All The Right Questions #5: Warum?

20. März 2015 |


Sehr geehrte Herr und Frau Jugendbuchverlage,

Sie kennen mich nicht, wie auch, haben wir doch eigentlich (zumal ich nur ein klitzekleines Körnchen in dieser Buchblogger-Sandburg und ein noch viel kleineres in dieser Leser-Wüste bin) nichts miteinander am Hut. Dennoch möchte ich Ihnen gern sagen (auch wenn es wohl ebenso viel bringt, wie gegen den Wind zu pinkeln), dass ich unheimlich traurig und frustriert und wütend und enttäuscht bin.
Ich kann nicht mal genau sagen, welches Gefühl die anderen überwiegt, wahrscheinlich ist es auch einfach eine Mischung aus allen. Um da noch kurz einzuhaken, bevor ich zum eigentlichen Punkt komme, ich würde Sie sehr gerne kennenlernen und Ihre Arbeit (im Rahmen meiner Möglichkeiten)  unterstützen, aber Sie machen es mir leider verdammt schwer und mir fällt es, im Moment zumindest, auch nicht leicht auf Sie zu zugehen. Vielleicht ändert sich das ja irgendwie, irgendwo, irgendwann einmal.

Aber zurück zum eigentlich Thema, dem Grund warum ich von dieser traurig-frustriert-wütenden Enttäuschung geplagt werde.

Der Grund ist eigentlich ziemlich simplen und vielleicht auch recht banal: Es gibt für mich einfach keinen Grund in die Buchhandlung zu gehen!
Okay, Sie werden sich jetzt mit Sicherheit fragen, inwiefern das bitte Ihre Schuld ist, aber wenn Sie kurz einen Moment warten möchten, dann komme ich sofort dazu.

Ich bin, bis vor knapp eineinhalb Jahren, sehr regelmäßig in Buchhandlungen gegangen, dann aber habe ich für mich gemerkt dass ich all die Bücher auch einfach direkt in der ursprünglichen Version, sprich auf Englisch lesen kann.
Gut, jetzt können Sie natürlich sagen, dass es ja auch noch Bücher von deutschsprachigen Autoren gibt, für die es sich lohnt in die Buchhandlung zu gehen um diese zu kaufen, und genau das ist der Punkt, die gibt es nämlich nicht bzw. sind es immer die gleichen.

Wenn es mich aus irgendeinem Grund (und sei es nur um über die Cover der übersetzten, englischsprachigen Bücher die Nase zu rümpfen, ehrlich da gibt es noch deutlich Luft nach oben) in eine Buchhandlung verschlägt, dann blende ich alle Übersetzungen aus, und was dann übrig bleibt sind die immer gleichen Namen: Meyer, Gier, Blazon, Benkau, Belitz... Das sind natürlich alles großartige Autoren, deren Bücher auch alle ganz toll sind und zurecht in der Buchhandlung ausliegen, und es ist auch echt schön all diese ''alten Bekannten'' regelmäßig dort anzutreffen, aber ich für meinen Teil möchte gerne auch neue Leute kennenlernen und ich hätte einfach gerne etwas frischen Wind im Bereich der Jugendbücher. Ich würde gerne ein paar neue Gesichter dort sehen, mit neuen, mir noch unbekannten Stimmen und Geschichten.

Ich gebe zu, meine Ansichten über Ihre Arbeit sind wohl sehr naiv und romantisch und ganz offensichtlich auch von Unwissenheit geprägt und mit aller größter Sicherheit ist es auch viel schwieriger und komplizierte und finanziell riskanter, als ich es mir vorstelle, aber dennoch komme ich nicht umhin festzustellen,dass es diesen frischen Wind einfach nicht gibt, und ich frage mich: Warum?
Über den Tellerrand zu blicken ist etwas sehr erstrebenswertes, aber irgendwie kommt es mir so vor, als läge hinter dem Tellerrand (aus Ihrer Sicht gesehen), nur der amerikanische Buchmarkt.
Natürlich erschließt es sich mir, auf dem größten Buchmarkt der Welt nach Bücher zu suchen, die viele viele Menschen begeistern und große Erfolge feiern konnten, um diese dann auch nach Deutschland zu holen, in der Regel geht das ja auch immer auf.
Dennoch bleibt bei mir immer die Frage zurück: Warum, greift man ins Ausland und pflückt nicht erstmal die Blumen von der heimischen Wiese?
Es gibt unzählige junge, deutschsprachige Autoren, denen man einfach nur mal die Hand reichen und eine Chance bieten müsste, aber dass geschieht nicht. Zumindest kommt es mir so vor.

