Crazy Little Thing Called Love

16. März 2016 |
Ich hab da kürzlich ein Buch gelesen, es war okay, bis auf die Liebesgeschichte. Und als ich mich beim Lesen so aufgeregt habe, hab ich einen Moment innegehalten und mich selbst dabei ertappt, wie ich dachte, Alter, was zur Hölle stimmt eigentlich nicht mit dir, wenn du so was nicht romantisch findest?! Ich hab das Buch dann kurz zur Seite gelegt und mir Rezensionen dazu angeschaut, die allesamt, total begeistert von eben jener Liebesgeschichte waren und ich dachte so, dass bei mir ja irgendwas kaputt sein muss, wenn andere diese Geschichte süß und herzerwärmend finden, ich mich am liebsten aber aus dem Fenster stürzen möchte.
Da mich das Thema "Liebe in Jugendbüchern" eh schon eine ganze Weile beschäftigt und auch an mir nagt, dachte ich mir, schreib ich einfach mal einen Beitrag dazu. Kann ja nicht schaden.


Bevor ich loslege, möchte ich kurz erwähnen, dass das hier meine persönliche und subjektive Meinung ist, die niemand teilen oder für wahr befinden muss. Ich schreibe lediglich etwas zu den Beobachtungen die ich in den letzten Monaten gemacht habe. Und es ist auch kein Angriff auf Liebesgeschichten an sich, die lese ich nämlich auch echt gerne, oder auf Leute die kein Problem mit den Dingen habe, die ich nachfolgend beschreiben werden. Jeder kann und darf und soll das mögen was er/sie mögen möchte.

Okay, wo setze ich da am besten an? Vielleicht damit, dass ich zu allererst gar nicht so richtig verstehe, warum Liebesgeschichten bzw. Liebe als solche, so einen großen Raum in Jugendbüchern einnehmen. Also, klar, die Liebe ist etwas sehr, sehr Schönes. Etwas das jeder unbedingt einmal erlebt haben sollte und gerade die erste richtige, große Liebe ist etwas, dass die meisten wohl niemals vergessen. Ich habe meine zum Beispiel nicht vergessen. Daher erschließt es sich mir natürlich warum Liebe in Jugendbücher auch vorkommt, ich will auch gar nicht dass sie es nicht tut, dafür ist sie einfach zu wichtig. Ich frage mich nur, ist die Darstellung, wie sie im Großteil der Romane für Jugendliche vorzufinden ist, "angemessen" oder um es anders auszudrücken, richtig?

Es gibt da ein Muster, das sieht in etwa so aus: Mädchen (meistens eher schüchtern, aber vom Aussehen her total hot) trifft auf einen Typen (meistens total extrovertiert, arrogant, und einfach nur der geilste Type ever), die beiden begegnen sich, und schon ist das Mädchen total verliebt in den Typen. Einfach so, ohne wirklich jemals so richtig mit ihm gesprochen zu haben, ohne ihn zu kennen. Sie weiß einfach, dass dieser heiße Junge ihr Traumprinz ist.

Ab dem Punkt dann, zählt für das Mädchen nichts anderes mehr, weil er einfach alles ist. Sie denkt nur noch an ihn, redet nur noch über ihn (oder von ihm), dreht und wendet sich nur noch um ihn. Freunde? Pfft, egal, Familie und alles andere auch. Was soll sie auch damit, wenn sie so einen heißen Typen hat, den sie liebe kann, und der sie auch irgendwie liebt. Gut, er lässt das mit der Liebe nicht so zu, na ja,eigentlich behandelt er sie echt mies, aber nur weil er mal was ganz schlimmes erlebt hat. Dann darf man(n) eine andere Person auch schlecht behandeln.

