My Heart and Other Black Holes - Jasmine Warga

6. April 2015 |

Als hätte ich es nicht geahnt. Dieses Buch ist kein Buch über Depressionen sondern ein Buch über Dummheit. Fängt zwar beides mit einem D an, hat aber (ok, kommt ja immer darauf an wen man fragt) nichts miteinander zu tun.
Worin begründet sich die Dummheit in diesem Buch, nun ja,  zuerst wäre da Aysel (reimt sich auf Gazelle, ausgesprochen Uh-zell, glaubt mir darauf wird man im Buch mit am meisten hingewiesen), die Protagonistin dieser Geschichte, die ihrer Ansicht nach unter Depressionen leidet, die einfach mal nicht vorhanden sind. Und dann wäre da Roman der zweite im Bunde der Schein-Depressiven, gut, anders als Aysel hat er vielleicht einen Grund, und man tendiert eher dazu ihm seine Erkrankung abzukaufen, ändert aber auch nichts daran, dass er im Grunde nicht depressiv sondern einfach nur die größte Pussy auf Erden ist, oder zumindest in diesem Buch.

Aysels Vater hat vor einigen Jahren eine sehr schlimme Tat begangen, dass das Aysel mitnimmt und auch an ihr nagt, will ich gar nicht bezweifeln, jedoch wird die ganze Situation von Aysle größer gemacht als sie ist.

Aysel empfindet es in etwa so: Oh Mein Gott! Alle starren mich an, weil mein Vater dies und jenes getan hat. Ich muss auch ein böser Mensch sein, weil mein Vater so etwas schreckliches getan hat. Alles hassen mich, alle halten mich für ebenso gefährlich wie meinen Vater. Meine Familie will überhaupt nichts von mir wissen, ich passe da  ja auch überhaupt nicht rein, weil ich ja die Tochter von meinem Vater bin und bestimmt irgendwann auch so werde wie er.

In Wahrheit ist es aber so, dass NIEMAND Aysel auch nur einmal irgendeinen dummen oder gemeinen Spruch bezüglich ihres Vaters drückt. Ja, sie bekommt von ihrem Chef mal einen komischen Blick zugeworfen und ja die Leute in ihrer Schule/Stadt (was doch auch ganz legitim ist) reden über das was passiert ist und ja, einige Schüler tuscheln auch hinter Aysels Rücken, aber das war es dann auch schon.
Und Aysels Familie ist überhaupt nicht abweisend, ihre Geschwister sind super lieb und warmherzig zu ihr. Ihre Schwester sagt ihr sogar, dass niemand denkt dass Aysel wie ihr Vater wird oder dass sie etwas dafür kann, was ihr Vater getan hat.
Aysel selbst ist es die sich abkapselt und in sich verkriecht.

Und der Witz daran, der mir bestätigt dass Aysel einfach nur ein Emo ist, ist der dass sie nach Jahren der angeblichen Depressionen, plötzlich davon befreit wird, weil sie drei Wochen mit einem anderen Emo abhängt und sich in ihn verliebt. Ihr wisst schon das Liebe-ist-stärker-als-alles-Prinzip.

Roman, oh je, das was mit seiner kleinen Schwester passierte ist wirklich tragisch und traurig aber auch ebenso dumm, und Roman macht sich zurecht Gedanken und fühlt sich schuldig. Es ist ja auch seine Schuld und nicht die seiner Eltern.
Ich meine mit 16 sollte man (so sehr die Hormone und der Zipfel zwischen den Beinen einem auch das Hirn vernebeln) dazu in der Lage sein die Verantwortung für seine kleine Schwester übernehmen zu können. Vor allem wusste er dass sie nicht unbeaufsichtigt sein darf und hat sie dennoch alleine gelassen.
Ich weiß nicht ob ich mit dieser Schuld leben könnte. bzw. kann ich mir gar nicht ausmalen wie es sein muss mit einer solchen Schuld leben zu müssen, aber sich deswegen umzubringen ist für mich (so unsensible das jetzt auch klingen mag) einfach nur feige.
Es ist schwer zu sagen, was ein Charaktere tun sollte, gerade oder vor allem wenn er sich in einer solchen Situation befindet, aber ich finde einfach Roman sollte lernen mit dieser Schuld zu leben, so schwer und unerträglich es auch sein mag. Auch schon um seine Eltern den Verlust eines Kindes nicht noch einmal durchmachen zu lassen.

Was mich aber am meisten gestört hat war, wie ich oben schon kurz erwähnt habe, wie leicht Aysel ihre Depressionen hinter sich lässt und sich von dem Mädchen dass keine Zukunft mehr für sich gesehen hat, zu dem Mädchen wandelt dass plötzlich voller Hoffnung und Mut ist.
Das ist für mich, im Angesicht dieser so sensiblen und vielschichtigen Thematik, zu einfach, zu kitschig und zu unrealistisch.

Richtig schlimm fand ich allerdings, dass mir sowohl Aysel als auch Roman total gleichgültig waren. Mir wäre es vollkommen egal gewesen, wenn sie sich am Ende beide wirklich umgebracht hätten, weil da einfach keine Verbindung zu den Charakteren entstanden ist. Aysels Witze und ihre Gerede von potentiellen Energien, sind mir irgendwann ebenso auf den Keks gegangen wie Romans Schmollen.
Letztendlich war es für mich mehr eine Geschichte über zwei Teenager, die zwar schreckliche Erfahrungen gemacht haben, jedoch weder an diesen zerbrochen noch an diesen gewachsen sind, und lediglich in ihrem Selbstmitleid zerfließen.
Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema und der Erkrankung an sich, findet meiner Meinung nach, wenn nur oberflächlich statt und begrenzt sich dann auch eher auf allgemeine Klischees die man im Bezug auf Depressionen so kennt.