Jupp, dass das alles mit viel Glück und/oder, über viele Jahre hinweg verteilte, harter Arbeit einhergeht, ist mir selbstverständlich auch bewusst.

Und das begrenzt sich auch gar nicht nur auf Autoren, sondern auch auf Themen. Die ganzen tollen und interessanten und lesenswerten Jugendbücher über Themen wie Teenager-Schwangerschaft, Missbrauch, Erkrankungen wie Krebs, Depressionen (und damit einhergehend auch Suizid) oder Menschen anderer Hautfarbe/Herkunft/sexueller Orientierung/Konfession ectuswpp. Kommen alle nicht aus diesem Land. Und auch hier frage ich, warum?
Das sind doch alles Dinge und Themen und Menschen die uns nicht fremd sind.
Es gibt ja nicht einmal die ganz üblichen Contemporary-Coming of Age- Geschichte, deren Grundgedanken: Wer bin ich eigentlich? Was möchte ich eigentlich? Wo möchte ich hin mit meinem Leben? Was soll aus mir werden? Und warum ist es so verdammt schwer erwachsen zu werden? Doch universell sind und jeden irgendwann einmal bewegen oder bewegt haben.

Bei den Bücher mit fantastischen Elementen, ist es ähnlich. Hier hab ich sogar oft das Gefühl, dass der einzige Konflikt der wirklich von Relevanz zu sein scheint, der ist, warum sich ein supersüßes und hübsches Mädchen, denn nicht zwischen zwei supercoolen und hübschen Jungs entscheiden kann oder dass die Frage ob er sie denn nun wirklich liebt und warum sie denn dann gottverdammt nochmal nicht zusammen sein können, alles ist was zählt.

Ich habe stellenweise das Gefühl, dass es Ihnen bei Ihren Autor gar nicht mehr darauf ankommt wie gut man Geschichten erzählen, sondern wie realitätsfern man sein kann.
Je besser man darin ist, möglichst unrealistisch gezeichnete 
(was ihre Attraktivität angeht) Charaktere  durch abstruse, selbstkreierte Dramen hetzen zu lassen, möglichst noch mit viel Herzschmerz und vor und zurück, umso erfolgreicher ist man.

Ich sehe natürlich ein, dass da auch gewisse Fantasien bedient werden und würde auch sagen, dass ich ''girly'' genug bin um mich für Pinkeglitzefunkelbücher zu begeistern, aber dazu muss etwas (am besten der/die Protagonist/in) da sein, dass mich begeistern kann.


Es kann doch nicht bloß daran liegen, dass kreatives Schreiben, bspw. in den USA einen anderen Stellenwert hat und dementsprechend auch gefördert wird. Ich meine es gibt doch auch dort, junge und talentierte Menschen, die keinen solchen Abschluss haben und dennoch ihre Chance bekommen.
Oder liegt es daran, dass Sie als Verlage (oder wir als Gesellschaft) immer noch derartig verkrustet in unserem Denken sind, dass wir glauben jemand unter 30 wäre nicht dazu fähig eine Geschichte zu erzählen.

Ja, ich weiß, Geld regiert die Welt und letztlich ist ein Verlag auch ein Unternehmen, das witschaftlich denken und agieren muss, um seine Produkte zu verkaufen, aber muss das denn gleich bedeuten das hier vorhandene Potential zu ignorieren?

Klar, erschließt es sich mir dass Sie auf die Zugpferde setzen, die sich über die Jahre bewehrt haben und die erfolgreich sind, wäre irgendwo auch dumm es nicht zu machen, mich persönlich erreicht das aber irgendwie nicht mehr.

Damit will ich jetzt nicht behaupten in und alles aus Amerika wäre besser, Gott bewahre!

Aber der Unterschied, der mir auf gefallen ist, ist doch der, dass sich a) Menschen (vor allem auch junge Menschen) trauen über die oben genannten Themen zu schreiben ohne Angst haben zu müssen, kein Gehör zu finden und dass b) die Verlage ihr Vertrauen in diese jungen Menschen setzen und dass sie sich trauen solche Stoffe zu veröffentlichen.