Da fasse ich mir einfach nur an den Kopf. Inwiefern ist das jetzt romantisch oder süß oder hat etwas mit Liebe zu tun? Klar, natürlich kann man darüber einfach den ausgefranzten Mantel des EssinddochnurFantasiendiedabedientwerdens legen, aber warum zur Hölle glauben die Leute, dass man damit so einen unemanzipierten und anti-feministischen Bullshit rechtfertigen kann?
Und wer hat solche Fantasien denn eigentlich? Die Autoren, die so einen Kack aufschreiben, oder die Leser, die den Kack auch noch lesen und feiern? Mit wessen Fantasien wird denn da gespielt?

Ich finde es so paradox einfach, dass wir Mädchen auf der einen Seite sagen, ihr könnt alles das machen und schaffen was Jungs auch können, ihr braucht keinen Mann um etwas zu erreichen usw. diese Parolen und Werte in Büchern aber über Bord werfen oder komplett vergessen. Bei allen anderen Dingen, ob Serien, Filmen, Comics, Games ect. wird immer ganz genau hingeschaut wenn auch nur der leise Verdacht aufkommt, es könnte sexistisch oder gegen Frauen gerichtet sein. In Büchern allerdings, gerade in denen, die sich an ein jugendliches Publikum richten, scheint es aber keine Sau zu interessieren, was da oft so für sexistischer und anti-feministischer Bullshit drin steht. Warum werden Bücher davon ausgenommen?

Es wird ja wirklich suggeriert, dass Mädchen nur eines im Leben brauchen, und das ist ein Junge. Und der sollte dann am besten auch noch aussehen, wie das Kind von Sam Claflin und One Direction. Weil das ist halt auch einfach super wichtig, dass du als Mädchen eine Typen an der Seite hast, der einfach nur ermagherd fucking hot ist. Und weil er so super hot ist, und du ihn liebst musst du dich natürlich auch komplett vergessen. Deine eigenen Wünsche und Ziele und Bedürfnisse musst du abstellen, weil dafür ist kein Platz in deiner Liebe zu ihm. Ich meine, wenn du die ganze Zeit nur an ihn denkst, bleibt ja auch echt keine Zeit mehr, um mal zu schauen was du möchtest. Man muss als Mädchen halt auch Prioritäten setzen, und die haben am besten einen Penis.

Also, klar wenn man verliebt ist dann ist die Person, in die man verliebt ist halt super wichtig. Und man neigt auch dazu, sich irrational und untypisch zu verhalten. Gerade wenn man frisch verliebt oder zum ersten Mal verliebt ist, gehen ja gerne mal die Pferde mit einem durch. Das will ich auch gar nicht irgendwie bezweifeln oder kritisieren. Aber warum, muss es dabei denn immer um den Jungen gehen? Warum wird dieser eine Typ soweit in den Fokus gerückt, dass das Mädchen neben ihm im Grunde komplett verblass? Warum, lassen wir es zu, dass solche Dinge ihren Weg in Bücher finden und damit in die Hände junger Mädchen?

Und es ist ja nicht nur schlimm für Mädchen, sondern auch für Jungs. Gut, die wenigstens in dem Alter sind begeisterte Leser, aber nehmen wir an, ein Junge bekommt mal so ein Buch zu fassen, liest was da steht, was soll er dann damit anfangen? Was soll er sich daraus ziehen? Das du total hot und gemein sein musst um ein Mädchen zu kriegen? Das du ein Mädchen kacke behandeln kannst, wenn du geil aussiehst? Und dass du halt nichts bist, wenn du nicht gut aussiehst. Also, diese total einseitige und unrealistische Darstellungen von Jungen in Jugendbüchern, ist doch totaler Bullshit.

Wir sagen jungen Menschen (Mädchen wie Jungen), dass es total oberflächlich ist, bei der Partnerwahl auf das Aussehn zu achten, dass es total unwichtig ist, weil der Charakter im Vordergrund stehen sollte. In Jugendbüchern allerdings, ist das Äußere oft der einzige und ausschlaggebende Punkt, worauf eine Beziehung aufgebaut wird und aus dem, eine Liebe entsteht. Dabei möchte man als Leser (zumindest geht es mir so), doch erfahren was Person A an Person B so findet und umgekehrt. Ich möchte Gründe erfahren, warum sich die beiden verlieben, was sie an einander so begeistert. Gründe, die nichts mit tollen blauen Augen, einem schiefen Lächeln oder Muskeln die sich unter der gebräunten Haut abzeichnen, zu tun haben.
Aber die werden nur selten, in den meisten Fällen gar nicht geliefert. Die beiden lieben sich halt, weil ist so.

