[Rezension] Die Verratenen - Ursula Poznanski

22. November 2013 |
Titel: Die Verratenen
Verlag: Loewe Verlag
Format: Gebunden
Seiten: 464
Preis: 18,95€
Erscheinungsdatum: 9. Oktober 2012


Inhalt


Sie ist beliebt, privilegiert und talentiert. Sie ist Teil eines Systems, das sie schützt und versorgt. Und sie hat eine glänzende Zukunft vor sich Rias Leben könnte nicht besser sein. Doch dann wendet sich das Blatt: Mit einem Mal sieht sich Ria einer ihr feindlich gesinnten Welt gegenüber und muss ums Überleben kämpfen. Es beginnt ein Versteckspiel und eine atemlose Flucht durch eine karge, verwaiste Landschaft. Verzweifelt sucht Ria nach einer Erklärung, warum ihre Existenz plötzlich in Trümmern liegt. Doch sie kann niemandem mehr vertrauen, sie ist ganz auf sich allein gestellt.

Meinung

Gestaltung und Aufmachung

Okay, wenn meine Ausgabe jetzt nicht in einem so erbärmlichen Zustand wäre, und ich sie mir ins Regal stellen könnte, dann würde sie mir wohl um einiges besser gefallen...
Nein, das Buch kann letztlich ja nichts dafür wie mit ihm umgegangen wird. Mir gefällt die Gestaltung. Ist jetzt kein extremer Eyecatcher aber es passt recht gut, denn es vermittelt mir zumindest schon etwas von der Kargheit die in diesem Buch beschrieben wird.

Zum Buch

Ich hatte gestern Abend bereits den Versuch einer Rezension gewagt, doch irgendwie ist die viel zu wirr geworden, und als ich sie mir dann später noch einmal durchlas, vielen mir hunderte Dinge ein, die ich vergessen hatte die aber dennoch erwähnt gehörten.

Kurz vorweg, das hier könnte etwas länger werden...

Zuallererst finde ich es jetzt schon extremst schwierig, den Aufbau der Welt, wie ihn die Autorin beschreibt, kurz und bündig zusammenzufassen. Denn schon im ersten Buch ist die Welt alleine innerhalb der Sphären schon unheimlich komplex. Was mich auch direkt fasziniert hat.
Das einem eine solch durchdachte Weltkonstruktion vorgelegt wird, kenne ich sonst eher aus dem High/Urban Fantasy-Bereich. 

Ich versuche es dennoch einmal. Eleria kurz Ria genannt lebt in der Sphäre Neu-Berlin. Spähren sind gewaltige Kuppeln die die Menschen aus einem Material welches sich Hektoplast nennt, erbaut haben um sich von der eisigen Kälte abzuschotten welche die ''äußere Welt'' fest im Griff hat. Ria besucht wie viele ihrer Altersgenossen die Borwin-Akademie, eine Eliteuniversität an der die Führungsgeneration von Morgen ausgebildet wird.

Bis dahin hat es mir sofort gefallen, dass sich Ursula Poznanski komplett gegen das übliche Schema F entschieden hat, welches bei vielen anderen Dystopien dafür sorgt dass sie sich im Grunde kaum von einander unterscheiden. In den meisten Dystopien die ich bisher gelesen habe (und ich gestehe, es waren jetzt nicht soo unendlich viele..aber einige), läuft es ja in etwa so ab:

Wir haben da einen Charakter, der in ziemlich einfachen fast schon erbärmlichen Verhältnissen lebt, und in der Regel von irgendeiner Regierung/ einem Regime unterdrückt wird. Die Lage spitzt sich zu, und  schwuppdiwupp ist besagter Charakter mittendrin in einer Revolution/Rebellion oder steht gar an deren Spitze.

Genau das hat Ursula Poznanski einfach mal nicht gemacht. Ria ist von der Sphäre erschaffen worden (sie ist eine Vitro, also ein im Reagenzglas gezeugter Mensch), sie lebt für sie, sie arbeitet für sie und sie denkt nicht im Traum daran, die Ideale und Wertvorstellungen die ihr bereits von klein auf eingeimpft wurden, irgendwie in Frage zu stellen.

Bis Ria eines Tages eher unfreiwillig ein Gespräch zwischen dem Leiter der Akademie, einem der Mentoren und einer ihr unbekannten Person belauscht. Aus dem Gespräch geht hervor, dass Ria neben fünf weiteren Studenten der Verschwörung bezichtigt wird, eine Gefahr für den gesamten Sphährenbund darstellt und daher sobald wie möglich exekutiert werden soll.

Ab da beginnt dann auch die eigentliche Geschichte. Zuvor es zwar auch schon recht spannend, und ich hatte auch keine Probleme mich irgendwie in die Geschichte hineinzufinden.
Aber ab diesem Zeitpunkt, steigt die Spannungskurve steil nach oben.

Ria versteht die Welt nicht mehr, hält die absurde Anschuldigung für ein Missverständnis das sich aufklären wird. Doch es kommt alles ganz anders. Schon bald entgehen Ria und die anderen Verratenen (ihr Freund Aureljo, der Arzt Flemming, der junge und technisch versierte Tycho, der Künstler Dontorian und die Botanikerin Tomma), einem Mordanschlag und müssen sich durch die Wildnis schlagen. Dort werden sie dann von einem Prim-Clan, den Schwarzdornen aufgelesen und gefangen genommen. Prims (kurz für Primitive), sind Menschen die außerhalb der Sphären in den Ruinen der ehemaligen Städte leben. Beziehungsweise dort um ihr Überleben kämpfen.