Keine Ahnung, wahrscheinlich ist das was ich Ihnen da gerade geschrieben habe auch alles nur sinnloser, unreflektierte, verallgemeinernder Bullshit, aber so erscheint mir unser Jugendbuch-Sektor mittlerweile einfach. Mit Sicherheit ist es auch ziemlich vermessen solche Dinge zu schreiben und solche Forderungen zu stellen, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt heißt es doch.. oder?
Einen Lösungsvorschlag? Nun, außer dem ganz offensichtlichen, etwas mehr Risikobereitschaft zu zeigen (wobei ich gerne anmerken möchte, dass ich gar nicht weiß wie risikobereit Sie tatsächlich sind, und diesen Mangel daher lediglich aus den nicht vorhandenen Büchern ableite), halte ich es wie die Politiker und habe einfach mal keinen :D

Mit freundlichen Grüßen

Icke








Kommentare:

  1. Eine sehr interessante Sichtweise! Das mit den Autoren ist ja wirklich ein Phänomen hier in Deutschland, weil auf dem englischen Buchmarkt ja so gut wie gar keine Übersetzungen erscheinen. Kerstin Gier ist da ja eine der sehr wenigen Ausnahmen.
    Was die Thematik angeht... ich denke, sowas ist wirklich mit viel Risiko verbunden. Denk nur mal an "Es wird keine Helden geben". Eigentlich ein Buch, das genau das ist, was du dir wünschst: Von einer jungen deutschen Autorin und über ein Thema, das normalerweise kaum erwähnt wird. Scheiße fandest du es ja trotzdem xD Aber du hast trotzdem recht. Ich finde beim deutschen Jugendbuchmarkt hat man immer mehr das Gefühl, als hätte alles einen genauen Plan, in dem neue deutsche Autoren einfach keinen Platz haben. Sie werden, wenn sie sehr sehr sehr sehr sehr viel Glück haben ganz eventuell irgendwo noch mit reingequetscht, wenn gerade mal eine Lücke frei wird, aber sonst?! Nada.

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    1. Ich glaube die Arkadien-Trilogie von Kai Meyer wurde auch übersetzt :D
      Stimmt, das hatte ich auch total vergessen (oder eher verdrängt), aber du hast recht. Wobei ich auch hier wieder sagen muss, dass das ja jetzt auch wieder knappe zwei Jahre her ist und seitdem, kam da ja nichts mehr.
      Vor allem werden auf der anderen Seite aber Bücher aus den USA lizensiert bevor diese über dort erschienen sind siehe Red Queen.
      Und da frag ich mich dann auch, okay dieses Risiko wird eingegangen, für eine/n deutsche/n Autoren/in aber nicht? Wie passt das zusammen? xD

      Genau! Heutzutage dienen die deutschen Verlage ja fast nur noch als Übersetzungsfabriken, aber das kann ja (wenn man jetzt die ganze Sache mit dem Gewinne machen wollen, mal kurz auf Seite legt), doch nicht das Ziel sein.
      Ich meine, man sollte doch auch das fördern wollen was hier an Potential vorhanden ist, damit es irgendwie auch eine neue Generation an Jugendbuchautoren gibt.

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  2. Interessantes Thema was du da ansprichst. Aber ich glaube da suchst du auch im falschen Bereich. Fakt ist es sind JUGENDbuchverlage, sprich die Bücher sind (denke ich mal) hauptsächlich an Jugendliche/Junge Erwachsene gerichtet. Und das Bild von denen ist eher einfach gestrickt. Ich glaube viele Erwachsene erwarten gar nicht, dass Jugendliche sich so sehr für wirklich ernste Themen interessieren und eher eine unterhaltsame Geschichte lesen möchten. Besonders Mädchen. Viele wollen nunmal eine romantische Geschichte mit Bad Boy oder sonstiges in Büchern finden und nicht allzu sehr nachdenken. Das heißt natürlich nicht, dass die anderen Bücher schlecht sind, im Gegenteil. Aber ich glaube so ist der deutsche Markt einfach gestrickt und weil sich das Prinzip noch immer gut verkauft belässt man es dabei. Alles andere könnte Risiken mit sich bringen, die man nicht in Kauf nehmen möchte.
    Das mit den amerikanischen Autoren ist mir allerdings auch schon aufgefallen und außer dass die Bücher total bekannt sind und der Autor ein guten Ruf hat, weshalb die Verlage sich erhoffen mit den Büchern auch hier Erfolg zu haben, habe ich keine Ahnung weshalb das so ist.

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    1. Aber ist das nicht irgendwie ein Armutszeugnis wenn Verlage wirklich so denken? Ich meine, klar wenn man liest möchte man bestmöglich unterhalten werde, aber man kann ja auch ernstere Themen unterhaltsam oder ansprechend verpacken, ohne es wie ein Lehrbuch wirken zu lassen. Und wenn ein Verlag glaubt seine Leser kriegen nichts anderes gerallt als plumpe, seichte Liebesgeschichten kann die Meinung von den Lesern ja nicht wirklich hoch sein ^^

      Zumal es ja nicht unbedingt die ernsthaftesten Themen sein müssen, aber vielleicht mal eine/nen Protagonisten/in anderes Hautfarbe oder sexueller Orientierung ect. wäre ja schon ein Fortschritt.

