Die Sache mit der Diversität

21. August 2016 |
"We need diversity!" heißt es in der Jugendbuch-Community. Verlage, Autoren und Leser schreien danach. Letztere besonders oft und besonders laut. Zurecht wie ich finde. Denn wir brauchen eindeutig mehr Diversität in Jugendbüchern, am besten schon vorgestern.
Gestern allerdings, habe ich mir mal Gedanke darüber gemacht. Überlegt dass es diesen Slogan jetzt gut zwei-drei Jahre gibt, und dass sich in dieser Zeit eigentlich kaum was verändert hat. Klar, die Buchwelt arbeitet sehr langsam und Veränderungen, die in kurzer Zeit vollbracht werden sind oft nicht sehr nachhaltig, aber trotzdem, irgendwie bewegt sich in diese Richtung nur sehr wenig. Es schreien zwar aller immer noch nach mehr Diversität, aber geliefert wurde sie bisher eher in kleinen Portionen. Oder gar nicht.

Und die Frage die ich mir da stelle  ist: "Was machen wir als Leser denn, um diese Diversität zu bekommen?"
Klar, wir sagen gerne dass wir sie haben wollen, dass wir sie brauchen, aber seit wann stellt sich durch Worte allein eine Veränderung ein?
Das interessante hierbei ist ja, dass es in unserer Hand liegt. Doch wirklich, wir Leser sind es die Autoren große machen. Wird sind es die dafür sorgen das Bücher auf den Bestsellerlisten landen, und damit dann dafür sorgen, dass Autoren und Verlage den Eindruck gewinnen, dass sich nichts ändern muss. Denn würden wir wirklich wollen, dass sich was verändert, dass es eben mehr Diversität in Jugendbüchern gibt, würden wir dann immer noch, die immer gleichen Geschichten kaufen? Würden wir dann immer noch dafür sorgen, dass es weiße heterosexuelle Frauen sind die auf den Bestsellerlisten landen, und die in ihren Büchern in erster Linie sich selbst repräsentieren?

Repräsentation ist ein weiterer wichtiger Punkt, der meiner Meinung nach aber nicht an Diversität gekoppelt ist. Wie ich gerade schon schrieb, repräsentieren sich Autoren zu  allererst selbst. Wen sollten sie auch sonst repräsentieren? Ich kann ja auch nur mich repräsentieren und nur du dich. Sollten wir in Büchern daher nicht eher nach Ähnlichkeit, anstatt Repräsentation suchen? Nach Charakteren die uns ähnlich sind, in einer ähnlichen Lebenssituation stecken und ähnliche Hobbies, Charakterzüge und Ansichten haben wie wir?

Versteht mich nicht falsch, ich finde es großartig dass der Jugendbuch-Sektor eine der wenigen Ecken in der Buchwelt ist, in der es eine Mehrheit von Frauen gibt. Im High Fantasy-Bereich haben Frauen im Grunde nichts zu melden, sie bekommen weniger Aufmerksamkeit, gewinnen seltener Preise und auch weibliche Figuren sind oft auf Stereotypen beschränkt. Ähnlich oder vielleicht sogar noch ein bisschen schlimmer, ist es im Comic Buch-Sektor. Es ist auch richtig, sich über diese Zustände zu beschweren, aber passiert genau das, was in anderen Genres kritisiert wird nicht auch im Jugendbuch? Denn soweit ich das beobachte, wird dieser von weißen heterosexuellen Frauen dominiert, die über weiße heterosexuelle (in der Regel weibliche) Protagonisten schreiben, und sich an eine weiße heterosexuelle, weibliche Leserschaft richten. Haben wir im Jugendbuch-Bereich, nicht längst einen Punkt erreicht, an dem wir eine Überrepräsentation von diesen weißen heterosexuellen Protagonistinnen haben?
Und noch viel interessanter, macht es so überhaupt Sinn nach Diversität zu verlangen, wenn sich diese Autoren eigentlich nur selbst repräsentieren? Müssten wir als Leser, nicht eher anfangen uns Gedanken über unser Verhalten zu machen? Anfangen Autoren und Bücher zu boykottieren, sie einfach nicht mehr zu kaufen und zu hypen, um den Verlagen wirklich deutlich zu machen, dass sich die Nachfrage in diese Richtung erledigt hat? Das sich etwas ändern muss. Das es nicht nur hohle Worte sind, die wir von uns geben?

