[Rezension] Silber - Das erste Buch der Träume von Kerstin Gier

22. Oktober 2013 |

Titel: Silber - Das erste Buch der Träume
Autor: Kerstin Gier
Verlag: FJB
Format: Gebunden  Silber-Trilogie #1]
Seiten: 416
Preis: 18,99€
Erscheinungsdatum: 20. Juni 2013





Geheimnisvolle Türen mit Eidechsenknäufen, sprechende Steinfiguren und ein wildgewordenes Kindermädchen mit einem Beil … Liv Silbers Träume sind in der letzten Zeit ziemlich unheimlich. Besonders einer von ihnen beschäftigt sie sehr. In diesem Traum war sie auf einem Friedhof, bei Nacht, und hat vier Jungs bei einem düsteren magischen Ritual beobachtet.
Zumindest die Jungs stellen aber eine ganz reale Verbindung zu Livs Leben dar, denn Grayson und seine drei besten Freunde gibt es wirklich. Seit kurzem geht Liv auf dieselbe Schule wie die vier. Eigentlich sind sie ganz nett. 
Wirklich unheimlich – noch viel unheimlicher als jeder Friedhof bei Nacht – ist jedoch, dass die Jungs Dinge über sie wissen, die sie tagsüber nie preisgegeben hat – wohl aber im Traum. Kann das wirklich sein? Wie sie das hinbekommen, ist ihr absolut rätselhaft, aber einem guten Rätsel konnte Liv noch nie widerstehen …





Gestaltung & Aufmachung

Ja, das Cover ist schön! Aber was will man von einer Illustratorin wie, Eva Schöffmann-Davidov anderes erwarten? Ich meine die Cover der Edelstein-Trilogie sprechen ja für sich...
Gefällt mir dieses Cover? Jain, denn mir ist es 1. Etwas zu überladen, mit dem großen Auge in der Mitte und all den Schnörkeln und Eulen und Schlüsselchen. Und 2. Weil mich die Eidechsen dann doch zu sehr an Smaragdgrün erinnern. Gut da waren es wohl Leguane, aber wer ist schon so kleinlich? Was wiederum zumindest bei mir den Eindruck erweckt, als  versuche der Verlag hier eine Edelstein-Trilogie 2.0 hinzulegen. 
Kann ich auf der einen Seite zwar verstehen, die Bücher waren ja auch extremst erfolgreich, auf der anderen Seite finde ich es aber etwas einfallslos.

Zum Buch

Tja, wenn Kerstin Gier ein neues Jugendbuch ankündigt, dann gibt es für die meisten kein Halten mehr. Ich, als jemand der die Edelstein-Trilogie zwar gelesen, aber bis heute nicht verstanden hat, worin sich der Hype und die Begeisterung für diese Bücher begründet, bin da ziemlich chillaxt und frei von irgendwelchen Erwartungen geblieben.

Als ich das Buch dann letztlich gelesen hatte, wusste ich auch warum!

Die Geschichte ist flach, hat in etwa den Spannungsbogen von 'nem Kilo Hackfleisch und alles, wirklich alles vom Cover bis zur letzten Seite ist über und über vollgepackt mit Kitsch und Klischees! Nicht aber diesem guten Kitsch wie in dem Film ''Tatsächlich Liebe'', wo einem das Herz aufgeht und man sich einfach nur denkt: Ohhhh ist das schön! Und auch nicht mit den Klischees die trotz allem, irgendwo doch ganz amüsant sind, Nein! Kerstin Gier fährt hier wirklich die ganz, ganz großen und schweren Geschütze auf. Es ist in etwa so, als hätten sich die Glücksbärchis, die My Little Ponys und Hello Kitty gleichzeitig zwischen die beiden Buchdeckel erbrochen. Alles ist zuckrig, glitzerig und flauschig. Von rosa Zuckerwatte im Hirn bis hin zu Barbie-Metaphern ist wirklich alles dabei!

Die Charaktere entsprechen wirklich allen gängigen Stereotypen, da haben wir zum einen die Hauptprotagonistin, Olivia ''Liv'' Silber, die sich mit ihren 16 Jahren so verhält, als wäre sie eigentlich sechs Jahre jünger. Ich selbst benehme mich wahrscheinlich auch nicht immer und überall meinem Alter entsprechend, aber come on! Man kann es auch übertreiben.
Dann wäre da Mia Livs kleine Schwester, die sich natürlich total rational und erwachsen verhält...
Von Lotti Waschtlhuber dem deutsch-deutschen Kindermädchen will ich gar nicht erst anfangen, und daher widme ich mich auch sogleich den anderen Charakteren. 
Etwa der Jungs-Clique an die Liv später gerät und zu der auch Grayson, ihr quasi Stiefbruder gehört.
Hier hat sich Kerstin Gier wohl einfach an dem Boy-Band-Schema orientiert: Ein Schönling (Arthur), ein extrovertierter Womanizer(Jasper), ein Miesepeter (Grayson), und der Geheimnisvoll-Schweigsame(Henry), passt.
Und die meisten Mitschülerinnen von Liv, wie etwa Florence ihre Stiefschwester in spe, oder auch Persephone sind entweder zickige Biester oder aber eingebildete Diven.

