Wir Kommen - Ronja von Rönne

6. März 2016 |

Kennt ihr das, wenn euch jemand etwas erzählt und dabei immer weiter aus- und abschweift, und ihr euch einfach nur denkt: Alter, komm endlich zum Punkt! Und dann beendet dieser Jemand seine Geschichte und ihr sitzt da und denkt euch: Okay, und nun? 
Gut, denn ganz genau so ist dieses Buch.
Ich bin mir gerade auch echt nicht sicher, ob dieses Buch ernst gemeint ist oder, ob es sich hier nicht um eine literarische Version dessen handelt, was der Böhmermann und das Neo Magazin Royal damals mit dieser Yanis Varoufakis-Mittelfinger-Aktion abgezogen haben. Also, einfach nur eine riesige Verarsche. Weil das kann ja unmöglich ein ernst gemeinter Roman sein.
Dabei habe ich mich sehr auf das erste Buch von Ronja von Rönne gefreut, wirklich. Sie ist eine sehr interessante Person, ihre Blogbeiträge habe ich teilweise mit großer Begeisterung gelesen, weil ich schon sagen würde, dass sie für mich persönlich einen Nachhall hatten und mich auch, nach dem ich sie gelesen habe, noch länger beschäftigt haben

Daher waren meine Erwartungen doch sehr hoch. Gut, der Autor kann nichts für die Erwartungen der Leser, aber der Verlag und die Presse. Die das Buch als das Debüt des Jahres promoten, und es vorab lesen, es besprechen als wäre es eine literarische Offenbarung, als wäre Ronja von Rönne eine Autorin, die man sich nicht entgehen lassen darf, weil sie einfach das Buch des Frühjahrs geschrieben hat. Schonungslos, offen, authentisch, fesselnd. Nope. Stimmt nicht.

Ich bin ja keine Leser der unbedingt eine super epische Geschichte braucht, oder sympathische Charaktere oder so, aber so Grundelemente wie einen Plot und vor allem Sinn, bräuchte ich dann doch. Beides fehlt diesem Buch. Ich wüsste nicht mal, wie ich die "Handlung" zusammenfassen sollte, denn eigentlich gibt es keine. Es geht einfach um vier Leute, die vollkommen random beschließen dass sie sich doch jetzt alle lieben, dann ganz random in ein Strandhaus fahren wo sie peilen, dass sie sich ja doch eigentlich gar nicht ausstehen (was einem als Leser allerdings, schon um Seite 20 klar ist), können, sich streiten, sich trennen und Ende. Das ist das Buch. Das sind die 205 Seiten, mehr steht da jetzt nicht drin.

Ronja von Rönne kann schreiben, das braucht man ihr nicht bescheinigen und das kann ihr auch niemand absprechen. Zumindest kann sie es in ihren Artikeln und Blog-Beiträgen. Natürlich sind in diesem Buch einige großartige Stellen und Passagen. Mehr halt aber nicht.
Und so liest sich das auch Buch, wie ein einziger großer Blog-Post. Am Anfang war ich darüber auch sehr erfreut, weil ich dachte, yes coolio, und es macht auf Spaß, am Anfang. Nur irgendwann erreicht man dann halt das Ende der gewöhnlichen Artikellänge und ab da, wird es einfach unfassbar monoton, dröge und zäh. Es werden die immer gleichen Phrasen und Worthülsen benutzt, und Erklärungen zu Erklärungen geliefert, die keine Sau braucht.

Ich meine, vielleicht ist da auch mehr, Jo Schück hat in der Aspekte Sendung am Freitag (in der die Autorin zu Gast war), etwas von irgendwelchen Metaebenen gefaselt. Und wenn jemand vom deutschen Kulturfernsehen das sagt, dann muss es ja stimmen oder? Ich hab es sehr aufmerksam gelesen, das Buch zwingt einen durch seine Langatmigkeit ja auch förmlich dazu, aber zwischen den Zeilen oder so, nee, da war nichts.
Aber vielleicht bin ich einfach nicht Hipster oder Feuilleton genug, um diese Ebenen zu erkennen.

Das Buch wird auf der Rückseite, von einem Joachim Lottmann (kein Plan wer der gute Mann ist, und ich bin jetzt auch zu faul um den zu googlen) als schnoddrig, überlegen, witzig und respektlos beschrieben. Lieber Herr Lottmann, Nein. Einfach nur NEIN! Das Buch ist, wenn ich es so sagen müsste, nichts. Es sagt nichts aus, es hat keinerlei Sinn, es unterhält nicht, regt aber auch nicht zum Nachdenken an. Nichts, Nada, Niente, Nothing, Rien, Nix!
Ein bisschen so, wie eine Folge der HBO Serie Girls von und mit Lena Dunham. Das schaut man sich an, Lena Dunham zieht sich (warum auch immer), fünf mal in einer Folge aus, es passiert irgendein sinnloser Shit, mit sinnlosen Figuren, die über sinnlose Dinge reden, und am Ende klappt man den Laptop zu und geht kacken oder trifft sich mit Freunden oder haut sich 'nen Curry King in die Mikrowelle. Man macht halt einfach so weiter, als wäre nichts passiert. Es berührt einen nicht, es beschäftigt einen nicht und es macht nichts mit einem. Ich hab das Buch gelesen, bin pennen gegangen, habe jetzt diese Rezension geschrieben, stelle es dann gleich in mein Regal und damit hat es sich dann. Sehr schade.
 Aufbau Verlag   Hardcover, 205 Seiten   Einzelband • 18.95€ 