Und wer jetzt kommt von wegen, ja aber Magnus Bane und Ronan Lynch. Die beiden und ihre Beziehungen sind keine gute Repräsentation homosexueller Figuren. Sie werden auch nicht geschrieben, um Diversität in den Büchern zu haben, sondern um heterosexuelle Frauen zu unterhalten. Die haben nämlich (nicht alle, aber viele) den selben seltsamen Fetisch im Bezug auf schwule Männer, wie ihn Männer im Bezug auf Lesben haben.
Oder gibt es einen anderen Grund, warum sich diese M & M Romance Bücher in erste Linie an Frauen richten und nicht an homosexuelle Männer, so wie man es ja eigentlich vermuten würde? So ist es auch mit homosexuellen Jungs in Jugendbücher, die sollen nicht repräsentieren, die sollen unterhalten. Und nur deswegen, weil die Damen Clare und Stiefvater erkannt haben, dass diese Figuren ziehen bekommen sie (gut, bei Ronan ist es nicht ganz sicher aber, die kommt sowieso), auch ihre eigenen Trilogien. Nicht weil man homosexuelle Männer pushen will, sondern weil sich damit Geld machen lässt. Und wenn solche "Zustände" nicht als problematisch erachtet werden, sondern im Gegenteile eher dafür sorgen, dass Autorinnen für die Einbindung solcher Charaktere als mutige Vorreiter gefeiert werden, die sie, wenn man mal die Fangirl-Brille abnimmt, eigentlich nicht sind. Ja, wie soll sich dann etwas ändern?

Aus diesem Grund gibt es und wird es in Zukunft auch nur wenig Mainstream-Jugendbücher geben, die lesbische Protagonistinnen haben, weil heterosexuelle Mädchen sich einfach nicht für Lesben interessiere. Wem sollen sie denn dann auch nachschmachten? Bei schwulen Männern geht das ja noch, weil die sind ja männlich und voll hot und soooo cute. Was anderes können diese Homos ja auch nicht, nur cute sein. Und weil sie so schwul und cute sind, sind sie ja total anders und das macht sie besonders, und das wiederum macht es für Fans okay, sie auf ein Podest zu stellen auf das sie eigentlich nicht gehören.

Was ich mit diesem Beitrag eigentlich sagen möchte (und was mir wahrscheinlich wieder nicht gelungen ist xD), ist dass wir die Verantwortung nicht alleine auf die Autoren und die Verlage schieben können. Wir können nicht nach Diversität schreien, und uns dann chillaxt zurücklehnen um zu warten ob die auch kommt, während wir weiterhin Bücher und Autoren unterstützen, die entweder gar keine Diversität bieten, oder aus den falschen Gründen. Wenn wir als Leser die Nachfrage nicht ändern, wie soll sich dann das Angebot ändern? Wenn wir es zulassen, dass Minderheiten in Büchern, wenn überhaupt, nur zu Unterhaltungszwecken vorkommen, und den Autoren dann auch noch Zucker in den Arsch blasen, wie toll sie das machen, anstatt ihnen zu signalisieren dass das so nicht geht, ja was soll sich denn dann ändern? Wir Leser müssen uns zuerst ändern. Müssen aufhören jeden 08/15 Shit, der leider den Großteil des Jugendbuchmarktes ausmacht, zu hypen und für etwas zu feiern, das er gar nicht ist. Wir müssen kritischer werden mit dem was wir lesen, mit den Autoren die uns diesen Lesestoff bieten. Wir müssen aufhören die Popularität von Büchern mit Qualität zu verwechseln. Qualitative, authentische Bücher liefern von ganz alleine Diversität.



Kommentare:

  1. Jetzt grade hätte ich gerne einen Like-Button oder ein Herzchen. Denn deinem Beitrag habe ich nichts hinzuzufügen.
    Danke für diesen tollen Post!
    Liebe Grüße,
    Lena

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    1. Hey Lena!

