Marmorkuss - Jennifer Benkau

24. November 2014 |

Manchmal bin ich mir unschlüssig darüber, ob die (deutschen) Verlage mich absichtlich in die (mit dem Profit im Hinterkopf) Irre führen, damit ich die Bücher aus ihrem Programm kaufe.
Oder ob das vollkommen unbeabsichtigt passiert, weil sich irgendjemand im Verlag nicht genau sicher war, wie dieses oder jenes Buch denn nun zu deklarieren ist.
Oder (und Gott bewahre) halten mich (als Leser) die Verlage für so dumm, dass mir dieser kleine ''Trick'' bestimmt nicht auffällt?

Wieso wird ein Buch, das ganz offensichtlich ein Krimi ist als Märchen-Neuerzählung beworben und verkauft?
Wahrscheinlich übertreibe ich jetzt wieder, aber fällt sowas nicht unter Vortäuschung falscher Tatsachen?

Wir haben hier ein Buch in dem zwei Elemente aus Dornröschen übernommen wurden, aber ansonsten ist da (außer der klischeehaften Disney-Insta-Love) nichts märchenhaftest.
Reicht das schon aus, um ein Buch als Märchen-Neuerzählung zu verkaufen?
Viel mehr haben wir da nämlich einen Jugend-Milieu-Krim der gänzlich ohne diese Dornröschen-Elemente funktioniert und auskommt.

An und für sich, fand ich das Buch okay. Besonders gut gefallen hat mir der Perspektiv-Wechsel in der ersten Hälfte des Buches, als Jarno sein Leben in der Gegenwart zu meistern versucht und Klara in der Vergangenheit mit ihren ganz eigenen, teilweise übernatürlichen Problemen zu kämpfen hatte.
Ich fand sehr cool gemacht, wie die Autorin hier die Brücke zwischen diesen beiden Charakteren und auch über die verschiedenen Zeiten hinweg geschlagen hat. So, beendet nämlich einer immer den Satz des jeweils anderen.

Ich fand das wirklich erfrischend, weil es einfach mal etwas anderes ist. Gut gefallen hat mir auch, dass in der ersten Hälfte die Geschichten zweier verschiedener Menschen erzählt wurde, und während ich bei Jarno absolut keinen Schimmer hatte wohin die Reise gehen soll, fand ich es bei Klara deutlich einfacher, ihr und ihrer Geschichte zu folgen.

Leider hält das alles nur so lange vor, bis sich beide in der Gegenwart treffen. Ab da, ist die schöne Erzählweise futsch.
Und ab da, hat es mich auch stellenweise recht gelangweilt. Während ich im ersten Abschnitt der zweiten Hälfte noch das Gefühl hatte, dass es jetzt endlich richtig losgeht, kam bereits einige Seiten später die Ernüchterung.
Für mich hat sich die Autorin da einfach zu lange damit befasst, Klara in die Gegenwart zu integrieren. Ich war zwischenzeitlich auch nicht mehr sicher, ob ich nicht eine Contemporary-Story vor mir habe.
Dann, nachdem die Ankunft von Elise (der Antagonistin, die angeblich eine Hexe/Zauberin ist, wovon man aber nicht wirklich etwas merkt) mehrmals angekündigt wurde, und wiederholt nichts passiert ist, war ich echt ernüchtert.
Zum Ende hin entwickelt sich der Krimi (der zu Beginn in Jarnos Geschichte seinen Anfang nahm) immer weiter, zieht Kreise die mich nicht wirklich interessiert haben und endet halt mit einem Happy End, auch wenn es eher ein bitteres Happy End ist.

Die Charaktere (allen voran natürlich Jarno und Klara) wurden sehr gut dargestellt, und icht mochte auch dass Jennifer Benkau aus Jarno eben keinen Stereotypen-Märchenprinz gemacht hat.
Obwohl mir die Liebesgeschichte zwischen Jarno und Klara zu schnell ging, zu unrealistisch war (aber okay, hier könnte man die Märchenkarte ziehen) und mich auch nicht begeistern konnte.

Wie oben schon geschrieben, fand ich das Buch okay. Mir waren die ganzen magischen/märchenhaften Elemente und Momente aber zu rar gesät und der Contemporary-/Krimi-Teil zu dominant.
Wer eine Märchen-Neuerzählung erwarte wird vielleicht enttäuscht werden, wer gerne einen ruhigen Jugendkrimi mit authentischen Charakteren und einem Hauch magischen Realismus lesen mag, der wird zufrieden sein.

• Script 5 • Hardcover, 430 Seiten • Einzelband • 18,95€ 


Kommentare:

  1. Das klingt ja eher durchwachsen, aber ich will das Buch trotzdem gerne selber lesen :D

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  2. WHAT?! Krimi`? Okay, das wird sowas von NICHT von mir gelesen xDDDD Danke, Fabian ♥

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  3. Ich habs schon ein Weilchen auf der Wunschliste, war aber sehr zögerlich. Das letzte Buch von Jennifer Benkau "Himmelsfern" war leider so gar nicht meins. Jetzt stehe ich aber auf Märchennacherzählungen und hatte da schon fast den Fuß in der Tür. Wenn du jetzt aber schreibst, dass es im Grunde um etwas völlig anderes geht und kaum Bezüge da sind... Dann kann ich wohl vorerst verzichten.

    Danke dir ;D

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