Weiterer Meinung findet ihr hier:
•  Literaturen  •  Lecture of Life  • 



Kommentare:

  1. Ich habe ja noch nie von der Autorin oder ihrem Blog gehört, aber deine Rezension war sehr amüsant! :D Besonders der letzte Teil. Eigentlich ist es ja bei Gegenwartsliteratur immer so, dass die Handlung nicht das Besonderste vom Besondersten ist, aber ein bisschen Sinn und Hintergedanken, vielleicht Humor und die ein oder andere Lebensweisheit sollten schon drin sein. Es ist mir auch ein Rätsel, wie solche Bücher mehr Aufmerksamkeit bekommen, als epische Fantasy-Sagen, an denen Autore Jahre ihres Lebens schreiben O.o

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    1. Muss man jetzt auch nicht so unbedingt xD
      Stimmt und es braucht es auch gar nicht, aber ja, halt ein bisschen was sollte schon da sein xD Also, vielleicht ist es ja auch da, nur ich bin zu blöde das zu sehen.

      Na ja, ich denke der Bekanntheitsgrad, der Autorin spielt da halt schon mit rein und so.

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  2. Liebster Mitleser und Mitleidender,

    deine Rezension ist wie gewohnt auf den Punkt genau getroffen. Habe (wie du ja auch) nochmal drüber geschlafen und voila: Nichts. Ich habe kein Gefühl zu diesem Buch und dessen Geschichte. Und genau das macht doch ein gutes Leseerlebnis aus. Naja, man kann halt nicht alles haben, aber die Schildkröte war cool irgendwie. Sehr präzise und schöne Worte dafür gefunden.

    Grüßerl,
    Shanty

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    1. Liebste Mitlesende, Mitleidende und die Schildkrötefürdenstarbefundenhabenden,

      danke, das freut mich sehr. Das Kompliment kann ich an dieser Stelle nur zurückgeben.
      Richtig, es muss ja auch kein überwältigendes Gefühl sein, aber ganz am Arsch vorbeigehen sollte es einem auch nicht. Schade dass es bei diesem Buch leider der Fall ist.
      Stimmt, die war echt cool. auch wenn ich ihr Ende echt bedauere. Das hat 390g einfach nicht verdient. :(

      Grüßerl zurück

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  3. Oh, deine Rezension lässt ja nicht hoffen. Wollte doch heute Abend mit dem Buch beginnen. Immerhin ist es nicht allzu lang und man hat es dann schnell hinter sich. ;) Ich lasse mich einfach mal überraschen. Deine Rezension ist auf jeden Fall genial und super amüsant. Da hat das Lesen auf jeden Fall schon mal Spaß gemacht. :D

    Liebe Grüße
    Patty

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    1. Genau und wer weiß, vielleicht gefällt es dir am Ende ja sogar. Geschmäcker sind ja zum Glück immer verschieden. :D
      Danke, sehr lieb von dir und freut dass es dich amüsiert hat.

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  4. Das Buch scheint ja jetzt nicht so der Knüller zu sein, dafür aber deine Rezension :D Unglaublich wie leicht du mich zum lachen bringst. Alleine schon der einstieg (und ja natürlich kenne ich solche Gespräche).
    Du schreibst an einem Buch oder??? Ich hoffe, es erscheint nicht nur als ebook. Ansonsten muss ich mir ernsthaft überlegen, ereader zu zulegen :D
    LG
    Melina

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    1. Hey Melina!

      Na ja wer weiß, vielleicht ist es für andere ein Knüller kann ich mir gut vorstellen.
      Hehe, danke, freut mich wenn dich die Rezension unterhalten hat :D
      Jupp, bin dabei. Haha, gerne, aber ich glaube das liegt eher bei den Agenturen oder Verlagen, wenn die es ablehnen (wie anzunehmen) wird wohl nichts draus xD Aber mal schauen ;)

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  5. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  6. Man dachte beim Aufbau Verlag, dass man die ''Autorin'' gut vermarkten kann. Sie sollte bei Blogs und Springer bleiben. Da passt sie besser hin.

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    1. Nö, sehe ich nicht so. Und ich denke der Aufbau Verlag hat sich auch mehr dabei gedacht, als bloß gute Vermarktung. Sie sol ruhig noch mehr Bücher schreiben, aber dann mit mehr Plot und Sinn. :D

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  7. Ach Fabian,
    der Kommentar könnte jetzt aus hundert Lachsmileys bestehen, stattdessen möchte ich dir aber danken für deine tolle, ehrliche und "schnoddrige" Rezension, besonders (ich schließe mich hier einem anderen Kommentator an) wegen des Schlusses. Und weil du mich davor bewahrt hast sinnlos Geld für ein 200Seiten langes Hardcover auszugeben. Ich hätte mich hinter her wirklich nur geärgert :P

    Weitermachen, bitte!

    Liebe Grüße,
    Susanne

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