Sophia, der Tod und Ich - Thees Uhlmann

15. Januar 2016 |

Der Tod kommt auf leisen sohlen, heißt es, oder aber er klingelt einfach an der Tür und sagt: "Du hast noch drei Minuten, dann wirst du sterben."  Genau so, ergeht es auch dem Protagonisten aus Thees Uhlmanns Debütroman.
Ich für meinen Teil, habe einen Faible für skurrile Geschichten, die mit einer absurden Idee um die Ecke kommen und mich, mit ihrem schrägen Humor zum Lachen bringen. Nicht umsonst gehören "Grasshopper Jungle" von Andrew Smith und "Noggin" von John Corey Whaley zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Und auch wenn Thees Uhlmann hier ehr für eine erwachsenere Leserschaft schreibt, schlägt er in gewisser Weiße, dennoch in die selbe Kerbe, wie Smith und Whaley.

Es gibt so Bücher, da weiß man einfach nach den ersten fünf Sätzen: Das wird gut! Richtig gut! Genau so, ging es mir bei diesem Buch. Ich war sofort mit dabei, habe mich bei den Wortgefechten zwischen dem Tod und dem namenlosen Protagonisten, kringelig gelacht, habe Sophia direkt in mein Herz geschlossen und war richtig begeistert von der Geschichte und vor allem dem Schreibstil. Der mich richtig in die Geschichte gezogen und durch die Seiten hat fliegen lassen. Und dabei bedient sich Thees Uhlmann einer Sprache, die auf einen Seite sehr klar und direkt ist, auf der anderen Seite aber auch sehr poetisch (was, wahrscheinlich dem Musiker Uhlmann geschuldet ist), ohne dabei zu dick aufzutragen und einen mit seiner Schwere zu erschlagen. In und vor allem zwischen den Zeilen, steckt einfach so unglaublich viel Wahrheit.

Richtig erstaunt haben mich auch die Charaktere. Über den Protagonisten wird im Buch immer wieder gesagt, wie kaputt er doch eigentlich sei, was ich überhaupt nicht so unterschreiben würde, weil ich viele seiner Eigenschaften an mir selber wiedergefunden habe. Keine Ahnung, was das vielleicht über mich sagt, aber ich habe mich mit diesem Vierzigjährigen besser identifizieren können, als mit den meisten männlichen Charakteren aus den Jugendbüchern die ich so gelesen habe, Und dann ist da Sophia! Ich bin fast ein bisschen erschrocken darüber, dass es Thees Uhlmann gelungen ist, eine Frau besser zu schreiben, als viele seiner weiblichen Kollegen es können. Ich mochte Sophia auf Anhieb, für mich ist sie mit Abstand die beste weibliche Figur, die ich, seit langer Zeit, lesen durfte. Aber nicht nur Sophia überzeigt auf ganzer Linie, sondern auch die Mutter des Protagonisten, die mir so unglaublich ans Herz gewachsen ist, weil sie so eine starke und tolle Person ist, und es mir so unfassbar leid getan hat, was ihr alles widerfahren ist.

Und dann ist dieses Buch auch noch ein einziges auf und ab der Gefühle. In einem Moment habe ich gelacht, dann war ich den Tränen nahe, und ja, bei dieser einen Szene zwischen dem Protagonisten und seiner Mutter, als er ihr sagt, was ihm bevorsteht, habe ich dann auch wirklich ein paar echte Tränen verdrückt. Das alles schreibt Thees Uhlmann ganz ohne Zwang, es fühlt sich nicht forciert und überzogen an. Sondern echt und aufrichtig und wahr.

Überrascht hat mich auch, dass es stellenweise deutlich mehr fantastische Elemente beinhaltet, als ich anfangs gedacht habe. Gerade der Tod, dessen Erscheinen sich ansonsten ohne wirklich groß aufzufallen, perfekt in das alltägliche Setting einfügt, hat mich dann doch etwas verblüfft. Diese Sache mit dem anderen Tod, war schon echt cool.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Thees Uhlmann als Musiker leider nicht kenne, also ich kenne seine Band Tomte, und ich weiß dass er auch Solo schon einige Sachen gemacht hat, aber ich habe mich nie wirklich mit seiner Musik befasst. Sollte ich dann jetzt vielleicht mal nachholen. Daher kann ich jetzt auch nicht den Zeigefinger erheben und sagen, dass Herr Uhlmann besser bei der Musik bleiben soll oder so, will ich auch gar nicht. Weil ich richtig froh bin, Thees Uhlmann zuerst als Autor kennen gelernt zu haben. Und eigentlich passiert das eher selten, weil nach einem Buch ist sowas vielleicht etwas übertrieben, aber ich werde  Herrn Uhlmann definitiv auf die Liste meiner Lieblingsautoren setzen. Und ich hoffe inständig, dass da noch viele weiter Bücher folgen werden!

Abschließend kann ich nur sagen, für mich persönlich ist "Sophia, der Tod und Ich" das perfekte Buch. Gut, es waren mir ein paar zu viel Fußball-Anekdoten drin, weil ich keine Ahnung von Fußball habe und auch diese Leidenschaft und die Begeisterung für den Sport nicht so ganz nachvollziehen kann, aber ansonsten, gibt es nichts, woran ich etwas auszusetzen hätte. Das Buch hat tolle, authentische Charaktere, einen grandiosen Humor, und unfassbar viel Charme und Herz. Ich bin erheitert, berührt und richtig gut unterhalten aus dieser Geschichte gegangen.


 Kiepenheuer & Witsch  Hardcover, 318 Seiten   Einzelband • 18.99€ 

Kommentare:

  1. Kling mal echt interessant. Ich bin ja im allgemeinen ein riesen Fan davon, wenn in den Büchern der Tod als so etwas wie eine Person auftaucht! Das ist jedes mal mega interessant und scheint es ja auch hier zu sein. Allerdings sind ca. 19 Euro für zwischen durch zu teuer, aber ich behalte das Buch im Hinterkopf ;)

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    1. Ja, war das mag ich auch sehr gerne und in dem Buch ist der Auftritt des Todes, besonders cool gemacht. Vielleicht kommt ja schon bald das Taschenbuch dazu raus ^_^

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  2. Das klingt mal richtig gut. Ich hatte das Buch ja schpn vorbestellt aber nun freue ich mich schon aufs Lesen!

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