Wann ist ein Mann kein Mensch

2. Juni 2016 |
Ich hab die letzten Tage echt lange hin und her überlegt, ob ich diesen Beitrag schreiben soll oder nicht. Und ich hab auch mehrmals damit angefangen, nur um dann doch wieder alles zu löschen weil ich mir dacht, ach komm, drauf geschissen, das Thema sitzt doch eh ihm Waynetrain nach Egalistan.
Nun lässt mich dieses Thema aber nicht in Ruhe und ich musste jetzt einfach doch etwas dazu schreiben.

Vorab möchte ich kurz sagen, dass ich mir durchaus im Klaren darüber bin, dass es in/bei anderen Genres/Büchern die für eine bestimmte Altersgruppe geschrieben werden, allen voran wohl Adult/High Fantasy, gänzlich anders aussieht. Da ich aber in dieser Jugendbuch-Blase drinstecke, und auch überwiegend Jugendbücher/YA-Fiction lese, beschränke ich mich eben auf Jugendbücher und die Jugendbuch-Community, die wohl eh einen nicht ganz unerheblichen Teil der Buch-Community ausmacht.

Gut, komme ich mal zu dem Thema. Vor ein paar Tagen habe ich "Captive Prince" (deut. Der verschollene Prinz) von C. S. Pacat beendet. Gelesen hatte ich das Buch, weil Victoria Schwab (eine meiner Lieblingsautorinnen) dem Buch 5 Sterne gegeben hat. Da dachte ich mir, wenn eine Autorin die ich gerne mag und schätze, das Buch so gut bewertet, dann muss es ja irgendwie gut sein...

Joa, da habe ich mich fett geschnitten, denn das Buch war furchtbar. Schrecklich, widerlich, abstoßend, einfach eines der miesesten Bücher die ich jemals in meinem leben gelesen habe.

In dem Buch geht es um Damen und Laurent. Damen ist Laurents Sklave und wird von diesem, das ganze Buch über gefoltert, vergewaltigt, zu Laurents  Belustigung von anderen Männern vergewaltigt, noch mehr gefoltert, unter Drogen gesetzt und noch ein bisschen mehr vergewaltigt. Ein richtige beschissenes, sexistisches Buch also. Ihr könnt euch nun sicher vorstellen, wie geschockt ich war (eigentlich immer noch bin), zu sehen dass Victoria Schwab dieses Buch so gut bewertet hat. Klar, die Frau ist immer noch irgendwie eine Privatperson und kann ja gut finden was immer sie auch will, aber ich habe, wie ich gestehen muss, große Schwierigkeiten das zu trennen. Wie soll ich jemanden gut finde und unterstützen, wenn diese Person ein so sexistisches und männerfeindliches Buch gut findet?

Und da kam mir ein Gedanke, da neben Victoria Schwab noch viele andere Leserinne das Buch in den Himmel gelobt haben. Wenn Damen eine Frau wäre, die misshandelt, vergewaltigt, gefoltert und unter Drogen gesetzt wird, dann würde dieses Buch verrissen, verflucht, verbannt und verbrannt werden. Die Buch-Community würde sich selbst aus den Angeln heben und einen Shitstorm der Güteklasse A+ vom Stapel lassen. Durchaus berechtig.
Warum wird das aber nicht gemacht, wenn es um einen männlichen Charakter geht? Wie können Leute, die auf Goodreads sonst bei jedem kleinen Anflug von Frauenfeindlichkeit und Sexismus an die Decke springen und eine fette 1-Sterne-Rant-Rezension raushauen, dieses Buch so gut bewerten? Wie kann es sein, dass hier einfach über solche Dinge hinweg gesehen wird obwohl sie nicht minder sexistisch sind? Obwohl sie gegen alles sprechen wofür sich sonst immer stark gemacht wird?
Wo ist hier die Gleichberechtigung nach der immer so laut geschrien wird? Warum gibt es wegen diesem Buch, keinen Shitstorm der die Buchwelt aus den Angeln hebt?

Kleine Funfact-Runde: Jungen und Männer sind ebenso sexueller Gewalt ausgesetzt wie Mädchen und Frauen. Und das durch Männer und durch Frauen. Männer haben Gefühle, ihnen kann Schmerz, Leid und Ungerechtigkeit ebenso widerfahren und zusetzen wie Frauen.

Es beschränkt sich ja auch nicht einmal auf dieses Buch. Der Jugendbuch-Sektor und die Community sind voll von Sexismus und Anti-Maskulinismus.
In Jugendbüchern erfüllen Jungen im Grunde eine Aufgabe, nämlich die irgendwie hot zu sein, die Protagonistin schlecht zu behandeln und dabei möglichst wenig, am besten gar keine Persönlichkeit an den Tag zu legen. Und diese persönlichkeitslosen 08/15-Schablonen werden wieder und wieder verwendet und die sind es dann auch, die von dem weiblichen Teil (der btw. den Hauptteil ausmacht) dieser Community gefeiert und geliebt werde. Natürlich nicht von allen, aber den meisten.

Würde ich als Mann/Leser öffentlich im Internet so über weibliche Buch-Charaktere reden, wie es Frauen/Leserinnen machen, dann würde man mich (zurecht) mit allergrößter Wahrscheinlichkeit als Sexisten bezeichnen, der Frauen zu Sexobjekten degradiert und und und. Warum passiert das bei Leserinnen nicht? Warum dürfen die Mädels in dieser Community ungeniert männliche Charaktere auf ihr Äußeres reduzieren, ihnen notgeil nachgeifern und keine Sau stört sich daran? Ach stimmt, um sexistisch zu sein braucht man ja einen Penis, ganz vergessen. Penis ist ja auch nur das Kürzel für PEverser NIchtdenkender Sexist.

Gutes Beispiel, gerade macht "A Court of Mist and Fury" von Sarah J. Maas die Runde in der Community. Das ist der zweite Band ihre Retelling-Trilogie. Ich habe in den letzten Tagen unzählige Posts auf Twitter, Facebook, Goodreads und Instagram zu diesem Buch gesehen. Und das was in fast all diesen Beiträgen am meisten erwähnt wurde ist Rhysand. Rhysand ist ein männlicher Feen-Typ der im ersten Band schon auftaucht, in ACOMAF aber eine größere Rolle spielt. Es geht dann darum wie hot Ryhsand doch ist, Wie geil Rhysand ist. Rhysand, Rhysand, Rhysand und nochmals Rhysand. Stört mich ja nicht, trotzdem kam ich bei diesen Beiträgen irgendwann nicht mehr umhin mich zu fragen: Hm, das Buch hat etwas mehr als 600 Seite und alles was sich die Leserinnen da offensichtlich rausziehen, ist wie unfassbar megahot dieser Rhysand doch ist? Mehr nicht? Mehr ist in dem Buch nicht zu finden?
Und das sind dann auch die Leute, die auf Twitter irgendwas von "the white male sexist" und "double standards" faseln. Oder die mich über Sexismus und Frauenfeindlichkeit und Gleichberechtigung belehren wollen.

