180° Meer - Sarah Kuttner

17. Februar 2016 |

Ich habe mit Sarah Kuttner jetzt weniger am Hut, ich weiß, Schande über mein Haupt. Ist aber nun einmal so. Also, ich kenne sie noch von ihrer Zeit beim Musikfernsehen, und ich hab auch schon von ihren anderen Büchern gehört und in Kuttner + Zwei habe ich auch mal reingeschaut, aber so richtig auf dem Radar hatte ich sie bisher nie.
Tja, und dann kam "180° Meer" und viele Blogger und Buchmenschen (zumindest laut meiner Twitter-Timeline), waren sehr begeistert von dem Buch. Also, habe ich mir das Buch einfach mal geholt. Eigentlich vertraue ich dem Hype meistens eher nicht, weil leider sehr oft nichts dahintersteckt und ich hinterher eher enttäuscht als begeistert bin.
180° Meer jedoch, verdient diesen Hype.

In das Buch reinzukommen war für mich nicht ganz so leicht, nicht weil der Stil zu schwer war, aber ich empfand ihn doch als ein bisschen zäh. Nach ein paar Kapiteln ging es dann aber, und das Buch hat einen eigenen, ganz merkwürdigen Sog auf mich ausgeübt. Es war jetzt nicht furchbar spannend, aber irgendwie bin ich mit Jule zusammen, nur so durch die Seiten geflogen.

Jule an sich ist halt eine Pute. Teilweise berechtigt,wegen ihrer Mutter und ihrem Vater und der Kaputtness, die daraus resultiert, auf der anderen Seite jedoch, gab es schon so ein, zwei Stellen an denen ich genervt mit den Augen gerollt habe, und mir dachte, Pute, get your shit together!
Ihr Zusammenspiel mit Bruno aka der Hund, hat mir richtig gut gefallen.

Was ich eher etwas fragwürdig fand, war der übermäßige Konsum von Gras. Gut, was heißt fragwürdig ne, aber hätte jetzt nicht unbedingt sein müssen, weil wirklich was beigetragen hat es nicht. Da braucht man sich ja eigentlich nicht wundern, dass Jule so phlegmatisch ist, wenn sie sich auf jeder zweiten Seite das Hirn vernebelt. Wenn man das ein bisschen eingeschränkt, und dafür etwas mehr Fokus auf den Konflikt zwischen Jule und ihrem Vater gelegt hätte, dann hätte mir das doch einen Ticken mehr gefallen.
Gefehlt haben mir auch so ein bisschen die Übergänge. Am Anfang war es noch okay, weil wen interessiert es schon, wie jemand in ein anderes Land fliegt. Hinten raus jedoch, hatte ich schon das Gefühl etwas überlesen zu haben, oder das eben etwas gefehlt hat. Gerade der Entschluss von Jule, sich doch endlich mit ihrem Vater zu treffen, kam mir nicht ganz so schlüssig vor.
Es hätte jetzt nicht eine riesen Erklärung gebraucht, so ein Satz oder so hätten genügt, aber dieser Sprung von ich will never ever etwas mit ihm zu tun haben, hin zu, ich sitze bei ihm auf der Couch, kam doch etwas plötzlich.

Was die Charaktere angeht, war mir Jule am sympathischsten, trotz ihrer Putigkeit oder vielleicht auch gerade deswegen. Die anderen Charaktere waren alle recht blass und nicht sonderlich interessant. Obgleich mir die Interaktion von Jule und ihrem Bruder Jacob, sehr, sehr gut gefallen hat.
Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass man beim Lesen in Jules Kopf sitzt und Jule halt einfach nur an Jule und ihre eigenen Problem, Sorgen und Gefühle denkt, und man so einfach nicht wirklich viel über die anderen Charaktere erfährt.

Am meisten begeistert, trotz der Startschwierigkeiten, hat mich aber die Schreibe der Autorin. Sarah Kuttner findet, klare und manchmal auch etwas derbere Worte, um das Seelenleben ihrer Protagonistin zu beschreiben, ohne dabei zu überladen oder zu gewollt zu klingen. Wenn man überwiegend Jugendbücher liest, wo das höchste der Gefühle vielleicht mal ein "Fuck" oder "Scheiße" ist, dann ist das doch recht erfrischend, wenn mal jemand kein Blatt vor den Mund nimmt, oder die Dinge eben so gesagt (bzw. geschrieben werden) wie sie einfach sind und wie man sie fühlt.

Und dann ist da natürlich auch noch ganz viel Meer in dem Buch. Ich bin zwar nicht so der Meer/Ozean-Fan, alleine schon wegen dem ganzen Viehzeug was da so rumschwimmt und einen killen kann, ich bin einfach ein bisschen geschädigt, durch zu oft Deep Blue Sea und Open Water kucken, aber ich kann mir trotzdem gut vorstellen, woher diese Liebe zum Meer kommt. Zu dieser ganz besondern Art von Meer.

Das Ende, das darf natürlich unerwähnt bleiben. Zuerst kam es mir recht überstürzt vor, weil wirklich alles Schlag auf Schlag geht, darum habe ich es zweimal hintereinander gelesen. Ich bin zwar der Meinung, dass man den Vater-Konflikt, wie oben schon geschrieben, etwas mehr in den Fokus hätte rücken sollen, damit es zum Ende hin nicht so übereilt daherkommt, aber das Ende so wie es ist, ist schon ein verdammt gutes Ende. Um nicht zu sagen, eines der besten Enden die ich jemals gelesen habe.

Ich für meinen Teil werde Sarah Kuttner jetzt definitiv im Auge behalten, und mir ihre anderen beiden Romane auch mal zur Brust nehmen. 180° Meer hat zwar seine Makel, und das ist auch okay und gut so, aber es hat auf jeden Fall meinen Blick auf die Autorin zu 180° gedreht.

Weitere Meinung zu dem Buch, findet ihr bei Sandy von NightingalesBlog bei Yvonne von Bücher und mehr und Marina von Nordbreze.
 S. Fischer Verlage   Hardcover, 270 Seiten   Einzelband • 18.99€ 


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