      Na ja, logisch dass es immer noch funktioniert, es gibt ja auch kaum Abwechslung. Aber wahrscheinlich hast du Recht und der Markt ist da einfach zu einfach gestrickt :)

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    2. Natürlich ist das jetzt nicht unbedingt positiv, das wollte ich damit ja gar nicht sagen xD Aber ich kann mir gut vorstellen, dass viele Erwachsene diese Meinung haben und es gibt halt auch wirklich viele Jugendliche/Junge Erwachsene, die so sind. Jedenfalls bin ich schon vielen solcher begegnet oder habe mit denen zu tun und die wollen auch gar nicht mehr, sondern einfach in ihrer kleinen rosaroten Welt leben. Meine beste Freundin ist zum Beispiel auch so. Die hat nicht wirklich Ahnung von der Welt und möchte auch nicht mehr erfahren, ihr reicht das. Aber so ist sie halt (:

      Die Themen, die du nennst, sind zum Teil ja ein bisschen tabu und sprechen glaube ich nicht immer viele Leute an. Man sieht ja, dass es noch sehr viele gibt, die dagegen sind. Das ist dann immer so eine Sache für sich in der sich die Meinungen spalten.

      Das Problem ist ja aber auch, dass Abwechslung nicht immer gut aufgenommen wird. Der Mensch ist zum Teil ein Gewöhnungstier und wenn der statt seiner täglichen Bratwurst auf einmal Sushi auf den Tisch bekommt, stürzt er sich glaube ich nicht mit Freuden darauf. Na klar kann man das jetzt nicht verallgemeinern, aber das sieht man doch schon recht häufig. Wobei das Beispiel ja ein bisschen bizarr ist xD

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  3. *Applaus*Applaus* ist alles, was ich dazu sage... und ups Schwupps, habe ich auch schon einen Ohrwurm im Kopf xD

    https://www.youtube.com/watch?v=H0oRftpQs7w

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  4. ...die sich über Jahre bewährt haben... ich bin da manchmal sehr spitzfindig, obwohl ich selber Fehler mache :D
    Ja, es kann schon sein, dass man in DE mehr auf altbewährtes setzt, das ist im Fernsehen nicht anders, aber hier fehlt insgesamt eigentlich der Mut, etwas auszuprobieren. Beim Fernsehen kann man das mit mangelndem Budget aufgrund geringerer Zuschauerzahlen begründen (in China hat jede Provinzstadt einen eigenen Fernsehsender, aber dort haben Provinzstädte so viele Einwohner wie München und entsprechend Zuschauer) und so ist es bei Büchern eben auch: Der Markt für deutsche Fantasyromane ist eben kleiner als im englischsprachigen Raum, weil der sich eben überallhin erstreckt, in englischsprachige Länder und auch zu uns. Und das teils auch ohne Übersetzung, die Bücher haben einfach bessere Startbedingungen, wenn sie auf Englisch anfangen.

    Bei Büchern fehlt es außerdem vermutlich in der (einflussreichen) Kritik an Offenheit gegenüber allem, was ihnen "unseriös" erscheint, deswegen kommt Harry Potter nicht aus Deutschland. Man tut so etwas als zu leicht ab weil diese Kritiker auf ihren Ruf achten und darauf, auf einer gewissen Linie zu bleiben, durch die sie sich überhaupt ihren Ruf erworben haben. Und dann hat man aber auch keine Offenheit mehr gegenber Büchern, die in irgendeiner Weise provokant erscheinen, weil sie kontroverse Themen diskutieren, ohne "seriös" zu sein, was auch immer die sich dabei vorstellen.

    @May: Wer sagt denn, dass sich Jugendliche nicht auch für ernste Themen interessieren? Ich meine, klar lese ich AUCH gerne unterhaltsames (Im übrigen Fantasy. Mit Liebesgeschichten und "Bad Boys" habe ich eher nix am Hut. Und nur weil ich in der Pubertät bin, heißt das nicht, dass ich mein Hirn abgestellt habe), aber das heißt nicht, dass ich auch mal etwas ernstes lese, oder? Ich sollte mich eigentlich nicht persönlich angegriffen fühlen, aber mich nervt es immer wenn man allgemein von "den Jugendlichen" redet, obwohl Jugendliche nicht alle gleich sind. Sei bitte einfach sparsamer mit Pauschalisierungen