Wenn ich so Bücher lese, dann komme ich irgendwann an den Punkt, wo ich mir denke, das alles was in  "Der Herr der Ringe" passiert ist, deutlich realistischer erscheint, als diese Liebesgeschichte jetzt.

Wie oben schon geschrieben, mag ich Liebesgeschichten, kommt vielleicht jetzt nicht so rüber, aber ist wirklich so. Aber ich verstehe einfach nicht, warum Liebe in Jugendbüchern immer zu so einer großen und wichtigen Sache gemacht wird. Liebe ist wichtig ja, aber sie ist nicht das Wichtiges im Leben. Und Liebe kann auch nicht alle Grenzen überwinden, kann kranke Menschen nicht heilen, kann nicht verhindern dass einem Schicksalsschläge widerfahren und ist nichts weswegen man sich selbst aufgeben sollte. Liebe ist schön, liebe fühlt sich toll an und sie ist sehr wertvoll aber sie nicht alles was zählt. Zumindest nicht die Liebe, zu dieser einen einzigen Person.

Warum wird da also immer so ein Buhei drum gemacht? Warum geht es in so vielen Büchern um Liebe, aber so selten um Freundschaften oder Familie? Die meisten haben Freunde und eine Familie, aber warum ist Liebe da immer wichtiger? Warum muss es immer um irgendeine Pute gehen, die sich in einen schrottigen Bad Boy verliebt?

Und was mich auch immer so verwundert ist, dass in vielen Büchern nur dieses plüschige rosarote Bild der Liebe gezeichnet wird. Auf alles wird immer eine leichte Zuckerschicht gelegt. Gerade bei der ersten Liebe.  Die ja in den meisten Fällen nicht nur zuckrig ist, sondern auch schräg und peinlich und komisch und kompliziert. Und wenn es immer um Liebe geht, wo ist der Sex? Warum sind Küssen und Händchenhalten immer das höchste der Gefühle? Junge Menschen die sich lieben, haben auch Sex. Ob es den Erwachsenen nun passt oder nicht, aber Sex ist ein wichtiges Thema!
Wenn dann Sex aber doch mal eine Rolle spielt, dann ist auch der total verkitscht und unrealistisch. Da haben Jungfrauen Orgasmen von denen andere nur Träumen und Jungs wissen ganz genau, wie sie ein Mädchen beim ersten Mal die Wände rauf jagen. Warum wird denn nicht erwähnt, wie peinlich es ist, sich zum ersten Mal komplett nackt zu sehen? Das, obwohl auch Verlangen da ist, man sich trotzdem irgendwie die Hände vor den Schritt hält?

Generell verstehe ich nicht, warum in diesen realistischen Geschichten, so viele Dinge sind, die nichts mit der Realität zu tun haben. Geht es bei Gegenwartsliteratur die sich an Jugendliche richtet, nicht darum, ein möglichst realistisches Bild dessen zu zeichnen, was jeder kennt? Mit dem sich jeder, auf die eine oder andere Weise identifizieren kann? Warum muss denn immer dieser Kitsch- und Fantasien-Weichzeichner über alles gelegt werden?

Und was ich an der ganzen Sache so überhaupt nicht ralle, der Shit wird in der Regel auch noch von weiblichen Autoren geschrieben? WTF! Sollten nicht gerade die, eigentlich alles daran setzen um Mädchen zu bestärken? Um zu zeigen, dass es auch anders sein kann? Sollten nicht gerade die, eine gewisse Verantwortung ihren Lesern gegenüber haben?