Ich habe nichts dagegen wenn Mädels öffentlich irgendwelchen fiktionalen Typen nachschmachten. Aber dann sollte man mir auch das Recht zugestehen diese Personen als Sexisten zu bezeichnen, denn das sind sie in meinen Augen oft. 

Gleiches gilt auf für Autoren. Würde ein Autor seine weiblichen Figuren explizit nur auf ihr Äußeres reduzieren, immer und immer wieder betonen wie sehr sich der Hintern doch unter der engen Jeans abzeichnet, was für sexy-verruchte Augen die Figur doch hat und wie lasziv sie ihre Haar zurückwirft, so, wie es Autorinnen bei männlichen Figuren machen, dann würde dieser Autor im Leben kein Buch mehr verkaufen. Die Community würde sich auf ihn stürzen und virtuell in der Luft zerreißen. Das sogar vollkommen zurecht. Warum aber passiert das nicht bei Autorinnen?
Warum dürfen Autorinnen ihren männlichen Figuren degradieren und reduzieren? Weil es Fantasien befriedigt? Weil es wichtiger ist, die Fantasien der Leserinnen zu befriedigen, anstatt ihnen zu zeigen dass Jungen/Männer auch ganz anders sein können, dass sie mehr sein können, dass sie ganz normal sind wie du und ich. Dass Männer auch einfach nur Menschen sind, mit Gefühlen und einem Recht darauf mehr als nur billiges Wichsmaterial für Mädchen zu sein.

Ebenso der Mythos, es gäbe keine Bücher nur für Mädchen oder nur für Jungen. Sorry, aber das ist Bullshit. Ja, in einem gewissen Rahmen stimmt das, jeder kann im Grunde alles lesen, egal welches Geschlecht er/sie hat. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Großteil der Jugendbücher sich an eine weibliche Leserschaft richtet. Was natürlich nicht heißt, dass man als Junge/Mann nicht zu diesen Bücher greifen, sie lesen und sich für sie begeistern kann. Aber auch das ändert nichts daran, dass sich die Bücher inhaltlich an weibliche Leser richten. Versteht mich nicht falsch, das ist echt cool, aber es ist trotzdem irgendwie immer ein ganz kleines bisschen schade, dass man als Leser eigentlich ausgeschlossen wird.
Die Titel und Cover sind ja auch in der Regel so konzipiert und gestaltet, dass sie vorrangig Mädels/Frauen ansprechen. Ist ja auch total verständlich, immerhin gibt es mehr Leserinnen als Leser, daher wäre es ja auch nur blöde von den Verlagen nicht auf die Leute abzuzielen, die die meiste Kaufkraft aufbringen. Ist im Grunde ja auch nicht sonderlich schlimm, ich finde es nur immer etwas schade, wenn mir das Cover eines Buche schon direkt suggeriert: Tja Jung, wärste mal mit einer Vagina geboren worden! 

Wie kann man sich da denn wundern, dass es nicht so viele Jungen gibt die lesen? Was jetzt nicht heißen soll, dass es einzig und alleine daran liegt. Aber wenn ich einen Sohn hätte, der sagen wir mal 16 oder 17 Jahre alt wäre, und ich würde mit dem in die Buchhandlung gehen und ihm in der Jugendbuchabteilung sagen er kann sich ein Buch aussuchen, wonach sollte er denn da greifen? Nach dem 75. Band von Obsidian? Nach Die Rote Königin? Nach Selection ? Nach Elias und Laia? Nach Silber? Oder anders gefragt, welches dieser Bücher sagt denn: Hey, du kannst mich auch lesen, wenn du einen Schniedel hast!Es geht mir jetzt gar nicht irgendwie darum, dass man da gefälligst Dinge auf die Cover macht, die vermeintlich sofort Jungen ansprechen würden, wie gesagt ich versteh warum es gemacht wird, wie es nun einmal gemacht wird. Aber wäre es nicht auch möglich, Cover zu gestalten, die vielleicht ein bisschen geschlechtsneutraler sind? Die halt eben nicht so aussehen, als wären es Bücher nur für Mädchen?

Wenn wir alle miteinander doch für mehr Gleichberechtigung sind, warum besteht dann in dieser Community und den Büchern die wir lesen und lieben, so eine Ungleichheit? Und warum wird die geduldet/ausgeblendet wenn es um Jungen/Männer geht (oder sich gegen sie richtet), aber jeder gleich auf die Barrikaden springt, wenn sie Mädchen und Frauen betrifft? Warum wird mir als Leser damit quasi mitgeteilt dass ich weniger Zähle als Leserinnen. Warum veranstalten Verlage "Der hotteste männliche Buch-Charakter"-Votings, aber keine für die hottesten weiblichen Buch-Charaktere? Wie kann eine Buchhandelskette, am Weltfrauentag, America Singer, die Protagonistin aus Selection (einem Buch, das unemanzipierter nicht sein könnte), als eine der stärksten weiblichen Buchfiguren präsentieren? Wie kann es sein, dass sich Leserinnen öffentliche für Gleichberechtigung, gegen Sexismus und gegen Frauenfeindlichkeit stark machen, aber dann Hotdudesreading abonniert oder sogar das Buch gekauft haben? Wie kann es sein, dass wir nach starken Heldinnen schreien, aber keinen Pfifferling darauf geben, dass es uns ebenso an starken und nachvollziehbaren Helden mangelt? Würde ich echt mal sehr interessieren.



Kommentare:

  1. Bärenstarker Beitrag. Dem ist absolut gar nichts hinzuzufügen. Wirklich sehr gelungen und genau ins Schwarze.
    Endlich mal ein #Aufschrei der auch die andere Seite der Gleichberechtigung dient.
    Ich kann wirklich jedes Wort in diesem Beitrag unterstützen. Gleichberechtigung gilt für alle. Sonst sind all diese Feministinnen genauso wie die, die so verabscheuen: Sexistisch. Was für eine Doppelmoral.

    Ich finde es super das du dir Luft gemacht hast!

    Liebe Grüße
    Nika

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    1. Hallo Nika!

      Danke, freut mich, dass er dir gefallen hat. :D
      Exakt! Entweder stört uns Sexismus bei niemandem, oder er stört uns immer. Sexismus ist nicht variabel und kann man hier mal da geltend gemacht werden.