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    1. EBEN! Aber der Mut ein Buch zu veröffentlichen, das selbst im Urspungsland noch nicht erschienen ist, der ist komischerweise da? Also wie erklärt man das?
      Ich verstehe halt nicht, wie das zusammengeht xD

      Hm ja, wahrscheinlich hast du da recht und generell müsste sich etwas in unserer literarischen Gesellschaft ändern, damit da mal was passiert :)

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    2. Das es sowas gibt wusste ich bis jetzt gar nicht... es gibt also Bücher, die auf Englisch geschrieben werden und zuerst in der deutschen Übersetzung erscheinen? DAS ist schon ziemlich krass. Aber ich habe bis jetzt noch wenig davon gehört, um welches Buch geht es denn?

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  5. Du hast eigentlich schon selbst die Frage beantwortet, weshalb Jugendbuchverlage größtenteils auf bekannte deutsche Namen & amerikanische Bestsellerautoren vertrauen und man sich vor Neuem scheut: Geld. Bekanntes verkauft sich leichter. Außerdem liegt es wahrscheinlich auch an der Amerikanisierung. Unser kulturelles Leben ist davon sehr beeinflusst und da macht es auch nicht bei Büchern halt. Man muss nicht groß spekulieren, ob sich z.B. ein Film von Christopher Nolan oder das nächste Buch von John Green auf dem Rest der Welt verkauft. So kann man es auch mit der Filmbranche vergleichen - mind. 80% ursprünglich englische Produktionen. Und wenns rein aus deutscher Hand sein soll, dann sieht man auch immer die gleichen Schauspieler: Matthias Schweighöfer, Til Schweiger, Elyas M' Barek,... Da klingeln ja schon wieder die Kassen. Diese Filme sind keine Meisterwerke, nichts, was die Welt bewegt, nichts Neues. Aber sie verkaufen sich. Das war jetzt nur ein vager Vergleich mit der Filmbranche.

    Irgendwo in meinem Kopf hoffe ich trotzdem, dass richtig gute und originelle Bücher von deutschen Autoren schon irgendwie einen Weg in den Literaturmarkt finden. Jedenfalls will ich diesen Gedanken behalten. Auch wenn sich die leise Stimme der Vernunft meldet und flüstert: Naives Kind.

    Tolle Fragestellung, lädt zum Diskutieren ein!

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    1. Da hast du wahrscheinlich recht ^^
      Es ist nur total deprimierend irgendwie und ich kann auch nur bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen :)

      Hahaha, ja geht mir ähnlich xD

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  6. Susanne Pavlovic!
    Das ist so in etwa die einzige, deutsche Kleinautorin die mir zu den Thema einfällt, die gut ist. Auch wenn sie sich meist mehr im fantasy Bereich rumtreibt, aber falls Du mal ein gutes, deutsches Jugendbuch lesen willst, was nicht eine sonderbehandlung mit rosasternenstaub und kitsch bekommen hat, empfehl ich dir jetzt mal ganz dreis >Fliegende Fische<. (auch wenn das gute buch so das schrecklichste Cover verpasst bekommen hat, was ich je gesehen hab. Und mit schrecklich meine ich wirklich schrecklich) Aber der Rest des Buches ist wirklich toll und die anderen Bücher sind einem auch wirklich ans Herz zu legen
    Aber zurück zum Beitrages,bevor der noch zu einem feinen fangirling-Kommentar endet. Ich entschuldige mich da jetzt schon Mal für^^
    Di hast ja so recht. Man findet wirklich nichts, oder nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit) gute, deutsche jung-, oder Kleinautoren. Selbst wenn man abseits der großen Buchladenketten schaut. Ich selber klapper jedes Jahr auf der Leibziger Buchmesse die kleinen Verlage ab und schau mir an, was es da so von kleinen Autoren gibt, rede mit denen und lauf dann auch Bücher ein, die ich vielversprechend finde. Aber die meisten Bücher liegen trotzdem noch halb ungelesen rum, einfach weil sie nicht so sehr fesseln können (oder ich zu faul bin oder so)
    Aber man gibt die Hoffnung ja zuletzt auf, also will ich mal hoffen, dass noch was passiert. (oder die Hoffnung der deutschen Neuautoren kündigt. Kann ja auch passieren)

    Liebe Grüße :3

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    1. Schau ich mir bei Gelegenheit mal genauer an, danke für den Tipp :)
      Genau und da muss man sich doch fragen, warum das so ist? Warum findet man in der Buchhandlung (und ich rede dabei jetzt nur von der Jugendbuchabteilung, keine Ahnung wie es beim Rest aussieht), keine neuen Namen? Ich meine, die Autoren werden doch immer von Manuskripten überschüttet, und wann landet mal eines von denen in der Buchhandlung?