      Hehe, ja die sollte ich wohl mal einführen xD Danke, dass dir der Beitrag so gut gefällt :)

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  2. Ich hab beim Lesen des Artikels jetzt ne ganze Weile Bauchweh bekommen und konnte es nicht richtig festmachen, aber jetzt schon.
    Was ist denn das Ziel von Diversität? Die Repräsentation möglichst vieler verschiedener Charaktere. Nun mag es sein, dass viele Autoren in der YA-Sparte "weiße heterosexuelle Frauen" sind. Und bei Gott, ja, wir bräuchten auch mal andere Autoren, egal ob Mann oder Frau, die mal aus ihrer Erfahrungsschiene erzählen könnten. Aber die eierlegende Wollmilchsau, die gleichzeitig sämtliche Ethnizitäten und sexuelle Orientierungen in sich vereint, die gibt es eben nicht. Denn Diversität ist nicht das Verhältnis zwischen PoCs und weißen Charakteren oder zwischen Homos und Heteros. Für mich ist das die Abbildung der Wirklichkeit, in der es eben nicht nur zwei Sorten von Menschen in Kategorien gibt, sondern viele verschiedene Menschen mit vielen verschiedenen Charakterzügen und Merkmalen. Und dann hat man wohl nur schwer die Wahl, Repräsenation auch denen zu überlassen, die nicht aus Erfahrung sprechen und sich möglichst zumindest damit auseinandersetzen, was sie da schreiben. Ist nicht vorrangig der Inhalt das, was zum jetzigen Zeitpunkt noch darüber entscheidet, ob Diversität auf dem Buchmarkt existiert?
    Nun wissen wir ja gar nicht, ob das wirklich "heterosexuelle" Frauen sind, denn was wirklich häufig - und auch hier - außenvorgelassen wird, ist das schön Wort Bisexualität (von sämtlichen anderen Sexualitäten will ich gar nicht anfangen, weil sie so außerhalb jeglichen Bewusstseins sind, dass kaum jemand überhaupt auf die Idee kommt, sie in Betracht zu ziehen.). Magnus ist nicht homosexuell. Magnus ist bisexuell. Ich bin mir sicher, dass jedem von uns eigentlich bewusst ist, dass die Tatsache, dass jemand Bisexuelles mit entweder Mann oder Frau zusammen ist, ihn nicht automatisch in diesem Moment homo- oder heterosexuell werden lässt. Woher wissen wir dann so genau über die Sexualität unserer Autoren Bescheid? Weil sie zufällig einen Partner haben?

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    1. [Jetzt war auch noch mein Beitrag zu lang *seufz*]

      Versteh mich nicht falsch, ich sehe schon, was du damit sagen möchtest. Aber gerade Ronan finde ich da ein echt schlechtes Beispiel und erkenne aus deinem Text auch nicht, wo er "die Frauen nur unterhalten soll". Nenn mich blind, aber die ersten zwei Bände hatte Ronans Sexualität kein Schwein interessiert. Und auch später ist sie _nicht_ Ronans Hauptmerkmal - oh, toll, Ronan ist schwul, und achso, ja, nenbenei übrigensauch...tralala, ich spoiler jetzt nicht, du weißt, worauf ich hinaus will. Und wenn man der Autorin jetzt Böses unterstellen will, kann man klar sagen, dass sie Ronan schwul gemacht hat, weils ja vorher eh keiner wusste. Und Adam praktischerweise auch bi (was übrigens auch kein Mensch wieder erwähnt, weil wieso auch...). Oder es ist einfach wie es im wahren Leben ist - vorrangig interessiert mich einen Scheiß, ob mein Gegenüber jetzt hetero, bi, homo, demi-, a- oder sonstwie sexuell ist und ich merke das dann eben, wenn er mir seine Partner vorstellt oder eben auch nicht oder mir das erzählt. Nun mögen manche Ronan auf ein Podest stellen, weil er schwul ist, als hätte er vorher keine andere Leistung als Charakter erbracht. Hat er aber. Massenweise in zwei Bänden. Ronan ist, womit der Raven Cycle seinen Anfang genommen hat. Und es gibt genug Menschen, die das auch sehen und ihn deswegen als Charakter schätzen. Ich finde es fatal, dass Charaktere plötzlich nur noch auf ihre Sexualität beschränkt werden, das ist als würde man seinen Kumpel als "Das ist mein schwuler Kumpel Hans-Peter" vorstellen und nicht als "Das ist Hans-Peter". Ist es nicht an der Zeit, dass das hervorstechnste Merkmal einer Figur das sein sollte, was sie tut, und nicht der, den sie flachlegt?
      Vielleicht müssten manche ihre Fangirlbrille abnehmen, andere aber sicher auch ihre "Frau schreibt über Schwule und ist der geldmachende Antichrist"-Brille. Denn mit dem Finger auf jeden zu zeigen, der den Versuch macht, Diversität einzubringen, und ihnen nur das Schlimmste zu unterstellen, ist sicher auch nicht förderlich dafür, Diversität zu bekommen.
      Was mir bei solchen Beiträgen immer fehlt, ist der Punkt: Wie wäre es denn richtig? Wie sähe die Ideallösung aus? Was muss anders werden? Keine hohlen Phrasen, sondern konkrete Wünsche.
      (Sorry, aber das hängt seit 3 Wochen Ferien mit Tumblr in mir fest....)

