Ein kleines Plädoyer für Kinderbücher

20. Juni 2016 |
Heute möchte und muss ich einfach  mal eine Lanze brechen. Mach ich sonst eher selten (eigentlich so gut wie nie), und anhand des Titels ist ja unschwer zu erkennen, wofür ich besagte Lanze brechen möchte - Kinderbücher.
Ich weiß nicht, wie es euch da so geht, aber ich habe oft das Gefühl das Bücher die auf eine bestimmte Altersgruppe abzielen, oft von älteren Personen kleingeredet und niedergemacht werden. Was Jugendbücher angeht, ist da eine Abneigung seitens der "Erwachsenen" schon sehr auffällig, woran auch immer das liegen mag. Doch bei Kinderbüchern, so kommt es mir zumindest vor, ist die ganze Sache sogar nochmal eine Ecke heftiger. Ich hab oft den Eindruck, das Kinderbücher nicht ernst genommen werden, dass sie abgetan werden, als Bücher die sich mit trivialen Kleinigkeiten befassen, an denen sich kleine Menschen, mit kleinen Geistern erfreuen. Weil Kinder ja auch dieses oder jenes noch gar nicht verstehen können, oder gar nicht in die emotionale Reife besitzen, um mit grundlegenden Themen wie Liebe, Verlust, Tod, Hass, Loyalität und dergleichen konfrontiert zu werden. Was, natürlich in einem gewissen Rahmen auch der Fall ist, aber ich denke mir oft auch, dass wir Kinder in vielerlei Hinsicht, gerade im Bezug auf Geschichten und Bücher, total unterschätzen, und ihnen daher nur Dinge (oder in diesem Fall Bücher) vorsetzen, von denen wir der Meinung sind, dass sie sie verstehen und damit umgehen können.

Was jetzt natürlich nicht heißen soll, dass man Kindern Bücher zu lesen gibt, die sich ganz klar an die 18+ Fraktion richten oder so.

Ich lese sehr oft Kinderbücher, in letzter Zeit sogar lieber als Jugendbücher oder Belletristik, was ganz einfach daran liegt, dass ich finde, das Kinderbücher noch wirklich irgendwie Wert darauf legen, eine Botschaft zu vermitteln. Das Kinderbücher einfach mehr Herz haben, Das sich die Autoren noch wirklich Mühe machen, originelle Ideen zu entwickeln und nicht einfach altbekanntes wieder und wieder aufkochen und verwursten. Das es den Autoren wichtig ist, Charaktere zu schaffen, die einem im Gedächtnis bleiben, weil sie eben nicht mit einer austauschbaren Schablone gezeichnet wurden. Das sich die Autoren da auch noch etwas trauen und wagen. Das Diversity selbstverständlich ist, und nicht benutzt wird, weil es gerade Trend ist.
Das gerade Kinderbücher im Vergleich zu anderen Büchern, viel besser und viel Authentischer mit moralischen Fragen, und mit Themen, wie ich sie oben bereits aufgezählt habe, umgehen und diese vermitteln. In Jugendbüchern, so kommt es mir oft vor, wird Liebe als ein Allheilmittel für alles benutzt. Das für Probleme oder so, gar keine anderen Lösungsansätze außer halt Liebe in Frage kommen. Das gar nicht in Betracht gezogen wird, das Abenteuer auch funktionieren, wenn daran keine Liebesgeschichte gekoppelt ist. Und mir fehlt auch oft die Atmosphäre. Oder dass sich mal mehr auf die Geschichte und den Plot fokussiert wird, als auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. Da sind Kinderbücher einfach eine erfrischende Abwechslung.

Nicht zu vergessen, das an dem Irrglaube vieler Leute, Kinderbücher wären besonders simpel konstruiert und geschrieben, meiner Meinung nach überhaupt nichts dran ist. Im Gegenteil, viele Kinderbücher warten mit einer Wortgewandtheit, einem Wortwitz, einem Sprachreichtum und einer Komplexität auf, die ich in vielen anderen Büchern oft vermisse.

Mal ganz davon zu schweigen, dass viele Kinderbücher einfach viel schöner und mit mehr Liebe zum Detail aufgemacht sind, als Bücher für andere Altersklassen. Was dann wiederum, natürlich auch vom Geschmack und den Präferenzen des jeweiligen Lesers abhängt, oder ihm/ihr so etwas zusagt bzw. man sich daran erfreuen kann. Ich für meinen Teil liebe bspw. Illustrationen in Büchern einfach! Und ich würde einem illustrierten Cover auch immer den Vorzug, vor einem zerphotoshopten Visagen-Cover geben.