      Vielleicht liegt das ja wirklich noch alles vor uns, ich hoffe ich bin dann nicht schon 50 wenn das passiert xDD

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  7. Nun möchte ich doch auch gern einen Kommentar einwerfen und den deutschen Jugendbuchmarkt verteidigen. Wenn ich nämlich so darüber nachdenke, fallen mir recht viele gute deutsche Autoren ein. Es gibt mehrere Fördermöglichkeiten, durch die Autoren bei uns unterstützt werden.
    Das eigentliche Problem geht in die finanzielle Richtung und dabei noch nicht mal unbedingt nach dem Motto, englische bzw. generell übersetze Bücher würden sich besser verkaufen und den Verlagen mehr Geld einbringen. Sicher, das auch, aber es ist finanziell wesentlich auwendiger, ein deutsches Buch zu verlegen und dann bleibt gerade kleineren Verlagen nicht mehr viel Geld für die Vermarktung übrig. An diesem Punkt liegt meiner Meinung nach das Problem, denn wenn ein Buch nicht gut vermarktet werden kann, erfahren wir schlichtweg nicht von seiner Existenz und denken, es gibt zu wenige gute deutsche Bücher.
    Was sicherlich auch eine Rolle spielt, ist das Genre. Wenn ich das deinen Worten richtig entnehme, wünschst du dir mehr Jugendbücher im Contemporary-Bereich. Viele der Autoren die mir einfallen, schreiben Fantasy, historische Romane und Ähnliches, aber nicht unbedingt Contemporary. Und mal ehrlich, welche Contemporary-Geschichte wurde nicht schon mal in irgendeiner Form erzählt? (was jetzt nicht abwertend gemeint war) Für einen Verlag ist es also viel günstiger, eine Contemporary-Geschichte auf dem englischen Markt einzukaufen, anstatt sich die Arbeit zu machen, eine ähnliche deutsche Geschichte von Grund auf neu zu publizieren. Ich kann mir vorstellen, dass gerade ungewöhnlichere Ideen mit vielleicht ein paar Fantasy-Einflüssen gerne geschrieben, aber nicht so gern verlegt werden. Da hat man wieder zu viel Angst, dass es sich nicht verkauft. Vielleicht sogar berechtigterweise.
    Für Autoren sehen die Chancen also nicht so prickelnd aus. Wenn sie es dann mit Selfpublishing versuchen, ist klar, warum sich derlei Bücher wohl kaum in Buchhandlungen finden lassen: Es sind meist eBooks.

    Liebe Grüße
    Lulu

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    1. Ich wollte auch in keinster Weise den deutschen Jugendbuchmarkt verteufeln oder ähnliches.
      Okay, wahrscheinlich liegt es daran dass ich nur noch selten deutsche Autoren lese und sie daher nicht kenne, aber wenn du sagst dass es sie gibt, dann bleibt mir trotzdem die Frage nach dem Wo? Ich bestreite ja nicht, dass es im Selfpub und Indiebuch-Bereich bestimmt viele tolle Autoren gibt, mir ging es aber eher um die großen Verlage (Carlsen, Fischer, Arena, Loewe ect), und da sind die meisten Bücher die publiziert werden Übersetzungen oder aber Bücher von Autoren die schon sehr bekannt sind.

      Es geht mir nicht um Contemporary-Bücher, ich wollte damit lediglich sagen, dass es ja nicht einmal die hier in Deutschland gibt. Mir ging es eher darum danach zu fragen, warum es bspw. keine Bücher mit LGBTQ-Charakteren oder Menschen anderer Hautfarbe als Protagonistin gibt? Warum Bücher mit Themen wie man sie in TFIOS oder My Heart and other Black Holes nicht auch aus deutscher Feder stammen können.
      Es muss ja einen Grund geben warum solche Bücher in Amerika erscheinen, nicht aber (und damit meine ich jetzt nicht die Übersetzungen) hier in Deutschland. Und das kann doch nicht einzig und alleine an den Produktionskosten oder generell der finanziellen Situation liegen. Die Verlage haben ja offensichtlich die Kohle um Bücher aus anderen Ländern zu lizenzieren (wobei die Bücher nicht einmal in ihrem Heimatland veröffentlicht wurden), sie übersetzen zu lassen und auch um denen ggf. ein neues Cover zu verpassen. Warum ist da dann das finanzielle Risiko offenbar auf einmal nicht mehr so groß?