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  2. Puh...also, in vielen Punkten gebe ich Dir absolut recht. Gerade beim Thema Feminismus/Sexismus poche ich privat auch immer darauf, dass es nicht nur Frauen, sondern auch Männern helfen soll. Es treibt mich auch schier in den Wahnsinn, dass es im Fernsehen immer noch die stereotypen Männer-Rollen vergeben werden. Männer müssen stark sein, beschützen, dürfen nicht weinen oder generell Emotionen zeigen...kotz, würg.

    ABER zu dem Vergewaltigungsbuch: es gibt eben keinen Aufschrei, wenn Frauen in den Medien vergewaltigt werden, denn das werden sie im Grunde immer. Jedes Buch/jeder Film, der nicht absolut kindgerecht, wird irgendwann eine Figur haben, die zumindest andeutet, dass sie vergewaltigt/missbraucht worden ist. Sobald Gewalt ins Spiel kommt, weiß man doch schon, was mit den Frauen passiert, wenn sie sich schnappen lassen.

    Ich weiß, dass Männer ebenso missbraucht werden können wie Frauen, aber viele Menschen wollen das gar nicht wahrhaben. Deshalb ist es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn das auch mal porträtiert wird. Ich verstehe die Gefühle, die Du beim Lesen dieses Buches gehabt haben musst, denn so ergeht es mir ja auch jedes Mal, wenn Vergewaltigungen thematisiert werden. Ich verstehe auch, dass Du Dir einen Aufschrei wünschst...ich verstehe aber auch, dass eine kleine Stimme in der Leserin anmerkt, dass es gut ist, dass die andere Seite beleuchtet wird. Die Autorin selber wollte sich vielleicht auch mal ausleben oder hat das ganz bewusst so dargestellt, um die Leser darauf aufmerksam zu machen. Wer weiß? Jedenfalls kann ich es nicht wirklich verdammen.

    Zum Thema Buchcharaktere: in Jugendbüchern ist das mit den Charakteren sowieso so eine Sache, aber Du hast absolut recht, dass männliche Figuren besonders darunter leiden. Ich glaube aber, dass der weibliche Sexismus in der Büchercommunity zum Teil auch daher kommt, dass in allen anderen Bereichen hauptsächlich Frauen zum Sexobjekt gemacht werden. Gleiches mit gleichem zu begegnen, hat natürlich noch nie geholfen, aber ich glaube, dass wir Frauen in der ja so weibischen Bücherwelt dann einfach unser eigenes Ding da draus gedreht haben.

    Wie gesagt, das macht es nicht besser, aber ich kann es ein wenig verstehen ;) allerdings finde ich es generell lächerlich, von der Hotness eines Buchcharakters zu sprechen. Die Typen oder Frauen sind doch sowieso nur so heiß, wie wir sie uns letztlich vorstellen :D Ich glaube sogar, dass ich im Grunde immer dasselbe Gesicht vor Augen habe, von daher...

    Übrigens habe ich total den Faden verloren, deshalb lass ich es jetzt mal gut sein :D

    Gruß

    Rica

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    1. Ach ja, ich weiß wieder, worauf ich eigentlich hinaus wollte:

      Wo fängt Sexismus an?

      Ist es sexistisch, Vergewaltigungen zu thematisieren (ganz gleiches welches Geschlecht)? Sollte man sie deshalb aus der Literatur verbannen? Aber ist das dann nicht Zensur? In welchem Zusammenhang ist es gut, so etwas zu beleuchten, wann ist es schlecht?

      Wie gesagt, im Grunde stimme ich Dir zu und finde es generell absolut fantastisch, dass Du solche Themen ansprichts (DANKE!), aber die obigen Fragen poppten halt sofort auf als ich Deinen Beitrag gelesen habe.

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    2. Hi Rica!

      Dann versuche ich mal irgendwie deine Fragen zu beantworten, ich hoffe das gelingt mir.

      Nun, klar gibt es nicht bei jeder Vergewaltigung einer Frau in den Medien direkt einen Aufschrei. In Krimi-Serien bspw. gehört (sexuelle) Gewalt gegen Frauen ja fast schon zum guten Ton, und wir alle haben uns auch irgendwie daran gewöhnt. Das alleine ist schon fragwürdig. Ich empfinde es aber dennoch so, dass es, wenn in einer beliebten Serie oder einem Buch oder einem Film ect. Frauen missbraucht und diskriminiert werden, viel eher ein "Aufschrei" durch das Netz wandert, als bei einem Mann, wo so was zum Beispiel gar nicht passiert. Nehmen wir mal als Beispiel die Vergewaltigung von Jamie in Outlander, ich habe im Netz keinen Aufschrei gehört, der besagt wie sexistisch und männerfeindlich das doch wäre. Als Sansa Stark in Game of Thrones (gut, hier spiele auch noch ein anderer Grund mit hinein), vergewaltigt wurde, hat sich die Netz-Gemeinschaft förmlich mit Sexismus-Vorwürfen überschlagen. Und diese Ungleichheit, will mir einfach nicht in den Kopf.

      Okay, den Punkt, dass sich die Autorin "mal ausleben" wollte, kann ich nicht so stehen lassen. Wenn das ihr Grund war, also einfach mal den Spieß umzudrehen, das Buch zu schreiben, dann kann man dieser Frau doch nur ein Armutszeugnis ausstellen. Und ehrlich gesagt, fände ich es auch echt bedenklich, wenn sie solche Fantasien hat...

      Zu dem Sexismus innerhalb der Community, wie ich auch in dem Beitrag schrieb, stört es mich nicht. Und ich finde es auch nicht schlimm, dass Leserinnen innerhalb dieser Community einen Raum gefunden haben, in dem sie weitestgehend geschützt sich austauschen können. Was ich aber absolut nicht ertragen kann, ist diese ungeheure Doppelmoral die dabei an den Tag gelegt wird. Auf der einen Seite, macht man sich gegen Sexismus, Frauenfeindlichkeit und Diskriminierung stark, und wenn du öfter mal auf Twitter unterwegs bist, merkst du auch, dass der Ton dabei oft recht aggressiv ist. Auf der anderen Seite, werde aber einfach genau die gleichen Sachen gemacht, gegen die man zuvor protestiert hat. Wo ist da die Logik? Wo ist da die Gleichberechtigung. Entweder sind wir alle Sexisten, oder wird gehen alle immer dagegen vor? Sich dagegen auszusprechen nur um im "geheimen Kämmerlein" dann selber so einen Shit vom Stapel zu lassen ist einfach nur verlogen.

      Wenn männliche Charaktere in Jugendbüchern nur als Plot-device dienen, um Fantasien der Leserinnen zu befriedigen, dann ist das Sexismus. Wenn weibliche Charaktere in High Fantasy Büchern sexueller Gewalt ausgesetzt werden, weil es "historisch akkurat" ist, dann ist das Sexismus.