Auf der anderen Seite, sollten wir als Leser, die ja angeblich den Markt mir unserer Nachfrage bestimmen, nicht auch viel kritischer sein? Viel mehr hinterfragen und auch ein Stück weit mehr das reflektieren, was wir da so lesen? Sollten wir uns nicht viel öfter und lauter über Misstände (die da sind, lässt sich nun mal nicht wegdiskutieren) beschweren? Sollten wir den Verlagen und Autoren, nicht viel häufiger und stärker signalisieren, dass bestimmte Dinge so einfach nicht gehen? Sollten wir nicht alle miteinander ein kleines Stück anspruchsvoller werden, wenn es um Liebesgeschichten geht? Und sollten wir nicht offen und direkt ansprechen, wenn wir in Büchern, die sich an junge Leser richten, auf Dinge wie Sexismus, Anti-Feminismus und Anti-Maskulinismus stoßen?

















Kommentare:

  1. Zunächst möchte ich dir ein Kompliment aussprechen. Dein Blog ist wundervoll!

    Zum Thema, kann ich nur sagen, dass du den Nagel wirklich auf den Kopf getroffen ist. Feminismus findet man in solchen Büchern nicht, dabei ist es auch gerade die Generation, die die Zielgruppe für die Jugendbücher ist, die genau das am meisten braucht. Die Ausnahmen sollten die Regel sein: starke Mädchen, die wissen was sie wollen und die um glücklich zu sein, keinen Jungen brauchen. Vor allem keinen, der sie herablassend behandelt.
    In Zeiten von Youtube-Stars und GNTM fehlen die Vorbilder von starken Mädchen schon komplett. Die Bücher sollten da immer die Vorbildsfunktion einnehmen. Das gilt selbstverständlich auch genauso für Jungs.
    Ich muss gestehen, ich mag auch diese finsteren Jungs, die ein Geheimnis haben. Aber ich bin erstens eine Ecke älter und zweitens, wären mir solche Jungs im richtigen Leben zu anstrengend.
    Ich könnte mich stundenlang zu dem Thema auslassen. Du hast die wichtigsten Aspekte wirklich toll zusammengefasst und meiner Meinung nach, den Nagel auf den Kopf getroffen!

    Ganz viele Grüße
    Nika

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    1. Dankeschön Nika :D

      Exakt! Genauso sollte es eigentlich sein... eigentlich.
      Danke, danke :D

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  2. Ich habe den Beitrag gelesen und musste manchmal einfach nur schmunzeln. Eine sehr gut formulierte Wahrheit, bei der ich mich manchmal ertappt fühlte. Hach, ich liebe Liebesgeschichten, das kann ich nicht leugnen. Ich gehöre auch zu den Leserinnen, die solche, von dir beschriebenen Szenarien, zu Hunderten verschlungen hat. Die Frage, wieso sich immer ein schwaches Mädchen in einen Bad-Boy-Verschnitt verliebt, habe ich mir schon oft gestellt. Und warum das so gut funktioniert? Ich glaube, dass die Lösung dafür recht simpel ist: Frauen lieben Geheimnisse, Frauen lieben die Vorstellung, die Macht zu besitzen, einen Bad-Boy zu zähmen. Sie lieben die Vorstellung, dass sie der einzige Mensch sind, die es schaffen, dass er sich ihr öffnet. Dass sie es sind, zu denen sich der vermeintliche Unhold bekennt. Einfache Psychologie.

    Aber ich gebe dir recht. Die Rolle der Frau sollte besonders in Jugendromanen selbstbestimmter konzipiert werden. Die Suggession, dass ein Mädchen nur existieren kann, wenn sie sich zu ihm bekennt, ist völlig fehl am Platz und im Grunde nicht nötig. Viel mehr muss die Persönlichkeitsentwicklung unabhängig vom männlichen Gegenpart gesehen werden. Die Eigenständigkeit des Charakters muss erhalten bleiben. Sicherlich, man entwickelt sich miteinander, aber nicht ausschließlich - alles andere wäre realitätsfern.