      Bei Fantasy-Büchern ist es ja auch so, da erscheinen (Im Jugendbuchbereich) lediglich die Bücher der immer gleichen Autoren. Was ja nicht verkehrt ist, aber wo bleibt der Nachwuchs?
      Und warum werden da nicht auch Charaktere anderer Herkunft, sexueller Orientierung zu den Hauptakteuren gemacht?

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    2. Es wäre doch mal interessant, direkt jemanden aus den Verlagen danach zu fragen. Wir können ja letztendlich doch nur spekulieren.
      Vielleicht ist es so, dass diese Ideen zuerst auf den englischen Markt gekommen sind, dort gut funktionierten und man sich nun denkt, gab es schon, müssen wir nicht nochmal machen. Nach TFIOS zum Beispiel, muss ich nicht noch so ein Buch lesen, das reicht mir persönlich erstmal.
      Ein Punkt ist mir gestern noch in den Sinn gekommen: Der englischsprachige Raum ist natürlich viel viel größer als der deutsche. Logisch, dass es da mehr Autoren und somit mehr Bücher gibt. Demzufolge haben es deutsche Autoren und Verlage doppelt schwer. Was natürlich kein Grund ist, gar keine Bücher in der Richtung zu veröffentlichen, aber vermutlich eine große Rolle spielt.
      Ungewöhnliche Charaktere kenne ich aus englischen Büchern aber auch nicht wirklich. Wenn, dann übernehmen sie meist die Nebenrollen. Wahrscheinlich kennst du da aber viel mehr als ich, weil ich seltener Bücher in der Richtung lese ;)

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    3. Sollte wohl wirklich mal jemand machen, wahrscheinlich ist es auch gar nicht so wie es für uns scheint :)
      Klar, aber in den USA gibt es neben TFIOS ja noch unzählige andere Bücher die sich mit diesem Thema beschäftigen, und ich kann mir auch einfach nicht vorstellen dass es hier bei uns keinen Menschen gibt, die nichts zu einem solchen Thema zu sagen hätten.

      Klar, verstehe ich auch alles und ich finde es auch total gut, dass viele der Bücher übersetzt werden und hier erscheinen, aber auf der anderen Seite frage ich mich auch, warum ein Buch lizenzieren dass noch nicht erschienen ist, von dem also gar nicht weiß ob es gut ankommt, anstatt dieses Geld und die Zeit und den Aufwand in einen unbekannten deutschen Autoren stecken?

      Falls du mal 'ne Empfehlung brauchst xD

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  8. Lieber Herr Icke,
    ich bin wirklich froh, dass jemand mal das ausspricht, was man oftmals denkt. Ich liebe es in Buchhandlungen zu gehen und zu sehen, dass da das neue Buch von Bettina Belitz liegt und ich es mir endlich kaufen kann. Aber mal ganz ehrlich: Wie demotivierend ist das bitte, wenn ich 5 Monate nach dem Erscheinen das Buch da immer noch liegen sehe?
    Es gibt so viele tolle Autoren, die einfach so gut schreiben können. Erst letztens habe ich "Ich sehe was, was niemand sieht" von Tim O'Rourke gelesen, das vom Chicken House Verlag verlegt wurde. Die haben damit echt nicht in die Scheiße gegriffen, weil die Geschichte unglaublich gut ist.
    Ich verstehe nicht warum nicht mal ein wirklich bekannter Verlag jemand Neues eine Chance gibt. Wir geben doch alle mal Geld in den Wind aus und leider ist das immer wieder so. Warum sollte man denn nicht mal in etwas Eigenes und Neues investieren? Was ist daran so falsch?

    Ich finds irgendwie so schade und hoffe, dass es mal bei den Verlagen ankommt und eventuell sogar fruchtet.

    Liebste Grüße,
    Sarah

    von Mit mir an deiner Seite (http://sarahsuperwoman.de)

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    1. Lieber Frau Ewert,
      vielen Dank für Ihr Kompliment :D

      Ich finde es auch schön all diese bekannten Autore immer wieder in der Buchhandlung anzutreffen (falls ich mal hingehe xD), aber es ist halt einfach schade, dass sich da nicht einmal ein neuer Name dazugesellt oder so. Es sind halt wirklich immer die gleichen Autoren und der Rest sind Übersetzungen.