      Es geht nicht darum etwas zu zensieren, es geht darum genauer hinzuschauen, zu hinterfragen. Sexismus immer anzuprangern wenn er in Büchern/Filmen/Serien/ect. auftaucht, egal ob Frauen oder Männer davon betroffen sind. Es geht darum sexuelle Gewalt immer zu verurteilen, egal wem sie widerfährt.

      Ich hoffe das beantwortet deine Frage zumindest ein bisschen. :D

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  3. Ein ganz großartiger Artikel - wie auch gar nicht anders zu erwarten von dir! Ich finde den Kontext auf deinem Blog, solche "Gedanken-Posts" immer wahnsinnig gut. Respekt, wie du es schaffst das alles auf den Punkt zu bringen und dabei noch teils eine witzige Note hast :D Über das Thema haben wir beide uns ja eh schon ausgelassen ohne Ende, deshalb lass ich das mal so stehen. AMEN, Herr Booknerd #BooknerdforPres

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    1. Danke, danke! :D
      Hahaha, ja isso, mehr kann man dazu auch einfach nicht mehr sagen xD

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  4. Ein sehr guter Artikel.
    Ich habe das angesprochene Buch zwar nicht gelesen, aber ich habe mitbekommen, dass es sehr zwiegespalten aufgefasst wurde.
    Und ich gebe dir Recht: Wäre Damen eine Frau gewesen, dann hätten sich alle über das Buch empört. Dieser Sexismus in die andere Richtung ist nicht okay. Deswegen stehe ich persönlich auch nicht 100%ig hinter dem modernen Feminismus. Die Ursprünge des Feminismus waren wichtig und wegweisend, aber heute sind mir viel zu viele Feministinnen zu männerfeindlich. Und das ist insofern schade, da die gemäßigten oder "normalen" Feministinnen gerne mit diesen "Feminazis", wie sie oft genannt werden, in eine Schublade gestopft werden. Und ich will mich davon ganz weit distanzieren. Daher würde ich mich eher als Equalistin bezeichnen, da ich der Meinung bin, dass Männer und Frauen gleich behandelt werden sollen und dass Männer nicht hinter Frauen zurückstecken müssen. Deswegen wäre es einfach so schön, wenn sie die beiden Geschlechter, mit allen Abwandlungen und Alternativen, die es gibt, sich füreinander einsetzen würden, anstatt immer gegeneinander zu bashen.

    Dass sich viel YA-Literatur an eine weibliche Leserschaft richtet, nun, das ist sicherlich dem Umstand geschuldet, dass nachwievor in dem Alter (in dem vornehmlich YA gelesen wird), in erster Linie Mädchen lesen. Ist einfach so. Klar, die Ausnahme bestätigt die Regel, aber Jungs haben in dem Alter oftmals andere Interessen. Daher wird natürlich in diesem Genre auch eher für weibliche Leserinnen geschrieben. Ich würde mir aber auch mehr Diversität wünschen, vor allem, da die weiblichen YA-Protagonistinnen ja leider meistens hohle Fritten sind...

    Liebe Grüße, KQ

    P.S.: Dass das Buch beliebt war, nun, das erkläre ich mir so, dass viele Frauen auf Gay-Stories stehen, in Manga und Anime zum Beispiel Yaoi. Und dass viele auch auf dieses Top-/Bottom-Verhältnis abfahren. Kein Grund, das Buch als "okay" anzusehen, aber vielleicht eine Erklärung.

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    1. Ach, und hast du das mit dem BookTuber Steve Donoghue mitbekommen? Der hat in irgendeinem Video sich - zugegebener Maßen etwas unglücklich - darüber ausgelassen, dass er Mädchen nicht Ernst nehmen kann, die super stark geschminkt sind und dann von sich behaupten, Leserinnen zu sein, da für ihn das irgendwie nicht zusammen passen würde.

      Wie auch immer, vielleicht hat er sich unglücklich ausgedrückt und er hätte sich so einen Kommentar lieber sparen sollen, aber der Shitstorm, der danach auf BookTube und Instagram über diesen Mann ausgebrochen ist, das war nicht mehr feierlich. Ich habe gar keine Zeit, Lust und Energie, mich über so eine Aussage aufzuregen. Aber ich habe mich über den Shitstorm geärgert, da er nicht fair und vor allem nicht korrekt war. Denn über ein Buch wie Capitve Prince regt sich die BookTuber-Welt nicht auf. Beziehungsweise geht es ihnen nur darum, dass dieser Rhysand (oder wie auch immer der heißt) auch ja heiß genug ist. Und genau deswegen mache ich um solche Bücher einen Bogen. Weil es um mehr geht im Leben als darum, dass der Typ heiß ist. Und ja, weil ich es genau so ätzend finde, wenn ein Mann auf sein Äußeres reduziert wird, wie wenn eine Frau auf ihr Äußeres reduziert wird.

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    2. Also mit "solchen Büchern" meine ich diese extrem gehypten YA Bücher wie die von Sarah J. Maass und dergleichen.

      So, das war's jetzt auch, hab alles gesagt, was es zu sagen gab :D

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    3. HeyHo KQ!

      Ich versuche das jetzt mal alles in einer Antwort zu verpacken. xD

      Kann dir da nur zustimmen. Diese aggressive Art des Feminismus kann ich auch nicht ab, ich denke man kann viel mehr erreichen, wenn man sachlich und mit guten Argumenten an die Front geht. Ich verstehe aber auch, dass das Thema sehr emotional diskutiert wird, und es einigen da schwer fällt die Fassung zu bewahren. Viele Dinge sind in dem Punkt auch einfach nur zum Haareraufen.

      Klar, das hatte ich oben ja auch so geschrieben. Es gibt mehr Mädels als Jungs die lesen und logisch, dass die Bücher dann auch eher auf Mädchen abzielen. Es dann aber auch leider so, dass männliche Autoren, die über/aus der Sicht männlicher Protagonisten schreiben, und eigentlich ideal wären um lesenden Jungen irgendwie eine "Plattform" zu bieten, auch eher von den Verlagen so beworben werden, dass einen weibliche Leserschaft darauf anspringt. Und das finde ich irgendwie schade.

      Ja, das denke ich auch. Ich vermute auch, dass daher dieses wirklich bescheuerte Bild homosexueller Männer kommt. Aus Mangas und Büchern die sich an der Darstellung in Mangas orientieren.