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    2. Howdy!

      Uff, dann versuche ich mal auf die einzelnen Punkte einzugehen.
      1. Genau das sehe ich auch so, Diversität bedeutet die Realität in Büchern wieder zu spiegeln und die, wie wir ja alle wissen besteht nicht nur aus heterosexuellen, weißen Mädchen/Jungen. Aber das ist ja der Punkt. Warum machen sich Autoren nicht die Mühe? Warum beschäftigen sie sich nicht mit dem Thema, wie Minderheiten und nutzen die Macht, die sie ja haben um es zu ändern? Wollen sie es nicht? Können sie es nicht? Dürfen sie es nicht, weil der Verlag das nicht will? Es gibt keinen Grund für all diese Autoren, Diversität nicht in ihre Bücher zu packen. Dennoch passiert es so gut wie nicht.

      2. Woher ich weiß, dass die meisten Autorinnen heterosexuell sind? Nun zu 100% weiß ich es natürlich nicht, kenne die ja nicht persönlich, aber da die meisten (wie man ganz einfach in den Sozialen Netzwerken sehen kann) verheiratet sind und auch Kinder haben, ist es wohl nicht verkehrt anzunehmen dass sie es sind.

      2. Ja, Magnus ist Bisexuell, wird aber trotzdem als Aushängeschild der Repräsentation für homosexuelle Charaktere gehandelt, und Cassandra Clare bekommt mächtig credit dafür. Unverdient, weil Magnus lediglich das klischeehafte Abziehbild eines Homosexuellen ist.

      3. Ronan, soweit ich mich erinnere gibt es schon in The Dream Thieves einige Hinweise darauf, dass Ronan Schwul ist und an Ende offenbart er sich. Seine Sexualität ist somit in 2 von 4 Büchern Thema. Und wenn ich mir das TRC-Fandom so anschaue, dann ist die auch der einzige Punkt, den die Leute generell an den Büchern und vor allem an Ronan interessant finden. Die anderen Dinge sind nicht von Relevanz. Schau dich doch mal auf Tumblr, Twitter, Facebook oder Goodreads um. Alles was du da liest ist "OMG! Ronan ist soooo cute!!!!eins11 Pynch hier, Pynch da. Also ob es in den Bücher keine anderen Figuren gibt. Als ob Adam und Ronan einzig und alleine deswegen interessant und relevant sind, weil sie ein Paar sind. Und ja, ich unterstelle der Autorin das bewusst so gemacht zu haben, weil sie weiß dass die beiden (Ronan allen voran) ziehen, dass die beiden die meisten Fans in den Fandom haben. Kein Wunder dass sie nun eine Ronan Trilogie schreiben will/wird. Sie weiß das Ronan zieht, sie weiß dass sich die Büchern wie sonst was verkaufen werden.

      4. Was du schreibst ist total richtig, ist in meinem Beitrag vielleicht nicht deutlich genug rüber gekommen, aber wir sind da eigentlich auf der selben Seite. Es ist extrem fatal Charaktere (macht man im realen Leben, wie du ja schon festgestellt hast) auf ihre Sexualität oder Ethnie zu reduzieren. Aber genau das passiert in den Büchern, genau das machen die aller meisten Fan, und so entwickeln sich Bilder von Minderheiten die nichts mit der Realität zu tun haben. Warum machen Autoren das? Weil sie wissen, dass es ihre Leserinnen wollen. Ich kenne keine homosexuellen oder bisexuellen Jungen/Mann, von dem ich je gehört hätte, Magnus und Ronan sind richtig gute Repräsentationen. Ich höre so was in der Regel aus den Mündern von Mädels, die Fangirls dieser Charaktere sind und keine Kritik zu lassen, weil sie es nicht besser wissen, weil sie vielleicht denken, dass was sie da lesen, entspräche der Realität. Natürlich ist es lobenswert von Autoren, wenn sie versuchen Diversität in ihre Bücher zu packen. Becky Albertalli hat ja auch wunderbar bewiesen, wie gut es sein kann. Die meisten Autoren, so empfinde ich es zumindest, geben sich a) aber nicht genug Mühe sich vorher überhaupt mal Gedanken darüber zu machen, oder b) machen es aus den falschen Intentionen heraus. Beides hilft niemanden und Entschuldigungen zu suchen, warum die Autoren es so machen, wie sie es machen, finde ich sogar noch schlimmer.