    Und doch bin ich z.b. zu einer starken Persönlichkeit herangewachsen, obwohl ich solche Bücher en masse gelesen habe. Es hat mir kein falsches Bild von Rollen innerhalb einer Gesellschaft suggeriert. Lediglich die Ansprüche an Liebe sind verschoben - ich gebe mich nicht mit wenig zufrieden. Und da sehe ich den Kritikpunkt an den gängigsten Liebesromanen: Es vermittelt ein falsches Bild von Liebe. Wie du schon sagst - Oberflächlichkeiten sind an der Tagesordnung. Es werden Liebesgeschichten fernab der Realität geschrieben, was sich irgendwann zu einer persönlichen Ansicht entwickeln kann und das wiederum erschwert die Liebe in der Realität, da man vor lauter Erwartungen die eigentliche Liebe verpasst.

    Ich finde diesen Beitrag von dir grandios und habe ihn sehr gern gelesen, immer mit einem kleinen Schmunzeln auf den Lippen.

    Liebe Grüße, Nana von Zeilenzauber

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    1. Danke, da kann ich kaum mehr was zu sagen, außer Amen! :D

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  3. Ich denke, eines der Probleme ist, dass die meisten Jugendbücher in der Ich-Perspektive geschrieben sind. Und damit bekommt man die volle Breitpeitsche an creepiness mit.

    Und die, die nicht in der Ich-Perspektive geschrieben sind, orientieren sich beim Männerbild an den erfolgreichen Vorgängern, die in der Ich-Perspektive geschrieben sind.

    Wenn man die rosarote Brille des Erzählers (aka der Verliebten) abnehmen würde gäbe es ein anderes Bild.

    Eigentlich eine ziemlich nette Variante des unzuverlässigen Erzählers. Wenn man denn den Hinweis darauf bekommen würde, das es sich um einen handelt.

    Jetzt wo das geschrieben ist: Wenn nochmal jemand eine unglaubwürdige Romanze schreibt und diese dann von den Charakteren als "Seelenverwandt" bezeichnen lässt um alles zu erklären muss ich das Buch erstechen.

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    1. Haha, ja stimmt!

      Aber ich glaube auch, es geht in der Ich-Perspektive auch ohne Creepiness, man muss es nur wollen xD

      An dem Punkt war ich auch schon, aber dann war mir das Messer doch zu schade um es an dem Buch stumpf zu machen xD Lieber verbrennen, dann bleibt auch nichts mehr übrig :D

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  4. Ich schreie ganz laut Amen! - und bin hin und weg! Ja. Genau das, sowas brauchen wir. Dafür liebe ich die Bloggerszene. Ich danke dir für diesen Beitrag, denn er spricht mir so aus der Seele. Doch trifft das ja nicht nur auf Jugendbücher zu, sondern auch "erwachsene" Literatur. Bestes Beispiel und aktuell: Die After-Reihe. Oder Royal Passion. Oder Fifty-Shades-Dingsbums.

    Und ja, diese Geschichten werden zuhauf von Frauen selbst geschrieben. Ja, ich verstehe auch warum das geschrieben wird und warum das oft gut ankommt. Ich selbst lese ja auch sowas hin und wieder ganz gerne. Aber es trägt echt null zum Feminismus/ Maskulinismus oder zum Anti-Sexismus bei. Aber ich hoffe auch auf die nachwachsenden Generationen. Die, die jetzt diese Jugendbücher verschlingen. Auf Autoren, die starke Frauenbilder und Geschichte in den Fokus setzen. Ich hoffe darauf, dass ein Bewusstsein geschaffen wird, dass wir Frauen/Mädels auch mit am Hebel sitzen. Und das fängt auch bei dem Buch an, was wir kaufen, in den Händen halten und lesen. Und deswegen sind solche Beiträge, wie deiner, so wichtig für Leser, Blogger, Autoren und Verlage, damit hier ein Überdenken, eine Nachfrage entsteht.

    Noch einen schönen Abend und liebe Grüße
    Rebecca

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    1. Hi Rebecca!