Zumal ich auch sagen muss, dass ich, dadurch dass ich in den letzten Wochen mehr zu Kinderbüchern gegriffen habe, Autoren für mich entdeckt habe (bestes Beispiel, Nina Blazon), an denen ich sonst mit großer Sicherheit auch weiterhin, einfach vorbeigegangen wäre. Haken an der Sache ist allerdings, und das sind jetzt nur meine persönlichen Erfahrungen, dass man in der Buchhandlung oft schief angeschaut wird, wenn man mit einem Stapel Kinderbücher zur Kasse geht, man gefragt wird ob die Bücher eingepackt werden sollen, man aber antwortet das sie für einen selbst sind. Oder dass man vor den Regalen mit den Kinderbüchern steht und folgendes passiert:

Mitarbeiter: "Suchen Sie was bestimmtes?"
Ich: "Och nö, ich schau nur mal was es so gibt."
Mitarbeiter: "Wie alt ist denn das Kind, vielleicht hilft das ja bei der Suche?"
Ich: "Nee nee, ich suche für mich, aber wenn Sie schon mal hier sind, könnten Sie mir doch vielleicht etwas empfeh..."
Mitarbeiter *geht einfach weg*

Worauf ich aber eigentlich hinaus will: Greift. Mehr. Zu. Kinderbüchern! Wenn ihr das nächste Mal in der Buchhandlung seid, lauft nicht an den Regalen vorbei, stöbert ruhig mal. Seid mutig und nehmt ein Buch mit, wenn es euch anspricht, ihr werdet mit Sicherheit nicht enttäuscht werden. Für mich sind Kinderbücher eine wahre Goldgrube, und man muss oft nicht einmal sehr tief graben um einen wahren Schatz zu entdecken.












Kommentare:

  1. Ganz Deiner Meinung! Ich habe dieses Jahr auch mehr Kinderbücher gelesen und erst kürzlich meinen Freunden gegenüber erwähnt, dass man einfach viel mehr davon hat. Die Geschichten sind meist in vielerlei Hinsicht wertvoller und die Aufmachung viel schöner <3

    Lieben Gruß

    Rica

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    1. Hallo Rica!

      Bin ganz genau deiner Meinung! Und nicht nur das, sie sind auch viel günstiger, wo ich mich dann immer frage, wie das sein kann.

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  2. Hi!

    Ja, ich kenn auch einige Kinderbücher, die mir wirklich gut gefallen und da sollte man sich ruhig öfter dran wagen.

    Jetzt muss ich nur mal kurz eine deiner Aussagen zitieren: "Das sich die Autoren noch wirklich Mühe machen, originelle Ideen zu entwickeln und nicht einfach altbekanntes wieder und wieder aufkochen und verwursten. Das es den Autoren wichtig ist, Charaktere zu schaffen, die einem im Gedächtnis bleiben, weil sie eben nicht mit einer austauschbaren Schablone gezeichnet wurden."

    Genau dieses Problem hab ich momentan bei den Jugendbüchern, weshalb ich da ein bisschen Abstand nehme. Ich werd mir deinen Anstoß auf jeden Fall mal zu Herzen nehmen ;)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hey Aleshanee!

      Genau dieses Problem habe ich mir Jugendbüchern auch, deswegen Abstand genommen. Es immer einfach nur der gleiche Shit und ugh ja...

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  3. ALso ich habe vor wenigen Jahren die Gregor-Reihe von Suzanne Collins gelesen und Ach du Heilige Scheiße, ich habe die Buchreihe geliebt!!! Die Bücher waren so spannend und gut, ich habe sie verschlungen. Ich lese sehr gerne Kinderbücher/Middlegrade, da verzeiht man einfach auch mehr. Aber sie sind oft einfach richtig gut geschrieben. Ebenfalls zu empfehlen: Die Spur ins Schattenland von Jonathan Stroud. Auch eins meiner Lieblingsbücher.

    Liebe Grüße, KQ

    P.S.: Mir sagen Middlegrade Bücher momentan auch tausend Mal mehr zu als YA-Bücher.

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    1. Habe gerade erst Jonathan Strouds 'Die Spur ins Schattenland' gelesen und fand es ganz schön heftig.
      Ich glaube, ich würde, würde mein Kind das lesen, danach das Gespräch darüber zu ihm suchen.

      Liebe Grüße,
      Linda

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    2. Hi KQ!