Die Dornen angeführt von Sandor dem quasi Thronerben des Clans, behandeln Ria und die anderen eher abschätzig, was daran liegt das es zwischen den Lieblingen (so nennen die Prims die Sphärenbewohner), und Prims eine Art Fehde gibt, die von beiden Seiten durch Lügen und Halbwahrheiten gefüttert wird.

Sobald Ria und Co, im Lager der Dornen angekommen sind, hat sich die Geschichte für mich etwas gezogen, ohne sich wirklich zu ziehen. Macht nicht viel Sinn, ich weiß. Doch obwohl es auf der einen Seite ziemlich spannend war, fand ich es auf der anderen Seite etwas zu viel.
Zu viel ''Alltagsleben''  zu viele Tagesablauf. Vor allem weil der eigentliche Punkt, was denn nun hinter der Verschwörung steckt,  nur  bröckchenweise eingefügt wird.

Was letztlich als ich das Buch dann beendet hatte, auch der größte Kritikpunkt war. Es gibt keine Auflösung, in keinster Weise. Man erfährt nicht, wie es dazu gekommen ist, dass die Menschen in den Sphären leben, gut es gibt hier und da Andeutung und man kann es sich im Grunde irgendwo denken, es gibt keine Auflösung warum es einen Konflikt zwischen Lieblingen und Prims gibt, wer in diesem Streit der Lügner ist, und letztlich gibt es keine, absolut keine Auflösung warum Ria und die anderen die Verratenen sind.
Das sie die Verratenen sind erfährt man relativ schnell, doch das Warum bleibt offen.

Für mich war das total unbefriedigend. Klar, es kommen noch zwei Teil (bzw, ein Teil der zweite Band ist ja kürzlich erst erschienen), aber dennoch wenigstens eine klitzekleine Kleinigkeit hätte die Autorin doch aufklären können.

So, zuletzt will ich mich dann noch kurz den Charakteren widmen, die mir durch und durch wahnsinnig gut gefallen haben.
Allen voran Ria die Hauptprotagonistin, aus deren Sicht man die Geschichte verfolgt oder viel mehr erlebt.
Sollte ich Ursula Poznanski irgendwann begegnen, werde ich mich ihr zu Füßen werfen, und ihr dafür danken, dass sie aus Ria eine so tolle Heldin gemacht hat. Sie ist nicht weinerlich, zickig oder arrogant. Schmachtet und schwärmt ihren Freund nicht die ganze Zeit an, denkt rationale wenn es darauf ankommt, ist überaus intelligent und einfach sympathisch.

Aureljo, ihn konnte ich bis zum Ende am wenigsten einschätzen. Als dann noch herauskommt, das innerhalb der Truppe um Ria ein Verräter ist, dachte ich sofort: Das kann nur Aureljo sein!
Er war zwar nett und ich fand ihn nicht blöde oder so, aber aus der Gruppe der Verratenen war er für mich am wenigsten greifbar.

Tycho fand ich einfach nur klasse, ein klein cleverer Bursche mit einem lockeren Mundwerk.

Flemming fand ich direkt sympathisch und am Ende war er mein persönlicher Held dieses ersten Bandes.

Tomma, personifziert im Grunde alles, alles was ich an weiblichen Charakteren hasse. Weinerliche, egoistisch, zickig, unselbstständig, nervig.

Dontorian, ja wozu es ihn gebraucht hat, weiß ich jetzt nicht... Im Grunde macht er eigentlich nichts außer hier und dort mal einen Satz von sich geben oder herum humpeln.

Okay, dass war es dann doch noch nicht... Eine Sache wäre da noch.... Die Liebesgeschichte zwischen Ria und Aureljo. Denn da gibt es keine HELL YEAH! In vielen Jugendbüchern gehört eine Liebesgeschichte ja zum Standardinventar, und oft überschatten diese Love Stories dann die eigentliche Geschichte des Buches. Eben wie Butter mit ein bisschen Toast anstatt Toast mit ein bissen Butter.
Daher finde ich es richtig großartig, dass sich Ursula Poznanski in diesem Buch dagegen entschieden hat. Ria und Aureljo sind ein Paar, sie lieben sich mehr auch nicht. Keine schmachtenden Blicke, keine seitenlangen Beschreibungen wie hübsch und makellos Aureljo doch ist... nope.
Als Sandor dann etwas freundlicher zu Ria wurde, schrie alles in mir: Noooin! Keine Dreiecksgeschichte!! Und was passierte? Richtig, mein innerer Aufschrei muss bis in die Vergangenheit zurück gehallt sein, bis zu dem Punkt an dem Ursula Poznanski dieses Buch geschrieben hat, und siehe da: Keine Dreiecksbeziehung!

Fazit

Bis auf die fehlende Auflösung, die ich schon ziemlich enttäuscht zurückgelassen hat, ist es ein großartiges Buch. Spannend, tolle Charaktere, ein tolles Setting und zum Glück keine X-te 08/15 Hunger Games-Kopie.







Kommentare:

  1. Coole und auch wirklich lange, ausführliche Rezi ;) Ich hab leider noch keins von ihren Büchern gelesen. Ich hab es aber fest vor ;)

    Ganz liebe Grüße
    Nadine <3

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    1. Danke, danke ^^
      Ja, also ich habe bisher auch nur Saeculum gelesen, was jetzt nicht sooo mein Fall war. Dafür war Die Verratenen aber schon recht toll... Bis auf das Ende halt xD

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  2. Ach, ich liebe mutige und intelligente Hauptfiguren.

    Dein neues Design sieht echt toll aus! :)

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    1. Ich auch! Und ich wünschte mir es würde viel mehr davon geben :D
      Der Jugend-/YA-Buch-Bereich braucht mehr von weibliche Hauptfiguren wie Ria oder Katniss ^^

      Danke, freut mich sehr :)

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