      Zu dem letzten Punkt, na ja, Andrew Smith, Becky Albertalli, Adam Silvera alles Autoren die es wunderbar gemacht haben. Die großen Mainstream-Autoren müssen einfach damit aufhören, Diversität als Plot device zu benutzen, oder als eine Möglichkeit damit Geld zu machen.

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    3. 1. Ich denke wirklich, dass vielen gar nicht bewusst ist, wie einseitig ihre Figuren in dieser Hinsicht sind. Sie schreiben das, was sie kennen, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen. Wenn man sich länger mit solchen Themen beschäftigt, dann fält einem das extrem auf, sicher. Aber jemand, der sich damit nicht befasst, ist erst einmal blind dafür, dass die Welt nicht nur aus weißen Heterosexuellen besteht - weil er selbst nicht von dieser Art Diskriminierung betroffen ist, nie oder nur falsch repräsentiert zu sein. Da nehme ich mich übrigens in meinen jungen Jahren auch nicht aus, sicher nicht. Nun gibt es diejenigen, denen das bewusst wir,d und es gibt diejenigen, denen das nicht bewusst ist, und die arbeiten alle als Autoren, Verleger, sind Leser... Aufgabe ist es dann in heutiger Zeit wohl, die, denen das nicht bewusst ist, mit der Nase darauf zu stoßen, dass hier etwas gewaltig schief läuft. Aber da sind wir uns ja einig.

      2. Siehe mein Kommentar zu Bisexualität - gerade für jemanden, der so auf Bewusstsein pocht, möchte ich es noch einmal sagen: Bisexualität ist auch weit unterrepräsentiert und hat selbst in manchen homosexuellen Kreisen noch ihr Stigma weg. Wir sollten aufhören, automatisch davon auszugehen, dass jemand mit Partner nur die Option Hetero oder Homo zulässt.

      3. Ronans Sexualität ist meiner Meinung nach eben nur ein Thema von vielen in TRC. Ronans Familie ist ein Thema. Ronans Herkunft ist ein Thema. Ronans Fähigkeit ist ein Thema. Ronans Gefühl der Heimatlosigkeit außerhalb Ganseys Radius ist ein Thema. Ronans Sexualität ist ein Thema. Ronans Gefühle für Adam sind ein Thema. Aber Ronan ist nicht der Schwule, der nichts zu bieten hat und keine andere Rolle hat als der Schwule zu sein. Ronan als Repräsentation sehe ich sowieso kritisch, weil er so fernab jeder Realität ist, dass er für nicht irgendwie Vorbild sein kann und sollte. Aber Autoren zu unterstellen, sie schaffen solche Figuren nur, um Geld abzustauben, finde ich zuerst einmal eine Unterstellung.

      Zum letzten Punkt: Das ist nicht das, was ich meinte. Was machen die denn so viel besser? Wie haben die das gemacht? Wie kann man ändern, dass mehr Autoren dieser Art veröffentlicht werden? DAS ist, was ich gerne mal irgendwoher hören würde. Ich verfolge Diskussionen dieser Art jetzt eine Weile und finde sie - sorry - echt ermüdend und unproduktiv, weil dauernd nur genhlt und gemeckert wird, positive Beispiele nur durch Namedropping fallen und auch sonst kein Vorschlag oder eine Erwartung geäußert wird, wie sich das denn jetzt ändern soll. Dass das jetzt gerade du abkriegst, tut mir leid, aber ich glaube, du kannst das ab (;

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  3. Haha, jetzt hab ich Punkt 4 vergessen, ich Doofnuss.

