus die Das ist ja auch der erste Band-Freikarte zücken, und einfach mal abwarten wie sich das Thema in den nächsten Büchern entwickelt. Für Kinder aus der Zielgruppe, und das ist ja hier vorrangig zu bewerten, sollte der Umgang mit diesem Thema aber vollends zünden.

Alles in allem, ist der erste Finstersteins-Band ein gelungener Auftakt, der mit einer ordentlichen Portion Spannung und Humor daherkommt. Und gerade die großartigen Illustrationen von Fréderic Bertrand, runden die Geschichte ab, und verleihen ihr den perfekten Grusel-Faktor. Ich würde zwar vermuten, dass das Buch sich eher an Jungs richtet, Mädchen werden mit Sicherheit aber auch ihren Spaß haben. 
Die Finstersteins, ist das perfekte Buch für den Herbst. Wer sich gerne ein bisschen gruseln möchte, und noch ein gutes Buch für den Halloween-Abend sucht, sollte hier beherzt zugreifen.


Die Finstersteins - Wehe, wer die Toten weckt...
 Coppenrath Verlag   Gebunden, 217 Seiten   Die Finstersteins Band 1 • 12.99€ 
   Lektorat: Jutta Knollmann   • Illustrationen: Fréderic Betrand
ISBN: 978-3-649-61908-6

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