      Jupp, das habe ich mitbekommen, es gab ja einmal das Video und ich glaube dass worauf du dich beziehst war ein Kommentar von ihm. Was er in dem Video gesagt hat, dass viele Booktuber nur noch Werbesender sind, die die immer gleichen Bücher und Autoren bewerben usw. entspricht einfach der Wahrheit. Die meisten sind einfach nur noch das, überdrehte Werbefiguren, denen man kein Wort glauben kann. Die Sache mit dem geschminkte Mädels wären keine echten Leser, ist einfach nur dumm und falsch. Es ist total latex wie man aussieht, das hat nichts damit zu tun ob man ein Leser ist oder nicht.
      Daher kann ich auch irgendwie verstehe, dass erst einmal Empörung herrscht wenn jemand so eine Aussage tätigt. Aber als gesamter Mob auf einen alten Opi loszugehen spricht auch nicht gerade von einem guten Umgang mit dem Thema.

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  5. Es ist tatsächlich manchmal erschreckend, was einem da auf dem Schreibtisch landet. Mir geht es manchmal so, wenn mir für unser Fantasyautorenportal Bücher zugeschickt werden, von Autorinnen zumeist, die Gay Fantasy schreiben, d.h. eigentlich Zielgruppe junge LGBTs.
    Aber tatsächlich kommen da manchmal Sexszenen, wo der "gutbestückte Hengst von einem Kerl sein pralles Rohr dem willig aufnehmenden Boy ..." und ihn quasi im Sperma ertränkt. :-)
    Als schwul lebender Mann fragt man sich da manchmal wirklich, was für ein Bild von schwulen (jungen) Männern in Frauenköpfen umhergeistert. Bei mir landet für unser Autorenportal Bundesamt für magische Wesen so manches Buch zur Vorstellung und ich habe nicht selten Bücher in der Hand gehalten, nach deren Lesen ich mich fragte, wer sich dafür interessieren könnte und ob die Autorin noch ganz gesund ist.
    Ich habe nur eine Erklärung dafür, weshalb es keinen Aufschrei gibt. Der Mann als ausnutzbares Sexobjekt ist kein Thema bzw. mit einem Tabu behängt. Traurig, aber wahr.

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    1. Hey Hagen!

      Oh je, das klingt einfach nur furchtbar. Ich kann mir auch nicht erklären woher dieses Bild kommt, und es sich verbreitet und durchsetzt.Ich verstehe aber auch ehrlich gesagt diese "Obsession" nicht die Leserinnen mit homosexuellen Charakteren haben, irgendwie keine Ahnung, erschließt sich mir das nicht so ganz. Vor allem, wenn es dann auch noch hochgehalten wird, es ist so besonders weil die schwul sind, und es ist ja sooo cute, der eigentlichen Sache, nämlich Homosexualität als normal anzusehen, ehr abträglich ist.

      Ja, leider leider ist das so :(

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  6. Wie, ich bin grad total gefälscht von diesem Beitrag und finde es super, dass du das einfach mal alles aussprichst! Ich wundere mich auch immer wieder über diese Mädchencover, vor allem, wenn die Story gar nicht dementsprechend ist. Es ist richtig traurig, wie sehr die männlichen Leser vernachlässigt werden. Wie du völlig richtig schlussfolgerst: Ist doch kein Wunder, dass viele Jungs im Jugendalter dann nicht mehr lesen/lesen wollen.
    Über vieles hatte ich auch noch gar nicht so nachgedacht, weshalb ich deinen Beitrag umso mehr feiere ;) Großartiger Humor außerdem. Die Penis-Metapher gefiel mir sehr gut :D
    Ich kann nur sagen: weiter so und raus mit deinen Gedanken! Wir sollten alle unsere Bücher mal ein bisschen mehr reflektieren!
    Danke für diesen Text :)
    Liebe Grüße,
    Julia

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    1. Hi Julia!
      Danke, danke, freut mich sehr, dass dich mein Beitrag so geflasht hat! :D
      Exakt! Wenn man keine Anreize für männliche Leser bietet oder besser ausgedrückt, sie von vornherein ausschließt, dann braucht man sich auch echt nicht wundern.
      Hehe, danke, das freut mich echt sehr.

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  7. Guter Beitrag. Ich gebe dir in vielen Punkten recht. Aber nur weil man einen Charakter hot findet, kann man der Leserin doch keinen Sexismus vorwerfen. Es geht auch hot und stark. Aber wie du schon sagst, es soll die weibliche Leserschaft ansprechen und die steht auf hot. Wenn ich mir ein Jugendbuch kaufe, dann will ich auch bei beiden Geschlechtern Charakter haben. Das Buch von dem du erzählst, hört sich aber nicht mach einem Jugendbuch an. Es kommt auch immer auf das Genre und die Geschichte an. Ich bin mir sicher das es auch Jugenbücher gibt, die für männliche Leser ansprechend sind.

    Lg Melek

    P.s. ich bin weiblich :)

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    1. Hey Melek!
      Stimmt, natürlich ist man nicht gleich ein Sexist, nur weil man einen Buchcharakter irgendwie geil findet. Sich aber darüber zu beschweren, wenn Männer dies machen, obwohl man es ja selbst macht, würde ich aber als sexistisch einstufen, und leider passiert das oft genug. Geht mir auch so, aber leider fehlt eine "anständige" Repräsentation für Jungs in Jugendbücher einfach, und das ist der Punkt. Als Mädel hat man genügend Protagonistinnen die Identifikationspotential anbieten, und dazu kommt ja dann auch noch, dass es da diesen hotten Kerle gibt denen die Mädels nachschmachten können. Für Jungs gibt es so was aber in den meisten Jugendbüchern nicht.
      Also, ich bin mir da ehrlich gesagt nicht so sicher. Mir würden aus dem Stegreif jetzt auch keine einfallen.

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  9. Ein sehr schöner Beitrag.
    Ja, ich denke schon, dass die männlichen Charaktere in vielen Büchern nur da sind, um die Fantasie der Leserinnen zu befriedigen. Das liegt vermutlich daran, das Frauen in der realen Welt immer nach dem "perfekten Mann" suchen. Aber den findet man ja meistens nicht und deshalb gibt es diese perfekten, heißen männliche Charaktere in den Bücher quasi als Ersatz und zum träumen.

    Und am besten kommt es ja dann auch noch an, wenn dieser ein Bad Boy ist, den die Protagonistin dann erst Mal zähmen muss und es dann im Laufe des Buches auch schafft. So einen Erfolg wünschen sich glaube ich so einige Frauen und deshalb ist das auch so beliebt.

    Ich finde das selbst echt schade, dass viele männliche Charaktere, vor allem in den ganzen angesagten Büchern, nach diesem Schema aufgebaut sind. Mittlerweile lass ich auch lieber die Finger davon, weil der Ablauf der Geschichte meistens auf das selbe hinaus läuft.