      Danke für die beiden tollen Empfehlungen, schaue ich mir die Tage gerne mal an. :D

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  4. Hallo!
    Ein schönes Plädoyer! Momentan, das gebe ich ehrlich zu, lese ich nicht so häufig Kinderbücher - es wandern eher mal Jugendbücher rein, die mich bisher aber eher enttäuscht haben. So platt und so... unauthentisch.
    Ich habe noch einige meiner (alten) Kinderbücher im Schrank stehen. Ich liebe ja besonders die alten Kinderbücher (z.B. die GJB-Bücher aus den 50er/60er Jahren), die haben so wundervolle Geschichten. Meine Mutter hat die für mich immer auf dem Flohmarkt gekauft und ich hab die Geschichten oft mehrmals hintereinander gelesen.
    Eines meiner Lieblingsbücher hieß 'Ich heiße Paprika!'. Gehe ich heute auf Bücerflohmärkte, schaue ich immer noch nach alten Kinderbüchern... vielleicht mal für meine eigenen Kinder, die ich vielleicht irgendwann mal kriege :)

    Liebe Grüße,
    Linda

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    1. Hey Mieze!

      Das mit den Jugendbüchern kann ich gut nachvollziehen, gerade aus diesem Grund lese ich vermehrt Kinderbücher, weil man da eben nicht so stark mit diesen Rollenklischees und anderen Stereotypen überschütte wird. Auf den Buchflohmarkt sollte ich auch mal gehen, aber ich bin nicht so der Fan von gebrauchten Büchern bin. Aber "Ich heiße Paprika! schaue ich mir auf jeden Fall mal an.

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  5. Das erinnert mich spontan an ein Zitat von Terry Pratchett zu seiner Scheibenwelt-Reihe, die ebenfalls Kinderbücher enthält: "In den letzten Jahren hat sich die Scheibenwelt aufgeteilt in Bücher für Erwachsene und Bücher für Kinder. Der Unterschied ist folgender: die einen beschäftigen sich mit sehr ernsten Themen, die anderen sind für Erwachsene."
    Ich persönlich habe auch noch einige Bücher von Astrid Lindgren im Regal stehen und lese sie auch gerne immer wieder.

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    1. Das ist ein sehr, sehr schönes Zitat und so wahr! Muss ich mir gleich mal notieren :D

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  6. Huhu :)

    Ein wirklich toller Beitrag, kann dir wirklich nur zustimmen! Da ich einen kleinen Bruder habe, der sich glücklicherweise gerade für das Lesen begeistern kann, schenke ich automatisch der Kinderbuchabteilung viel mehr Aufmerksamkeit und mein kleiner Bruder ist dann oftmals nicht der Einzige, der was findet. Ich liebe es einfach, das in Kinderbüchern so wunderbare Botschaften übermittelt werden und grandiose Freundschaften gezeichnet werden, wie ich es oftmals in YA vermisse. Auch bin ich immer wieder beeindruckt, was für eine Themenvielfalt auch in Kinderbüchern zu finden, gerade den englischen Middle Grade Bereich finde ich sehr verlockend und in den letzten Wochen hat sich meine Wunschliste auch schon reichlich gefüllt.

    Entsprechende Reaktionen sind naürlich schade, aber leider wie du schon sagst einfach etwas, was in dieser Gesellschaft schon normal ist. Jugendliche greifen zu Jugendbüchern, Erwachsene zu Erwachsenenbüchern und Kinder zu Kinderbüchern, udn wär aus diesem Schema ausbrechen möchte, wird schief angesehen. Dabei zeigt dein Beitrag, dass gerade dieses Ausbrechen oftmals dazu führt, richtige Schätze zu finden.

    Toller Beitrag!

    Liebe Grüße
    Kücki ♥

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    1. Hi Kücki!

      Danke für sein Lob. Ja, sehe ich exakt genauso. Viele YA-Titel haben es ja nicht so, irgendwie Werte oder so zu vermitteln, und Kinderbücher sind da eine erfrischende Abwechslung, gerade weil diese auch von der Geschichte her viel origineller und kreativer gestaltet sind. Und man nicht das Gefühl hat, die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung zu lesen. Was die englischen MG-Titel angeht, kann ich dir auch nur zustimmen, ich finde auch, dass die Amerikaner uns was die Themenvielfalt angeht, auch weit voraus sind.

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  7. Haha, wirklich mal! Nur weil man kein Kind mehr ist, kann man doch trotzdem noch Kinderbücher lesen :D

    https://jemasija8.blogspot.de

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