      Hoffen wirs, es wäre auf jeden Fall sehr schön ^^

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  9. Darüber denke ich in letzter Zeit so oft nach. Die meisten von uns Bloggern haben sich ja schonmal an einer Geschichte probiert und sich ausgemalt wie es wäre damit dann so berühmt zu werden wie viele englische Autoren aber Pustekuchen! Ich selbst zum Beispiel lese kaum "deutsche" Bücher, was daran liegt dass ich keine Zeit und Bock habe mich so sehr mit Literatur zu beschäftigen dass ich die Romane deutscher Autoren aus den hintersten Ecken der Buchhandlung kratze. Geworben wird auch nur für die amerikanischen Bestseller - dann ist es selbstverständlich dass fast niemand sich wirklich für deutsche Autoren interessiert. Es geht ja auch das Gerücht rum, dass amerikanische Bücher besser sein sollen ... hmmm und wieso?

    Danke für den Post, das habe ich einfach gebraucht grade :D
    xx, Ana

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    1. Also ich würde mal gar nicht sagen, dass die deutschen YA-Titel irgendwie versteckt werden, es sind halt im Vergleich zu den Übersetzungen einfach weniger und (meiner Meinung nach) von den immer gleichen Autoren. Es gibt hier und da mal einen Verlag der sich traut, aber das ist doch dann eher die Ausnahme von der Regel.
      Aber du hast schon recht, es ist halt einfach verdammt schwierig sich da irgendwie zu behaupten. Wahrscheinlich wäre es auch einfacher, dass Buch direkt auf englisch zu schreiben und sich dann auf dem englischen Markt zu versuchen, dann ist ein Erscheinen in Deutschland ja fast garantiert xDDD

      Immer wieder gerne :)

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  10. Huhu :)!

    Ich wollte nur mal ganz kurz in den Raum werfen, dass die Verlage vielleicht nicht mehr ganz so eingerostet sind, wie wir alle glauben. NATÜRLICH hast du mit deiner Ansicht schon irgendwo Recht, aber gerade eben beginnt doch ein kleiner (aber feiner) Wandel.
    Immerhin hat Carlsen sein Label Impress und Bittersweet gegründet und Oetinger das Label Oetinger34. Klar: Die wenigsten der Bücher erscheinen als Druckversion, aber immerhin wird hier deutschen Autoren eine Möglichkeit eröffnet. Es ist vielleicht noch keine ganze Hand, die einem gereicht wird, aber ein kleiner Finger.
    Der Anfang ist gemacht :)! Oder was denkst du darüber?

    Liebste Grüße
    Conny :)

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    1. Hey ^^
      Das stimmt natürlich, aber mir ging es (vielleicht sollte ich das besser mal ergänzen xD) wirklich eher darum, dass es einfach kaum die Chance gibt (woran auch immer das jetzt liegen mag), dass ein junger Autor ein Printbuch auf den Markt bringt. Natürlich erscheinen gewisse Titel von Impress irgendwann auch als Taschenbuch, aber bis das passiert vergeht ja doch einiges an Zeit :)
      Also ich kann die Impress-Titel ja nicht in der Buchhandlung kaufen, also nicht alle xD
      Jo, ein Anfang ist das auf jeden Fall, aber das ist auf jeden Fall noch richtig viel Luft nach oben :)

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  11. In den USA gibt es an ganz normalen Schule Klassen mit dem Thema "kreatives Schreiben", ein wenig neidisch wird man da schon :) An meiner Uni gibt es das nur für wissenschaftliche Texte, mäh...

    Ich muss zugeben mit deutschen Autoren bisher nur schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. Ich liebe Märchen! Also besonders Bücher die eigene Geschichten erzählen, aber auf Märchen basieren. Diese Thematik dominiert sehr stark mein Regal. Die Bücher, die ich in einer Rangliste auf die letzten Plätze frachten würde, das sind alles deutsche Werke. Die Sprache wirkt schnulzig, alles wirkt altbacken und so klischeebeladen, es ist gekünstelt. Auch was deutsche Jugendbücher angeht. Sie wirken auf mich bieder, spießig, konservativ. Selbst wenn etwas kontroverses diskutiert wird, es wirkt so gestellt, dem Thema nicht auf den Zahn gefühlt. Oder noch besser: Man versucht gewollt zu provozieren und zu schocken, verfängt sich aber in Oberflächlichkeit und Pseudo-Philosophien...
    Ich weiß auch nicht was mich am deutschen Schreibstil so abschreckt. Es ist noch nicht einmal so, als würde ich Englisch lieber mögen (als Sprache). Alle meine eigenen Comic sind in Deutsch geschrieben da ich unsere Sprache sehr, sehr mag. Man kann so viel mit unserer Grammatik anfangen.
    Habe nur das Gefühl dass der Großteil unserer Autoren noch nicht in der heutigen Zeit angekommen ist.

    Habe das Glück in Berlin zu wohnen :P Wir haben wuuuunderbare Englische Handlungen.

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