• Balzer + Bray • Paperback, 302 Seiten • Einzelband 
• 8,96€ • ISBN: 978-0062324672 


Kommentare:

  1. Okay, ich habe in der BookTube-Community so viel Gutes über das Buch gehört, aber deine Rezension bewahrt mich hoffentlich vor einem Fehlkauf. Ehrlich, bei den (amerikanischen) BookTuberin wird dieses Buch momentan total gehypt, aber ich muss ja auch nicht jeden Hype mitmachen.
    Ich mag es nämlich nicht, wenn solche tiefgründigen Probleme wie Depressionen so lächerlich dargestellt werden und dann so mir nichts, dir nichts, geheilt werden. Ich kenne selber jemanden, der Depressiv ist, und das ist wirklich kein Spaß. Dieser Mensch hat zwar Tage, an denen er super drauf ist, aber wenn er dann mal in ein Loch fällt, dann ist es umso tiefer und belastet alle im Umkreis.
    Außerdem finde ich das Thema Selbstmord auch sehr schwierig in Büchern. Ja, anscheinend will das Buch vermitteln, dass man sich nicht selbst umbringen sollte, dass es am Ende immer besser wird, aber dennoch finde ich es ziemlich weit hergeholt, dass Uh-zell sich wegen etwas umbringen möchte, was ihr Vater getan hat.
    Und Uh-zell scheint mir eine irritierend unsympathische Protagonistin zu sein.
    Danke auf jeden Fall, dass ich um das Buch einen Bogen machen werde (vom Cover her dachte ich auch eher, dass das Buch lustig sein sollte, so ein bisschen zynisch, mit schwarzem Humor).
    Liebe Grüße, KQ

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    1. Ich will die BookTube-Community ja nicht schlechtreden oder so, aber denen gefällt in der Regel eigentlich (also, je nachdem wen man sich da so anschaut xD) ALLES, weswegen ich mittlerweile nur noch selten einen Pfifferling auf deren Meinung gebe. Letztlich muss sich dann doch eine eigene Meinung bilden uswect. ^^

      JA! Sehe ich auch so, vor allem (gut hier muss ich sagen, dass ich nicht genau weiß ob es in der Realität nicht wirklich so ist), passieren all diese Dinge alleine in Aysels Kopf und weil man einfach nicht mitbekommt dass sie ''mies'' behandelt wird, ist es halt einfach schwer das nachzuvollziehen.
      Unsympathisch würde ich nicht direkt sagen, aber schon leicht anstrengend xD

      Ne, da ist es auf jeden Fall nicht, also, Aysle haut zwar echt einige Witze raus, aber über die konnte ich nach einiger Zeit dann auch nicht mehr lachen, weil die jetzt auch nicht mehr so komisch waren. Auch wenn natürlich erklärt wird, warum sie diese Witze macht :)

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  2. Hey yo, Bro...und so! :D
    Bisher habe ich auch ausnahmslos Gutes gehört. Ich finde es deshalb richtig toll, dass du hier - weil das Thema auch so schwierig ist - kritisch rangegangen bist und alles abgeleuchtet hast. Abgeneigt das Buch zu lesen, bin ich jetzt nicht. Ich wäre sogar gespannt darauf zu erfahren, ob ich es ähnlich sehen würde wie du.

    Hier an dieser Stelle und weil es halt auch passt, möchte ich dir "I was here" ans Herz legen. Das Buch werde ich heute beenden und ich bin absolut überrascht worden. Gayle Forman hat hier mal einen wirklich anderen Weg eingeschlagen und es wurde, meinem Empfinden nach, sehr authentisch umgesetzt. Würde mich sehr interessieren, was du von dem Buch dann denkst.

    Liebste Grüße,
    Sandy/Nightingale

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    1. Howdy! :D

      Also das Buch ist ja auch gut bzw. erschließt sich mir schon warum es so gemocht wird. Der Schreibstil ist echt super und alles, für mich war es aber leider echt nichts.
      Vielleicht bin ich da auch einfach zu überkritisch oder mir fehlt die nötige Empathie, ich weiß es nicht. Mir war das einfach alles zu viel Drama um nichts und letztlich wurde dieses (aufgebauschte) Drama viel zu einfach gelöst und ja ^^

      Oh, das klingt echt gut, schau ich mir gleich mal an, danke für den Tipp :D
      Wenn ich es lese, dann sag ich dir auf jeden Fall bescheid wie es mir gefallen hat :)

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    2. P.S: Total vergessen ^^' Lies es auf jeden Fall, ich bin gespannt was du dazu sagen wirst :)

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    3. Solltest du wirklich (also "I was here" näher anschauen). Habe so einige Bücher der Autorin gelesen - natürlich auch "If I stay" - aber dieses ist noch eine andere Nummer.

      Zu P.S.: Mach ich. Bleibt auf jeden Fall auf der WuLi. :)

      Grüß di
      Sandy

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    4. Habs mir mal näher angeschaut und sieht auf jeden Fall interessant aus, hab es direkt mal auf die WL gepackt :)

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  3. Deine Sprüche wieder xD Also ich verstehe deine Ansätze auf jeden Fall alle, auch, wenn ich das Buch etwas besser fand als du...aber ich wusste einfach, dass es dir schlechter gefallen würde. War einfach klar, dass du dich noch 100x mehr aufregst als ich :D xDD

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    1. Ist doch alles deine Schuld! DU hast mir doch erzählt wie meh es ist, und damit Öl in die Flamme meiner Ablehnung gegossen xD
      Also wirklich gehasst (wie keine Ahnung, Rush of Shit) hab ich es jetzt nicht, es war mir an manchen Stellen zu dumm und an anderen einfach zu ähm ja einfach xDD

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