    LG Victoria

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    1. Howdy Victoria!
      Danke, freut mich wirklich sehr. Nun, daran ist in erster Linie ja auch eigentlich nichts auszusetzen, aber warum gibt es denn dann in Jugendbüchern keine weiblichen Charaktere, die hot aussehen um die Fantasien der männlichen Leser zu befriedigen?
      Hm ja, okay, das könnte natürlich sein, aber da könnte man ja jetzt auch überlegen warum Frauen überhaupt erst auf der Suche nach dem "perfekten" Typen sind.

      Stimmt, aber das sind ja die Schablonen die ich oben schon angesprochen habe.

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  10. Hallo,

    ein interessanter Beitrag, der zum nachdenken anregt.
    Ich kann dir direkt zustimmen. Ich verstehe diesen übermäßige Hype um "heiße" (Neben)Charaktere eh nicht, wahrscheinlich bin ich zu alt dafür. Oder zu realistisch.
    Klar, ich entdecke(obwohl ich sehr viel YA lese aber fast nur in anderen Genre) auch gelegentlich richtig tolle Charaktere, die ich für das liebe, was sie sind: Charaktere des Buchs. Ich schwärme für sie im Zusammenhang mit dem Buch, denn nur dort gehören sie für mich hin. Keiner dieser Charaktere ist perfekt, eher interessant, und es gibt sie beiderlei Geschlechts. Im Normalfall teile ich diese Schwärmerei aber sowieso nicht ungefragt mit der Welt - reicht, wenn ein paar arme Mitmenschen darunter leiden, dass ich ihnen wochenlang von einem tollen Buch mit großartigen Charakteren erzähle.

    Nun bin ich doch abgeschwiffen.. Also ja, was du da beschreibst ist unfair. Mich würde es übrigens so gar nicht stören, wenn du anfängst über eine heiße Protagonistin zu schwärmen - gleiches Recht für alle. Ich wäre fast neugierig drauf, denn die meisten weiblichen Protagonisten sind nicht weniger 0815 als die männlichen ;) Andererseits könnte ich damit am Ende auch nicht mehr anfangen als mit den Schwärmereien für die männlichen Protagonisten, die mir meist gar nicht näher auffallen ehe ich höre, dass alle auf sie stehen.

    Respekt übrigens, dass du "Der verschollene Prinz" fertig gelesen hast. Ich habe nach ca. 20 Seiten aufgehört, als sich schon genug abgezeichnet hat. Vergewaltigung geht für mich eh nicht, egal welchen Geschlechts! Zumindest nicht in dem Zusammenhang, in dem das Buch beworben wurde - das hat einfach nix mit auf das Thema aufmerksam machen oder sensibilisieren zu tun. Oder auch nur damit, die Realität abzubilden. Zumindest mein Eindruck, ohne das Buch gelesen zu haben, korrigiere mich falls ich falsch liege.

    Viele Grüße!

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  11. Normalerweise kriege ich Bauchschmerzen bei Posts wie diesem, weil viel von dem, was man in die Richtung so lesen kann "Aber Männer haben's auch schwer"-Geheule ist. Der Beitrag hier hat mir aber sehr gut gefallen, weil du eben ein wichtiges Problem ansprichst, das viel Fantasy und Sci-Fi mit einer angeblich weiblichen Zielgruppe hat.
    Mich stört das als Frau übrigens auch, ich kann diese stereotypen Männerfiguren, die nur auf das Label "heiß" reduziert werden, auch nicht mehr lesen. Klar, manche Figuren laden zum Fangirlen ein, aber wenn das das einzige ist, wozu die gut sein sollen, dann geht was grundsätzliches falsch, was sich eindeutig nicht nur auf ein Geschlecht beschränkt. (Ein ganz wichtiger Grund, warum ich, obwohl ich gerade Urban Fantasy und Dystopien eigentlich mag, sehr wählerisch überhaupt noch Bücher in die Hand nehme, bei denen ich vom Genre her die Befürchtung habe, es könnte in so eine Richtung gehen.)
    Und das Thema mit Vergewaltigungen von Männern in Büchern etc. ist sowieso ganz oft eine riesige Katastrophe, weil es oft von Autoren wie Lesern als unmöglich bzw. als Zwang nicht existent behandelt und damit irgendwo natürlich auch tabuisiert wird.

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    1. Hi Hekabe!

      Puh, dann habe ich ja Glück dass mein Beitrag kein bloßes Mimimimi ist xD
      Finde ich auch total in Ordnung, schwärmen, Fangirlen, schmachten alles total okay. Ich finde es nur irgendwie fragwürdig, dass einfach immer alle Typen in Büchern nur dazu taugen und zu nichts anderem nützlich sind. Außer halt vielleicht noch als Antagonist, aber selbst die haben ja oft keine Persönlichkeit und sehen hot aus.
      Ich frage mich halt, warum es bei Männern okay ist wenn die vergewaltigt werden, bei Frauen aber nicht. Sollte sexuelle Gewalt nicht immer für einen Aufschrei sorgen, uns wütend machen, uns hinterfragen lassen, warum Autoren so etwas in ihre Bücher einbauen um damit scheinbar Leute zu unterhalten. Sollte es uns nicht zu denken geben, dass es tatsächlich Leute gibt, die sich davon unterhalten lassen?

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  12. Vieles wurde schon gesagt und diskutiert. (und ich stimme dir da oben auf jeden Fall zu!)
    Was mich dann bei solchen Büchern immer noch zusätzlich wundert (lese keinen YA mehr und daher bezieht sich meine Aussahe lediglich auf das Hören & Sagen der LeserInnen) Warum das nicht mit einem Altersstempel abgegrenzt wird?
    Kennst du die Extrembände vom Festa-Verlag? Manches hier oben hat mich stark daran erinnert und diese Bücher werden nur an Erwachsene rausgeschickt. Schön ist zwar meist anders, aber Horror/Splatter beinhaltet fast immer Vergewaltigung und Anschmachtung egal ob Männlein oder Weiblein.

    Was ich damit sagen will, vieles aus "Jugenbüchern" gehört für mich nicht mehr dort hinein, sondern schon in eine Erwachsensparte und/oder einer Art Extrem-YA-Ecke die speziell gekennzeichnet ist.
    Man gibt den jungen Lesern doch ein vollkommen falsches Bild von der Welt oO
    Und man kann mir nicht erzählen, dass ALLE die Grenze zwischen Fiktion und Realität ziehen können!

    So, das war mein Senf dazu.
    Vielleicht etwas weg vom Thema, aber ich fand es passte hier her :P
    Ich bin Crime-Leserin und kenne viele makabere Facetten. Nur diese Sexualisierung ist nicht meins...

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    1. HeyHo Kaisu!

