Interview mit Becky Albertalli

25. Februar 2016 |
Da ist er auch schon, der vorletzte Tag meines "Nur drei Worte"-Countdowns! Und heute, da habe ich einen echten Leckerbissen für euch, und zwar ein kurzes Interview mit Becky Albertalli, der unheimlich sympathischen Autorin von "Nur drei Worte".
Die war nämlich so freundlich und hat mir Rede und Antwort gestanden. Das Ergebnis, könnt ihr jetzt lesen.


Herr Booknerd: Liebe Becky, vielen herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, um mir ein paar meiner Fragen zu beantworten.

Becky Albertalli: Gerne doch, die Freude ist ganz meinerseits.

Herr Booknerd: Wann hattest du die erste Idee für "Nur drei Worte"? Ist Simon einfach urplötzlich aufgetaucht, ganz nach dem Motto: Tadaa! Hier bin ich! oder war es vielleicht so ähnlich, wie es J. K. Rowling einmal beschrieben hat, dass die Ideen Schlag auf Schlag kamen, irgendwie so:  Nicht geouteter Junge schreibt mit einem anderen nicht geouteten Jungen E-Mails. BOOM! Beide wissen nicht so recht, wie sie ihr Coming-out handhaben sollen. BOOM! Und dann wird einer von ihnen auch noch erpresst. BOOM!

Becky Albertalli: Großartige Frage! Simon war auf jeden Fall zuerst da. Damit hat das Buch seinen Anfang genommen. Während des Schreibens, habe ich Simon dann immer besser kennengelernt. Bei der Geschichte hat es allerdings etwas länger gedauert, da wusste ich am Anfang nur, dass es mit einem Kuss enden soll. :D

(Anmerkung von Becky: Wenn ich das kurz anmerken darf, mir gefällt unheimlich gut, wie diese Frage klingt. BOOM!)

Herr Booknerd: In "Nur drei Worte" gibt es eine großen Cast an Nebenfiguren, bestehend aus Simons Freunden und seiner Familie. Die Dynamik die Simon mit seinen Freunden und seiner Familie hat, gefiel mir beim Lesen richtig gut, vor allem weil es in Jugendbüchern ja sonst eher üblich ist, das die Eltern entweder bereits gestorben oder geschieden sind, und der Held vielleicht gerade mal einen guten Freund hat. Wie wichtig war es dir, Simons Familie und Freunde so stark in die Geschichte zu integrieren?

Becky Albertalli: Vielen Dank! Die Beziehung zwischen Simon, seiner Familie und seinen Freunden war mir ausgesprochen wichtig. Das begründet sich vor allem darin, dass ich gerne meinen eigenen Erfahrungen als Teenager treu bleiben wollte. Ich hatte immer ein sehr enges Verhältnis zu meiner Familie und ich habe immer dazu tendiert, eine große, vielfältige Gruppe an Freunden zu haben. Und, da ich in der High School nie jemanden gedatet habe, waren mir diese Beziehung um so wichtiger.

Herr Bookerd: Ist es dir schwer gefallen, nicht nur aus der Perspektive eines Jungen, sondern auch noch aus der eines homosexuellen Jungen zu schreiben? Und warst du besorgt darum, dass bereits geoutete Teenager, vielleicht missfallen könnte, wie du die Themen Homosexualität und Coming-out in deinem Buch darstellst?

Becky Albertalli: Das ist echt witzig - denn aus Simons Perspektive zu schreiben, hat sich für mich ganz natürlich angefühlt. Ich habe nie besonders darauf geachtet, dass er ein Junge und homosexuell ist, ich wusste einfach wer Simon war. Davon mal abgesehen, war ich, als ich realisiert habe, dass das Buch tatsächlich veröffentlicht wird, sehr besorgt darum, dass meine Darstellung dieser Themen vielleicht verletzend sein könnte. Deswegen habe ich beim schreiben sehr gewissenhaft recherchiert, und einige homosexuelle Männer haben das Buch vor der Veröffentlichung gelesen, und alle sagten mir, dass sie sich damit sehr stark identifizieren können. Dennoch kann es sehr schwer sein, authentisch aus der Sicht einer Minderheit zu schreiben, der ich selbst nicht angehöre. Akkurate Repräsentation ist ungeheuer wichtig, und ich mache mir ständig Gedanken darüber, was es bedeuten würde dem nicht gerecht zu werden.

Herr Booknerd: Ich weiß dass du lange Zeit als Psychologin mit Jugendlichen gearbeitet hast, würdet du sagen das diese Tätigkeit deinen Schreibprozess beeinflusst hat, oder dass du durch diese Tätigkeit einen gewissen "Vorteil" hast, für und über Jugendliche zu schreiben?