    Ich denke, dass man trennen muss, was Autoren schreiben, und was "Fans" daraus machen. Die Figuren nur darauf zu reduzieren, dass sie schwul sind, ist weder den Figuren noch den Autoren gegenüber fair, die sich Mühe geben, ihre Figuren auszugestalten. Das passiert nicht nur mit Magnus und Ronan, das passiert mit fast jeder Figur, die offensichtlich schwul ist (oder man dreht sich das so hin, dass sie es ist, das ist ja auch ganz beliebt.) Jetzt mag es Autoren geben, die das Bild auch falsch veermitteln, das passiert aber sicher auch bei den von dir genannten Autoren. Es gibt eine für mich sehr irritierende Faszination mit dem Sexualleben der Figuren, sobald sich Mann und Mann finden, die kann ich auch nicht recht verstehen. Dieses Theater gibt es bei lesbischen Figuren irgendwie weniger, vielleicht aber auch deswegen, weil lesbische Beziehungen schon immer anders aufgefasst wurden (männlicher sexueller Traum, Freundinnen, die auch so körperlich enger sind als Männer das sein dürfen... nichtsdestotrotz gibt es auch hier viel zu wenige!). Das hat für mich aber auch gar nichts mit der Freude über Repräsentation zu tun und verstört mich ebenfalls. Ich mag Adam und Ronan zusammen, aber nicht, weil wir jetzt endlich mal ein schwules Pärchen haben, ich mag auch Gansey und Blue. Aber ein Paar zu mögen, weil man es stimmig findet, und ein Paar zu mögen, weil man da irgendwelche sexuellen Fantasien ausleben kann, sind ja zwei Paar Schuhe, die man auch wieder unterscheiden muss.

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    1. So, dann kommt hier mal mit etwas Verspätung eine Antwort. :D

      1. Sorry, wenn ich das jetzt so krass Ausdrück, aber das ist Bullshit! Leute können nicht blind dafür sein. Das ist überhaupt nicht möglich, es sei denn, sie sind es willentlich. Klar, schreiben Menschen in erster Linie (nichts anderes, schrieb ich ja bereits in meinem Beitrag), über das was sie kennen und repräsentieren sich selbst. Aber man muss sich nicht wirklich groß Mühe machen, um zu sehen dass es viele verschiedene Arten von Menschen auf diesem Planeten gibt, und das auch so in den eigenen Büchern darzustellen, ist wohl nicht so schwer. Sollte es zumindest nicht sein.

      2. Da hast du natürlich recht, das wollte ich damit auch gar nicht sagen. Lediglich, dass eine Frau oder ein Mann, die/der seit Jahren verheiratet ist und Kinder hat, doch wohl auf den ersten Blick heterosexuell erscheint.

      3. Ja, und Ronan ist auch ein Rassist, immerhin macht er sich in TRK zusammen mit Adam über Henrys Akzent und Aussprache lustig. Aber darüber redet auch niemand, bzw. wird er in Schutz genommen, weil er ja eh einen ruppigen Charaktere hat und der rechtfertigt so was ja. Natürlich ist Ronan mehr als seine Sexualität, aber für die meisten Leser steht dieser Teil seiner Person im Vordergrund und ich bin mir unheimlich sicher, dass Frau Stiefvater dies auch weiß und aus diesem Grund Ronan jetzt eine eigene Trilogie spendiert, weil sich mit ihm Geld machen lässt. Und hätte sie ihn geschrieben, um homosexuelle Jungen zu repräsentieren, hätte sie sich wohl kaum für eines von zwei der nervigsten Klischees entschieden, dem verkappten Schwulen, der sich nicht outen kann, darf, will.Coming Out ist ein so sensibles und wichtiges Thema, es aber lediglich als Plot device zu benutzen (und das unterstelle ich Maggie Stiefvater auch), weil sich die Leserinnen total in die Hose machen deswegen, ist einfach nur problematisch.

      4. Genau, das ist ja der Punkt. Diese seltsame Faszination um schwule Männer. Davon wissen auch die Autorinnen wie Clare und Stiefvater und nutzen diese einfach aus. Das hat nichts mit Repräsentation zu tun. Mit Lesben gibt es das nicht, weil sich weibliche Leser einfach nicht für die interessieren, es sind keine Männer, da kann man nicht swoonen, da kann man niemanden anschmachten oder nachsabbern. Klar sind es zwei paar Schuhe, und ich verstehe auch, warum Leserinnen glauben Adam und Ronan wären ein tolles paar und die Darstellung ihrer Beziehung authentisch, dass sie das aber nicht ist, sollte auch gesagt werden dürfen.