      Oho, danke für das Lob, ehrt mich sehr :D
      Stimmt, die Belletristik ist davon nicht befreit, aber da richtet sich das ja auch an Erwachsene. Nicht dass ich es der Jugend von heute unterstellen will, nicht differenzieren zu können, aber ich glaube so eine Vierzehnjährige ist leichter zu "beeinflussen" als eine Vierzigjährige. Weißt du was ich meine?

      DAS hoffe ich auch, sehr sogar! Das irgendwann ein Umdenken stattfinden wird, und sich alle mal genauer damit beschäftigen was sie da eigentlich so alles lesen und auch mehr hinterfragen.

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  5. Die Sache ist doch, dass diese einnehmende Art von Liebe nicht nur in Büchern in den Himmel geliebt, -lebt und -lobt wird, sondern auch in der Realität. Alles wird so gelegt, dass man als Person immer wieder selber denken MUSS, dass man ohne Liebe gar nicht richtig glücklich werden kann. Ein Leben ohne einen Partner oder eine Partnerin ist sinnlos, weil wie kann ich denn ohne wen an meiner Seite richtiges und wahrhafiges Glück empfinden? Tja. Laut unserer Gesellschaft gar nicht. Alleinsein bedeutet immer gleichzeitig einsam sein. Unglücklich sein. Deprimiert sein.

    Versteh mich nicht falsch, ich hab kein Problem mit jeglicher Art von Liebe in Büchern. Himmel, manchmal BRAUCHE ich solchen kitschigen Lesestoff. Aber wenn es in Beziehungen darauf hinausläuft, dass die Charaktere ihre Zufriedenheit von einander abhängig machen, dann kannst Du das Buch direkt aus dem Fenster werfen.

    Grüße,
    Caro

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    1. Stimmt, da hast du recht. Aber ich finde, gerade wenn es in der Realität ja so ist, dann könnte man es in den Büchern doch anders machen und zeigen, hey, es ging eigentlich auch anders. Anstatt in diesen Chor auch noch mit einzustimmen.

      Geht mir auch so, und ich verteufele Liebesgeschichten ja auch nicht, wenn es gut gemacht ist, immer her damit, aber in der Regel ist halt eben oft so, dass da eine Abhängigkeit entsteht und dass das scheinbar auch so als okay und normal von den Lesern angesehen wird. Weil, ansonsten würde es den Shit ja nicht in der Masse geben.

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  6. Ich schließe mich meinen Vorrednern an und kann dir wirklich nur zustimmen.

    Eine Sache möchte ich aber noch hinzufügen:
    Ich kenne einige Leute, die selbst Bücher schreiben und diese auch an Verlage schicken. Was häufig zurück kommt, ist die Frage: "Und wo ist die Romanze?" Oder "Klingt ja an sich ganz gut, aber bau noch eine Romanze mit ein, sonst wird das nichts."
    Als Autor/in wird man also praktisch schon direkt ausgesiebt, wenn man es mal wagt, ein Buch nur über eine Freundschaft zu schreiben. Dabei gibt es viele Leser, die gerne mal ein wenig Abwechslung hätten, wie man ja auch an den Kommentaren hier sieht.

    Ein tolles Beispiel dafür, dass es auch ohne Liebesgeschichte geht, sind die Bücher von Alice Oseman - Solitaire und Radio Silence. Beide haben maximal eine Romanze unter Nebencharakteren und konzentrieren sich lieber auf andere komplizierte Seiten des Erwachsenwerdens/Teenagerdaseins.

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    1. Danke :D

      Hm ja, das ist natürlich wieder der Punkt. Die Verlage wollen halt Sachen die sie verkaufen können, am besten natürlich welche die sich seeehr gut verkaufen! Und leider sind das ja immer noch die Lovestories. Es müsste halt mal ein Verlag den Mut fassen und das Risiko eingehen, etwas anderes zu bieten, aber bis das passiert, leben wir alle schon längst auf dem Mars.

      Uh, danke für den Tipp, schaue ich mir bei Gelegenheit mal genauer an :D

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  7. Lieber Fabian,

    du findest immer die genialsten Redewendungen. Die Wände hochjagen? :D Ich kann nicht mehr.

