Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben - Matt Haig

18. April 2016 |
Im Grunde wurde zu diesem Buch wahrscheinlich schon alles gesagt. Ich für meinen Teil, kann den anderen Rezension, meiner lieben Bloggerkollegen auch nur zustimmen.
Obgleich ich aber auch sagen muss, dass ich nicht alle Ansichten und Meinungen zu diesem Buch teile, denn mir persönlich hat es nichts gegeben. Also, nicht Nichts, aber nicht das was ich gehofft hatte, was es mir geben würde.

Ganz ohne zweifel hat Matt Haig mit diesem Buch, ein sehr wichtiges und lesenswertes Buch geschrieben, dass ich auch ohne Bedenken jedem nur ans Herz legen würde. Wenn man allerdings selbst an diesem dunklen Ort war, wenn man selbst mit einer psychischen Erkrankung zu kämpfen hat/hatte, dann bietet dieses Buch, meinen persönlichen Erfahrungen nach, keine Erkenntnisse an, die man nicht schon im Zuge einer Therapie selber für sich erschließt/erschlossen hat.

Ich würde sogar sagen, dass "Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben", eher ein Buch ist, für Leute die bisher keinerlei Berührung mit psychischen Erkrankungen hatten, die sich vielleicht nicht vorstellen können, wie schlimm es für die Betroffenen ist, unter einer solchen Krankheit zu leiden. Die vielleicht glauben, dass das nur Kopfsache ist und man ja einfach eine Therapie machen oder Medikamenten nehmen kann. Die aus Unwissenheit Vorurteile oder ein gänzlich falsche Bild haben.
Und auch für Menschen, die glauben sie hätten eine Ahnung, weil eine Person aus dem persönlichen Umfeld an einer solchen Krankheit leidet, und die daher glauben sie wüssten was abgeht. Was nicht der Fall ist. Denn wenn man selbst nie mit einer Depression oder einer Angststörung zu kämpfen hatte, dann wird man auch nie zu 100% nachempfinden können, wie sich das anfühlt. Wie sehr die Krankheit das alltägliche Leben bestimmt, wie schwer sie wiegt, wie viel sie nicht nur in einem, sondern auch um einem herum, zerstören kann.

Besonders hervorheben möchte ich allerdings, dass Matt Haig hier kein Buch über Depressionen geschrieben hat. Als ein solches, sollte man "Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben" auch nicht sehen, denn dem wird es nicht gerecht werden. Kann es nicht. Matt Haig schreibt hier über seine persönliche/individuellen Erfahrungen mit seiner Erkrankung. Die nicht pauschal für die Allgemeinheit stehen und sprechen. Ich finde es großartig, dass Matt Haig hier aufgeschrieben hat, dass es eine psychische Erkrankung immer gesondert betrachtet werden muss. Es gib Symptome die sich überschneiden, ja, aber jeder Erkrankte empfindet und durchlebt seine Krankheit anders und findet andere Gründe und Wege zurück ins Leben.

Ich mochte das Buch, es ist fantastisch geschrieben, und wie oben schon angemerkt ist es unheimlich lesenswert. Ich wünsche mir echt, dass ganz viele Leute, gerade jene, die psychische Erkrankungen mit lächerlichen Tweets auf Twitter verharmlosen, was einfach viel zu häufig vorkommt, dieses Buch lesen, um zu begreifen wie wichtig es ist, diese Erkrankungen ernst zu nehmen. Ihnen die Aufmerksamkeit zu schenken die sie brauchen, und damit sie verstehen, dass eine Depression oder eine Angststörung oder Panikattacken, keine niedlichen Charaktereigenschaften sind, die einen irgendwie socially awkward machen. Wenn man introvertiert ist, leidet man nicht an einer Angststörung. Traurigkeit hat nichts mit einer Depression zu tun. Und Panikattacken sind nicht bloß Hyperventilation, sondern das Gefühl von echter Todesangst.

 dtv   Hardcover, 304 Seiten   Einzelband • 18.90€ 

Kommentare:

  1. Ich glaube, ich kenne niemanden, der so (bitter-)ehrliche Rezensionen schreibt wie du. Eine sehr feine Besprechung - ich werde mir das Buch demnächst vorknöpfen.

    LG, Nana

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  2. Ich finde, man liest deutlich raus, dass das Buch sehr viele positive Seiten hat, allerdings habe ich persönlich jetzt auch etwas anderes erwartet und werde dann wohl man schauen, wann und wo sich die Chance ergibt es auszuleihen, anstatt es sofort auf die Wunschliste nach oben zu schieben :) Tolle "Zusammenfassung" jedenfalls :D

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  3. Sehr treffend und interessant formuliert. Deinen allgemeinen Ausführungen zur Erkrankung kann ich nur zustimmen. Es wird so unheimlich viel missverstanden und im Zuge dessen, unter Umständen, blöde Kommentare geschoben. :(
    Das Buch selbst habe ich ja schon. Ich hoffe sehr, mich Matt Haig bald öffnen zu können. Für solche Themen benötige ich persönlich nämlich immer die richtige Zeit.

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  4. Hatte das Buch angefangen und dann wieder zur Seite gelegt. Warum? In mir, glaube ich, war die Befürchtung, einen dieser Ratgeber in der Hand zu haben, der sagt: "Das Leben ist supi, mach einfach ein bisschen Sport und die Depression geht schon weg." zumindest der Titel hat mir dies suggeriert. Jetzt setzt sich doch wieder die Neugierde in meinen Kopf fest und es ist klar, jede Erkrankung ist unterschiedlich, als ich aber einmal ein Buch las, in dem jemand empfohlen hat, einfach mal öfters einen Baum zu umarmen, wurde ich Skeptikerin.
    Authentische Bücher sind unglaublich schwer zu finden, besonders furchtbar finde ich allerdings die, an dessen Ende alles in Zuckerwattenrosa erstrahlt, weil es einfach nicht die Wahrheit ist, weil die Krankheit eines braucht - Zeit.

    Ich werde es noch einmal versuchen, dank deinen Worten, weil auf sie verlass ist.
    Danke für deine wunderbaren Rezensionen!

    Alles Liebe
    Yvonne

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