      Und zu dem letzten Punkt, was machen diese Autoren besser? Nun, zuerst lassen sie Klischees weg, die sind in dieser Hinsicht sogar noch schlimmer, als ohnehin. Ich habe immer das Gefühl, es gibt in Jugendbüchern nur zwei Arten Schwule, die oberflamboyanten Paradiesvögel wie Magnus, oder die verschwiegenen Grumpy-Typen, die sich nicht outen können, weil dann die Welt untergeht und sich dann am besten auch noch in einen Freund verlieben, wie Ronan. Es gibt scheinbar kein Zwischending, und dabei sind viele Homosexuelle weder das eine noch das andere. Was wir brauchen, ist eine Darstellung von ganz normalen Schwulen, die nicht mit Regenbögen um sich schießen oder sonst was. Was sich ändern muss, damit mehr realistische Figuren in Büchern auftauchen? Zunächst müssen die Autoren (und das machen Clare und Stiefvater leider) aufhören in Klischees und Stereotypen zu denken, und diese zu verbreiten. Wir Leser müssen den Autoren zusätzlich auch signalisieren, dass diese Darstellung so nicht klar geht. Dann muss damit aufgehört werden, Homosexuelle als Plot device zu benutzen, die nur zur Unterhaltung dienen. Schwule sind nicht dafür da, damit sich Leserinnen unterhalten fühlen.

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    2. zu 1. Ich halte das tatsächlich nicht für Bullshit, denn in unseren Köpfen setzen sich gewollt oder ungewollt immer bestimmte Klischees fest. Und wenn man mit etwas nichts, aber auch gar nichts zu tun hat, wie will man dann dazu lernen, wo sieht man überhaupt die Nötigkeit dazu, wieso sollte man sich darüber wundern, wenn es doch so normal für einen selbst ist? Wie viel Ahnung hast du vielleicht von Transgender (du wahrscheinlich noch mehr als andere)? Wie viele sexuelle Ausprägungen kennst du? Und wusstest du, dass Rassismus auch unter Dunkelhäutigen existiert? Wir lernen immer, immer noch weiter dazu und zu behaupten, dass man automatisch in alle Richtungen bewusst wäre, ist einfach sich selbst in die Tasche lügen. Es gab diese tolle Geschichte von einem Professor an einer Filmschule, der den Schülern (darunter auch PoC, mehrere Sexualitäten, Männer und Frauen) Gesichtsaufnahmen von Personen gezeigt hat und sie aufgefordert hat, ihnen Rollen und Geschichten für einen Film anzudichten. Selbst die sind nicht aus ihren vorgefertigten Rollenklischees rausgekommen (der PoC war nie der Protagonist, am besten noch das Mordopfer oder noch besser: der mordende Drogenjunkie, die Frau hatte keine große Geschichte, was sie eh nur der vögelbare Sidekick war, der Asiate war ntürlich das Computergenie), obwohl sie selbst betroffen waren. Und wie oft ich Schüler direkt darauf anspreche, welche Worte sie als Schimpfwörter benutzen und sie das erklären lasse, und die entsetzten Gesichter, wenn sie kapieren, was sie da von sich geben, das ist Gold wert. Ja, man muss andere mit der Nase darauf stoßen, wenn man den Luxus hat, das kapiert zu haben. Denn man selbst ist eben nicht der Nabel der Welt und kann davon ausgehen, dass andere mit demselben Bewusstsein fehlender Diversität durch die Welt gehen wie man selbst. Und das nimmt nicht nur uns in jungen Jahren aus, denn Alter schützt vor Dummheit (oder in dem Fall Blindheit) nicht. Wo wir wieder am Punkt wären: Welche Stellung haben wir nun als Leser, Blogger, Autoren, Verlage, die das kapiert haben? Laut werden, fordern, darauf aufmerksam machen - und sich selbst verdammt nochmal bewusst darüber zu sein, dass es nötig ist und dass diverse Blindheit keine Bösartigkeit, sondern einfach fehlendes Bewusstsein ist, gegen das man vorgehen kann. Nun sind wir mittlerweile in dem Luxus, dass es Menschen wirklich tun. Und wir leben in einer erschreckenden Realität, in der immer noch Menschen denen das Recht absprechen, es zu tun, weil es "nicht nötig wäre", weil man ja schon "emanzipiert genug ist", weil doch "die Schwarzen offensichtlich gleiche Rechte haben", etc. Wenn ich noch einmal #alllivesmatter lesen muss, krieg ich die Krätze, ehrlich. Na klar ist uns bewusst, dass die Welt um uns nicht nur aus weißen, heterosexuellen Leuten besteht - es gibt aber genug Leute, denen das plötzlich in Filmen und Büchern gar nicht auffällt, weil _sie_ ja repräsentiert sind. Die am besten noch darüber motzen, dass man Lenny Kravitz für Cinna gecastet hat, das einzige Problem an Jennifer Lawrence aber in ihrer Haarfarbe gesehen haben. WTF? Sogar Menschen, die gejammert haben, dass Rue schwarz ist, weil sie in ihren Köpfen ein blondes weißes Mädchen war. Uns wundert das, und regt das auf (und es regt mich mächtig auf, dafür, dass ich gar nicht direkt betroffen bin). Und das überall zu sehen, finde ich echt anstrengend und kann mir gut vorstellen, dass es sich in dieser bequemen Blindheit echt gut leben lässt. Und irgendwie bin ich jetzt völlig abgeschweift. Ohje...
      Fazit: Ich denke, dass viele Blindheit eben keine bösartige ist, aber zu jeder Zeit eine, auf die man immer und immer wieder hinweisen muss, damit immer mehr Menschen zum Nachdenken angeregt werden.