    Der Sexszenen-Absatz ist zum Teil (neben dem ganzen Sexismus und Anti-Feminismus/Maskulinismus) etwas, das mich am meisten an vielen Liebes(-jugend-)romanen stört. Mir kommen zum Großteil Liebesromane unter, in denen nur gerammelt wird. Ich störe mich nicht daran, weil ich prüde bin, sondern gelangweilt. Das Ganze ist immer so fantasielos. Oft scheint es so, das ein wenig Schmalz und ein paar "heiße" Szenen ausreichen um darüber hinweg zu täuschen, dass die Romane so gut wie keine nennenswerte Handlung haben.
    Von den Rollenbildern, die dabei gefestigt und zelebriert werden, ganz zu schweigen. Das Schlimme ist: Ich kann irgendwie verstehen, wieso gerade solche Liebesromane gut ankommen. Sie kommen ziemlich schnell in Fahrt, haben polarisierende Charaktere und eine dramatische Handlung, die schal ist, wenn man drüber nachdenkt, aber beim Lesen vollkommen ausreicht. 08/15 Mädchen, mit denen man sich irgendwie identifizieren kann und die ja eh eigentlich nicht so wichtig sind, weil es ja nur darum geht, dass der knallharte Kerl nur bei ihr ganz weich wird. Leider spiegeln viele Romane dieses Muster in unterschiedlichen Szenarien wieder.

    Ich find's - wie du es bereits anspricht - bedenklich, wenn Mädels UND Jungs mit solchen Rollenbildern in Romanen aufwachsen. Gerade wenn sie so gefeiert werden. Und das Vielen zum Beispiel nicht auffällt, wieso FSOG so verstörend ist. Nicht wegen dem BDSM, sondern der totalen Abhängigkeit in der Beziehung, die die Masse für normal zu halten scheint :/

    Geht es eigentlich nur mir so, oder sind die Beschreibungen von den Männern als besonders muskulös mit ihren dichten Wimpern und vollen Lippen, irgendwie alles andere als attraktiv? Ich muss bei sowas immer an Sylvester Stallone denken. Und nicht im guten Sinne.

    So, Bett ruft.

    Bis bald,
    Susanne

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    1. Hi Susanne!

      Hehe, ja, manchmal da fallen mir ein paar gute Dinge ein xD

      Jaaaa Porn without plot! Ich liebe es auch so sehr NICHT! Ich verstehe aber auch nicht, wo da der Reiz für die Leser verborgen sein soll, denn ich finde so was eigentlich nie wirklich erotisch. Also, da kann man sich doch lieber für Umme 'nen heißen Streifen im Netz ansehen, als für solche Shit-Bücher das Geld zum Fenster rauszuwerfen xD

      Und DAS ist doch eigentlich der Punkt, der die ganze Sache so traurig macht. Das dass alles irgendwie nur so 08/15 und Larifari ist und Hauptsache, es knallt in der Kiste. Ich meine wenn man das will, dann sucht man sich 'nen One Night Stand oder so, aber warum muss das denn ausgerechnet in Bücher?

      Hahaha, ja Stallone trifft es echt gut xDDD Vor allem, welche Frau will denn einen Kerl der dichtere Wimpern und vollere Lippen hat, als sie selbst? XD

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  8. Exakt dieselbe Diskussion hatte ich auf der Heifahrt von der Messe mit meiner Mitfahrerin - anlässlich eines Buches, das ich gerade gelesen hatte und mich allen Ernstes gefragt habe, wie a) eine Frau so einen Mist von missbräuchlicher Beziehung auch noch als schön hinstellen konnte und b) auch noch scheinbar alle außer mir total drauf stehen? What?

    Und um auf die Eingangsfrage zurückzukommen - ich hatte als externe Gutachterin mal ein Buch, das war SO gut, also so wirklich ECHT GUT, das abgelehnt wurde, weil die Protagonistin sich einfach mal einen Scheiß drum gekümmert hat, ob sie jetzt irgendwen abschleppen kann. Von Lovestory war da weit und breit nichts zu sehen und das geht schienbar mal gar nicht für die meisten Verlage... weil das Publikum das angeblich so nicht will. Naja.