      Ich glaube diese "Altersbeschränkungen" gibt es nicht, weil wir in Deutschland halt einfach dieses verdrehte Bild von Literatur haben Ich meine, wie viele Frauen arbeiten in dieser Branche? Als Lektorinnen ect. und keine von denen sagt, so wie es scheint, zu einer Autorin die sie betreut: "Du, also dies und jenes, das sollten wir vielleicht ändern, das ist schon ein bisschen sehr sexistisch/unemanzipiert." Und wir haben halt auch dieses Denken, dass Bücher einfach nichts schlechtes sein können. Das Bücher einen klüger machen und und und. Sieht man doch an dem Spruch: Egal was die Leute Lesen, Hauptsache sie lesen. Sehe ich nicht so, mir wäre es lieber die Leute würden gar nicht lesen, als einen shit wie Shades of Grey oder After oder sonstigen Schmu.

      Das stimmt, aber dass man jungen Erwachsenen bzw. Jugendlichen dieses abstruse Bild vermittelt scheint ja niemanden zu stören. Die Autoren und Verlag müssten es ja nicht so machen, sie könnten den Lesern auch etwas anderes geben, wollen oder können sie aber nicht, und das ist einfach traurig.

      Dein Beitrag passt sehr gut hierher, danke dafür :D

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  13. So, endlich bin ich auch mal zum Lesen gekommen.
    Du fasst meine Gedanken, die immer wieder in meinem Kopf geistern, sehr gut zusammen. Warum muss ein junger Mann in einem YA-Roman IMMER muskulös, groß und unnahbar sein? Da drehe ich schon jedes Mal ab, weil es mir, wie du so schön sagst, zu schablonenhaft ist.

    Auf der anderen Seite musste ich auch schmunzeln. Ich liebe die Seite Hotdudesreading. Tolle Männer, die lesen. Ist doch fein. Ich verstehe aber, dass es hier schon in die Richtung Mann = Objekt geht. Aber mal ehrlich: wie lang gibt es den Playboy und da hab ich noch keinen Mann schimpfen hören ;) Bis zu einem gewissen Grad ist gucken und sabbern okay. Schlimm wird es dann, wenn aus dem "hey, der ist heiß" ein "er hat mir zu Willen zu sein, WEIL er sich so zeigt" wird. Das geht zu weit und respektlos.

    Und was mir direkt in den Kopf schoß: hast du mal Thriller von männlichen Autoren gelesen? Da werden Frauen (egal, ob Detectives oder Opfer, Zeugen, etc) gerne mal auf die Attribute Hintern, Busen, Augen, volle Lippen degradiert. Und da weiß ich auch nach 20 Seiten ganz genau, wie schwer es ist, sich auf die Arbeit zu konzentrieren, weil der Po der Kollegin in der Jeans so verflixt ablenkend ist. Du siehst, in jedem Genre findest du diese Degradierung.

    Lange Rede, kurzer Sinn: ein feiner Beitrag, der mal zeigt, wie sich Männer dabei fühlen.

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    1. Hi Denise!
      Exakt! Ich verstehe es auch nicht. Vor allem, wenn man sagt dass das halt irgendwie Fantasien von Leserinnen beflügeln soll oder so, dann müsste man als Leserin doch langsam den Hals voll davon haben, so wie man mit diesen Typen zugeballert wird. Wie soll da noch irgendwas beflügelt werden, wenn man immer den selben Typ vorgesetzt bekommt?

      Ich denke mir bei Hotdudesreading halt immer: Wenn es eine Hotchicksreading-Seite geben würde, wie lange würde es dauern, bis das Internet bzw. der Buch-Community-Teil des Internets, sich auf diese Seite stürzen würde, und die Löschung dieser fordern würde, weil Frauen dort zu Objekten degradiert würde. Ich denke mal, das ginge richtig flott. Warum ist das bei Hotdudesreading dann nicht auch so? Weil Männer, Frauen schon seit Jahrzehnten zu sexualisieren und zu Objekten degradieren? Ist das die Antwort auf Sexismus? Noch mehr Sexismus?

      Das wollte ich auch gar nicht bestreiten, ich hab ja in dem Artikel extra darauf hingewiesen, dass es in anderen Genre eben so aussieht. Aber nur weil es im Thriller-Segment so ist, muss es doch im Jugendbuch nicht auch sein, oder wird dadurch aufgehoben.

      Denke, freut mich wirklich sehr. :D

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  14. Hallo,

    spannender Beitrag! Nach der ersten Hälfte dachte ich: Ne, wart mal! Jetzt habe ich mir aber mal die Zeit zum komplett lesen genommen, und in vielen Punkten kann ich dir nur Recht geben. Da ich das Buch nicht kenne, kann ich nicht einschätzen, ob das nun wirklich sexistisch oder eben "nur" die Story ist.
    Ich habe kürzlich ein Buch gelesen, in dem die Protagonistin sowohl mehrfach vergewaltigt als auch unter Drogen gesetzt wird. Sowohl der männliche als auch der weibliche Hauptpart erfüllen dabei Rollenklischees, wie sie schlechter geschrieben gar nicht sein könnten. Einen Aufschrei gabs um dieses Buch allerdings nicht - im Gegenteil, stattdessen immerhin ein paar fünf Sterne Rezis auf Amazon und einigen Buchblogs. Das mag daran liegen, dass das Buch eher unbekannt ist oder dass es von einer Frau geschrieben wurde - who knows? Wie das Werk einen Schreibwettbewerb gewinnen konnte, ist uns trotzdem rätselhaft.

    Alles was du zum Thema Cover und "Penis haben, um Sexist zu sein" schreibst, finde ich richtig und bedenkenswert - grade über z.B. die CoverSache habe ich noch nicht nachgedacht.

    Also, toll dass du diesen Artikel geschrieben hast, und hoffentlich geben sich alle in Zukunft mehr Mühe oder trauen sich, auf Sexismus in egal welche Richtung aufmerksam zu machen, so dass wir menschlichere Charaktere bekommen und respektvoller miteinander umgehen.

    Lg, Naemi vom
    unzensiert♡team

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    1. Hallo Naemi!

      Das klingt ja echt fürchterlich, und ich kann, von dem was du über dieses Buch schreibst, auch nicht nachvollziehen wie es auch nur eine 5 Sterne Rezension bekommen kann oder gar einen Schreibwettbewerb gewinnen konnte...unfassbar!

      Das wäre wirklich unglaublich toll und ich würde mir sehr wünschen, dass wir irgendwann an diesen Punkt kommen.