      Dazu noch ein Link von einer Bloggerin, die zum Beispiel eine Konsequenz daraus gezogen hat: http://thebookavid.blogspot.de/2016/08/i-dont-accept-books-without-lgbt-or-poc.html

      Zum Rest muss ich nichts mehr sagen, ich mach da jetzt einfach nen Haken drunter (: Du hast ja Recht.

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  4. Eure Diskussion ist ja fast noch informativer als der Artikel, einfach weil ihr dort noch mehr Punkte aufführt und gleichzeitig die Argumente des Beitrags unter die Lupe genommen und vertieft werden.
    Ich für meinen Teil, stimme dir absolut zu. Der Leser entscheidet, ob ein Buch erfolgreich ist oder nicht, der Autor reagiert auf diese Auswahl. Schlichtes Angebot und Nachfrage Prinzip. Und natürlich wollen Autoren mit ihren Büchern Geld verdienen. Das ist ihre Arbeit - ja, im besten Fall auch Leidenschaft und Bestimmung, aber in erster Linie wollen die Schriftsteller*innen doch ihre Brötchen verdienen, und am liebsten frische Brötchen, keine billigen von gestern.
    Nun ist unsere Wirklichkeit aber eine, die sich erstens immer wieder neu konstruiert und zweitens - trotz aller Überschneidungen - individuell ist. Meine Meinung ist darum, dass der moderne Fokus auf Diversität nicht (nur) ein Ableger aus Genderdiskursen ist, sondern Folge der Entwicklung unserer Wirklichkeiten. Ich widerspreche absolut nicht, dass die Zielgruppe des Jugendbuchsektors auf den Zug voll aufspringt, aber dass sie es tut ist ein Ergebnis. Vor einige Jahren wäre diese Entwicklung undenkbar gewesen. Dass dieses Ergebnis keinesfalls ein Endergebnis sein darf - da stimme ich dir absolut zu. Homosexuelle derart zu inszenieren und einem "weiblichen Blick" zu unterwerfen ist nicht besser als die gegensätzliche Situation, wenn Frauen mal wieder zum Objekt männlicher Vorstellungen werden. Es ist schlichte Diskriminierung auf einem "versteckten Niveau".
    Gleiches gilt für die Vorstellung des weißen, blonden Mädchens. Dass wir in diesen Vorstellungen von unserer Umwelt geprägt sind, von den Vorstellungen unserer Eltern und Großeltern, den Bildern, die wir seit Jahrzehnten zu sehen bekommen, etc. macht es nicht besser. Den Fakt ist: wir wissen es besser! Jeder, dem nicht bewusst ist, dass Diversität die schlichte Norm ist, hat noch nie die Augen aufgemacht.
    Bleibt also vor allem zu hoffen, dass die Diskussion einige Augen öffnet, bei Lesern wie bei Autoren und dafür sorgt, dass fiktive Welten in diesem Punkt die Realität widerspiegeln.

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