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    1. Ich habe ja die Theorie, dass die Leser das nur wollen weil die Verlage nichts anderes liefern, weil die halt glauben die Leser wollen das. So ein Teufelskreis eben xD

      Ich persönlich brauche das nicht mit den Lovestories, ich finde auch, dass das in Büchern oft der uninteressanteste Part überhaupt ist. Mich interessieren mehr Freundschaften und solche Dinge, aber na ja...

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  9. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  10. Offenbar lesen wir sehr unterschiedliche Bücher - persönlich finde ich das Sex und sexuelles Verlangen viel zu sehr in den Vordergrund gestellt werden, oft scheint die ganze "Liebe" nur aus diesem Verlangen zu bestehen und spätestens nach der dritten Bettszene fange ich an mich zu Fragen "Okay, wann nun endlich machen die beiden sich die Mühe sich auch mal kennen zu lernen?"

    Aber so ist das eben, der/die LeserIn will Phantasien und kein realitäts Gedöns. Paare welche, wenn nicht gerade zur unzurechnungsfähigkeit vollgetrunken, sich tatsächlich erstmal kennenlernen, erst einmal Verbal sondieren bevor man hechelnd und sich die Klamotten vom Leib reisend ins Bett fällt - oder wohin auch sonst immer -, sind beim (jungen) Leser eher unbeliebt.

    Die ganzen unattraktiven Typen, die ganze Peinlichkeit, die ganzen Parties die nie so wirklich das sind was man sich erwartet hat - das hat man als jugendlicher jeden Tag um sich, dafür muss man sich nicht ein Buch flüchten.

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    1. Ja, scheint offenbar der Fall zu sein, denn das was du da so beschreibst, kenne ich eher aus New Adult Büchern und weniger aus Jugendbüchern. Wenn du über NA redest hast du natürlich vollkommen recht. Wenn du Jugendbücher meinst, dann möchte ich dir widersprechen.

      Tja, die Frage ist halt woran liegt das ne? Und wessen Fantasien sind das genau? Also, meine auf jeden Fall nicht xD

      Ich finde man sollte sich überhaupt nicht in Bücher flüchten müssen, und wenn dann doch in Bücher in denen Dinge passieren, die man selbst einfach nicht erleben kann. Aber eine überzeichnete, klischlastige und kitschige Version dessen was man aus dem eigenen Leben kennt, ist doch nicht wohin man sich flüchten möchte. Finde ich jetzt.

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  11. .haha. :D Herrlich!
    Was mich meistens so aufregt, ist, dass mit der Liebe auch zu 99% die totale Vertollpatschung der Mädels einhergeht. Die fallen dann über jeden kleinen Kieselstein, weil irgendeine Szene gebraucht wird, in der der toughe Bad Boy dann helfen kann. Das Bild, das da vermittelt wird, geht mir schon echt auf den Zeiger. Und ICH bin ja echt noch eine dieser unverbesserlichen Romantikerinnen. *phew* Danke jedenfalls für deinen super Beitrag. Wie immer auf den Punkt gebracht! :)

    LG,
    Nana

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    1. Hehe, ja das finde ich auch richtig bescheuert. Aber es zeigt ja wieder, was ich geschrieben habe, sobald irgendein Typ auf der Bildfläche erscheint, wird bei den Mädels das Hirn ausgeknipst und was ist das bitte für eine Botschaft? Ich verstehe es ehrlich gesagt nicht und jaa xD

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  12. Top! Kann deine Meinung/Ansicht hier nur teilen. Ich habe etliche Jahre einfach aufgehört mit den "Liebes" Geschichten... denn ganz ehrlich, warum muss man denn diese "Liebe" immer so konkretisieren und definieren? Liebe kann so vieles sein... und eben in Jugendbüchern, darf es gerne auch was anderes sein als ein Badboy :3

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