Becky Albertalli
: Es ist wirklich sehr schwer zu sagen, wie sehr mein beruflicher Background mich beeinflusst hat. Auf der einen Seite, bin ich mir sicher, dass ich allerlei Arten an emotionalem und psychologischen Verständnis in mich aufgesogen habe, ohne es überhaupt zu bemerken. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, unmittelbar bevor ich angefangen habe "Nur drei Worte" zu schreiben, in einer Schule zu arbeiten. Dadurch hatte ich dieses Umfeld ganz frisch im Gedächtnis. Auf der anderen Seite, achte ich wirklich verschärft darauf, die Geschichten meiner Klienten privat zu halten. Was mir äußerste Vorsicht abverlangt, damit nicht versehentlich etwas Vertrauliches in meine Geschichten mit einfließt.

Herr Booknerd: Und meine letzte Frage, ich habe mitbekommen, dass Simon schon in viele andere Sprachen übersetzt wurde, und in vielen Ländern (wie etwa Frankreich, Brasilien oder den Niederlande) erschienen ist. Wie fühlt sich das an, zu sehen wie Simon die Welt erobert?

Becky Albertalli: Das ist total surreal! Für mich es ist einfach das größte nur vorstellbare Geschenk, Leser auf der ganzen Welt zu haben, die sich an "Nur drei Worte" erfreuen. Ich bin richtig begeistert davon, zu sehen wie der Titel und das Cover in anderen Ländern umgesetzt werden. Das ist einfach so unfassbar cool! Und  die Gestaltung von "Nur drei Worte" in Deutschland, ist einer meiner absoluten Favoriten.

Herr Booknerd: Becky ich danke dir so sehr, dass du mit mir diesen kleinen Plausch gehalten hast. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Gibt es zum Schluss noch etwas, dass du den deutschen Lesern gerne sagen würdest?

Becky Albertalli: Ich danke dir, für die tollen Frage, es hat mir sehr viel Freude bereitet sie zu beantworten. Und den deutschen Lesern würde ich gerne sagen: "Ich liebe dich, wie ich Oreos liebe!"

(Anmerkung von Becky: Das geht auf die Kappe des Google Übersetzer, wahrscheinlich klingt das für euch wie der größte Nonsens xD)

Natürlich konnte ich es mir am Ende nicht verkneifen, auch noch danach zu fragen woran Becky denn gerade arbeitet, für alle die es interessiert, ist hier ihre Antwort:

Gerade schreibe ich die siebte Fassung meines neuen Romans und ich glaube, so langsam nähere ich mich der Zielgeraden. Es ist ein loses Sequel zu "Nur drei Worte", in dem es um die Freunde und Familie geht, die Abby (eine Freundin von Simon in "Nur drei Worte") in Washington D.C. zurückgelassen hat. Die Protagonistin ist Abbys Cousine Molly, die ein übergewichtiges jüdisches Mädchen ist, das bei zwei Müttern aufwächst. Es wird viel geschwärmt, viel geknutscht, es gibt viele Nerds und viele Easter Eggs für die Leser von "Nur drei Worte" :D

Kommentare:

  1. Das Interview ist einfach so cool geworden!!! *-*

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  2. Die Autorin kommt in dem Interview echt sympathisch rüber und das macht mir gerade noch mehr Lust auf das Buch. Maaan, ich denke, ich gehe jetzt besser wieder, bevor ich hier sonst noch irgendwas entdecke, was mich die Nacht nicht schlafen lässt. ^^ Und das neue Projekt klingt ja auch total genial. =D

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  3. Tolles Interview! Die Autorin wirkt wirklich total lieb! Und dank dir will ich das Buch jetzt auch lesen (und dabei packungsweise Oreos futtern), obwohl ich zuerst dachte, dass es nichts für mich ist. Aber du hast mich überzeugt, dass es auf jeden Fall ein paar Überlegungen mehr wert ist :) Dann kann ich mein Glück ja mal bei deinem tollen Gewinnspiel probieren :D

    Liebe Grüße,
    Noemi

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  4. Richtig gutes Interview! Du hast dir echt interessante und spannende Fragen rausgesucht! Und die Autorin ist ja mal mega sympathisch :D Hast du sie einfach gefragt, ob sie dir mal ein paar Fragen beantworten würde oder wie ist es dazu gekommen??
    LG
    Melina

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  5. Richtig gutes Interview! Du hast dir echt interessante und spannende Fragen rausgesucht! Und die Autorin ist ja mal mega sympathisch :D Hast du sie einfach gefragt, ob sie dir mal ein paar Fragen beantworten würde oder wie ist es dazu gekommen??
    LG
    Melina

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  6. Schönes Interview, das nochmal unterstreicht, wie nett die Autorin immer rüberkommt.
    "Nur drei Worte" habe ich vor ein paar Wochen durchgesuchtet und finde das Buch so schön und gelungen. Man merkt, dass sie sich sehr starke Gedanken, über die Darstellung der Charaktere gemacht hat.

    Und sehr gut, dass sie gerade am zweiten Buch schreibt - das kann nur gut werden!

    LG
    Effi

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