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  15. Hallo :)
    Ich bin auf deinen Beitrag gestoßen, weil Damaris ihn bei Facebook kommentiert hat. Sehr interessante Ausführung. Ein kleines bisschen "Stimmt. Da hat er recht mit" gab es bei mir beim Lesen und ganz viel "Hmm, da muss ich mal drauf achten".
    Ich lese auch sehr viele Jugendbücher aber seltener solche mit einem heißen, anzuschmachtenden Kerl in der männlichen Hauptrolle. Aber ich bin ja immer dafür, ein bisschen zu sensibilisieren. Und das hast du definitiv getan.

    Ja und was dein erstes Buchbeispiel angeht: Das ist schon absolut krass. Das schockt mich tatsächlich auch ein wenig, dass dieses Buch so gute Bewertungen bekommen hat - aber: Ich müsste es erst selbst lesen, um da so wirklich eine eigene Meinung zu haben zu können.

    Liebe Grüße, Tine

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    1. Hey Tine!
      Das freut mich wirklich sehr :)
      Stimmt, das ich natürlich immer besser, obgleich ich dir nur davon abraten kann, da das Buch einfach reine Zeitverschwendung ist.

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  16. Hallo Fabian,

    so ein scheiss... jetzt hab ich so viel geschrieben und plötzlich war das Kommentarfeld weg *heul*

    Ob ich das alles noch mal zusammen bekomme? Und der Lauf ist natürlich auch grad weg... *frustschieb*

    Aber was ich sagen wollte ist, dusprichst mir aus dem Herzen, wirklich, und mir gehen so viele Gedanken durch den Kopf das es eh schon schwierig ist die alle zu bündeln. Ich würde so gerne mit dir jetzt irgendwo sitzen, einen Eistee schlürfen und über dieses Thema disskutieren. Denn dazu könnte man so viel sagen und philisophieren...

    Aber weisst du was, ich werd mir deinen Beitrag kopieren und übers Weekend noch mal was dazu schreiben. im Word, nichts das mir das jetzt noch mal passiert. Denn ich würde da gerne noch auf das ein oder andere eingehen was hier noch nicht so beachtung fand. Nehm ich an. Oder zumindest so nicht gesagt wurde.

    Also, mein beitrag kommt halt jetzt etwas später.

    Liebe GRüsse
    Alexandra

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  17. Hey ho!

    Spät aber doch muss auch ich meinen Senf dazu abgeben.

    Ich hab ein wenig das Gefühl, dass zwei Paar Schuhe in dieser Diskussion miteinander vermischt werden. Denn natürlich kann einem auch ein Buch gefallen, dessen Inhalt man ABSOLUT NICHT gutheißt. Wenn ich einen Psychothriller lese und er mir gefällt, dann aufgrund seiner Gemachtheit, der schriftstellerischen Raffinesse, des gelungenen Spannungsaufbaus. Wenn ich also 5 Sterne für einen Thriller vergebe, dann NICHT, weil ich es toll finde, dass Menschen umgebracht/gefoltert/verscharrt/im Keller eingesperrt werden. Deshalb hinkt auch für mich das obige Beispiel ziemlich. Denn die Autorin kann das Buch hervorragend bewerten ohne sich auch nur ein kleines Fitzelchen damit identifizieren zu müssen. Ich habe kürzlich "Vlad" gelesen - ein herausragender Dracula-Roman - würde jedoch persönlich eher davon absehen, meine Nachbarn zu pfählen. ;-)

    Dass die Darstellung von Charakteren - sowohl weiblichen als auch männlichen - manchmal ziemlich grauslichen Stereotypen und Klischees zum Opfer fällt und auch Sexismus dabei eine Rolle spielt, ist aber sicher unbestreitbar.

    Was die Auswahl für Mädels und Burschen angeht: Ich habe ein halbes Jahr in einer Buchhandlung gearbeitet und war tatsächlich eher erstaunt, wie viel Auswahl es auch für Jungs und junge Männer gibt. Ich hatte zuvor auch immer das Gefühl, dass es für Mädels doch viel mehr gibt als für Burschen. Im Kinderbuchbereich stimmt das aber keinesfalls. Im Alter von 11-14 würde ich dir leider zustimmen. Und für jugendliche Leser gibt's meiner Meinung nach vor allem durch den Dystopien- und Fantasy-Boom wieder eine ziemlich gute Auswahl.

    Zu deinem letzten Absatz: "Wie kann es sein, dass wir nach starken Heldinnen schreien, aber keinen Pfifferling darauf geben, dass es uns ebenso an starken und nachvollziehbaren Helden mangelt?" WORD! Geschlechtsneutralere Covergestaltung, mehr Feingefühl in Sachen Gleichberechtigung und eine schärfere Forderung nach starken weiblichen und männlichen Charakteren wären definitiv gefragt.

    LG, Nana

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    1. Hey Nana!

      Besser spät als nie, wa xD

      Das wollte ich damit auch gar nicht sagen. Du hast selbstredend recht, dass einem auch ein Buch gefallen kann, ohne dass man den Inhalt im echten Leben, irgendwie umsetzt oder gut findet. Ich finde aber, irgendwo ist da doch auch eine Grenze oder? Wenn ein Buch quasi um Grunde ausschließlich aus problematischen Inhalten besteht, wie das oben von mir genannte Beispiel, da kann mir einfach keiner Erzählen, dass da nur der Schreibstil oder die Atmosphäre gut gefunden wurde. Das geht einfach nicht. Ich glaube bzw. verstehe sowieso nicht, warum es möglich ist, problematische Inhalte in Bücher zu erkennen, diese aber einfach ausblenden und sich trotzdem unterhalten zu lassen.

      Ja, im Kinderbuchbereich mag das stimmen, aber eine Altersklasse drüber sieht es mau, sehr mau sogar.

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  18. Diese schablonenhaften Kerle nerven mich auch, und ich bin ein Mädchen. Ich lese wenig aus der Young-Adult-Ecke, daher bekomme ich das nicht so mit, aber man merkt es ja auch schon in den Liebesgeschichten - oder es genügt ein Blick aufs Cover, fette Karre, Muskeln, geölter Sixpack *gähn*

    Ich finde auch, wenn etwas geschieht, ist es gleich schlimm, egal ob es einem Mann oder einer Frau zustößt, da sollte es keine Unterschiede geben. Diese Ungleichbehandlung finde ich schlimm. Unhinterfragte Klischees sowieso. Starker Beitrag!

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    1. Exakt! Das meine ich ja, für euch Damen muss dass doch auch unheimlich ermüdend sein, wenn auf jedem zweiten Cover irgendwie ein halbnackter Typ ist, der sich von seiner Statur nicht wirklich von unterscheidete, was schon auf zig Millionen anderen Covern zu sehen war...

      Danke, geht mir ganz genau so!

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  19. Hey! Find ich gut, dass du das mal angesprochen hast! Deshalb hab ich dich heute auch direkt in meiner Stöberrunde verlinkt ;)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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