Liv selbst war mir wie auch schon Gwen (die Hauptprotagonistin in der Edelstein-Trilogie), extremst unsympathisch, und oft war ihr verhalten ziemlich unglaubwürdig.
Unsympathisch war sie mir wegen ihrer Vorurteile, denn wirklich jedem Menschen den sie so trifft, packt sie direkt in eine Schublade Ganz gleich ob sie wirklich jemals ein Wort mit ihm/ihr wechselt oder nicht. 
Unglaubwürdig fand ich sie vor allem wegen ihre Reaktion auf die ganze Traum-Thematik und wie leicht sie den Jungs vertraut.

Damit wäre ich dann auch direkt beim nächsten Punkt, der Traum-Thematik und den mit dieser einhergehenden fantastischen Elementen. Nichts davon hat dieses Buch gebraucht, gar nichts. Die ganze Idee mit den Träumen ist zwar erfrischend anders, dennoch wird da viel zu viel Potential verschenkt oder in den Sand gesetzt, wodurch die ganze Sache eigentlich ziemlich überflüssig wird. Hätte Kerstin Gier auf diese Elemente verzichtet und auch auf die etwas später genauer erklärten okkulten Hintergründe zur Traum-Thematik, dann hätte sie hier eine tolle, humorige Slice of Life-Story gehabt.

Was es ebenfalls nicht gebraucht hat, waren diese(r) ominöse Secrecy und ihr/sein Tittle-Tattle-Blog, der ganz im Stile vom Gossip Girl den neusten Klatsch und Tratsch an Livs Schule dokumentiert und kommentiert. Für mich waren diese Blogposts die sich hier und dort zwischen den Kapiteln finden ließen, gänzlich irrelevant. Sie trugen zur Geschichte an sich nichts bei und rätseln wer denn nun Secrecy wirklich ist mochte ich auch nicht, daher habe ich diese Blog-Sache einfach als Versuch der Autorin gewertet irgendwie, wenigstens Ansatzweise etwas Spannung in die Geschichte zu bekommen.

Der letzte Punkt wäre dann wohl die Vorhersehbarkeit. Je weiter man sich dem Ende des Buches nähert, um so vorhersehbarer wird es, wodurch das eigentliche Ende für mich zumindest, eher enttäuschend war. Ich hatte stellenweise das Gefühl, als wolle die Autorin zwanghaft eine Brück für die nächsten beiden Bände schlagen, bei denen ich mich schon frage was da eigentlich passieren soll? Angesichts des kaum vorhandenen Konfliktpotentials, bin ich echt gespannt darauf was sich Kerstin Gier da einfallen lassen wird.

Und zum Schluss noch ein Punkt, den ich bisher noch nie verstanden habe, auch damals bei der Edelstein-Trilogie nicht: Hat Kerstin Gier etwas gegen männliche Leser? Will sie diese einfach nicht mit ihren Büchern ansprechen, weil sie ihr vielleicht egal sind oder traut sie es sich einfach nur nicht zu, auch mal etwas mehr für die Jungs in ihre Geschichten einzubauen?
Also ich verlange ja wirklich nicht viel, aber ein bisschen mehr Aktion und vielleicht mal ein tougher weiblicher Charakter, der nicht nur schmachtend und hilflos irgendwie durch die Geschichte stolpert.


Wer ein flaches, seichtes und einigermaßen lustiges Buch sucht, das man mal eben zwischendurch auf die Schnelle durchlesen kann, wer die Edelstein-Trilogie schon total geliebt hat und wer in Sachen Spannung, Plot und Charaktere nicht sehr anspruchsvoll ist, der kann ohne zu zögern zu diesem Buch greifen. Silber - Das erste Buch der Träume ist ein kurzweiliges, zuckriges Buch das Kleinmädchen-Herzen höher schlagen lässt. 
Kann man gelesen haben, muss man aber nicht!









Kommentare:

  1. xDDD

    Was ich an Kerstin Giers Büchern einfach vergöttere ist der Humor. Ich finde auch nicht, dass sie die Klischees bedient, sondern sie spielt eher damit.
    Aber ja, du hast recht, das sind einfach Bücher für weibliche Leser. Das ist bei Kerstin Gier aber einfach so. Ihre Bücher für Erwachsene sind ja auch so die mega typischen Frauenbücher und Jungs sind wie Kaugummi (ihr Kinderbuch) war auch einfach zu 100% auf Mädchen getrimmt.
    Aber mal im Ernst: Sich als Kerl das rosafarbene Rubinrot zu kaufen?! Da muss man auch mit Gliterplüschkrams rechnen xD Und in Silber fand ich das alles halb so schlimm wie bei Rubinrot. Und Liv war auch nicht so naiv wie Gwen.
    Aber ich bin nun mal weiblich und damit liege ich auch sehr viel mehr in der Zielgruppe.

    Aber ich LIEBE deine Rezensionen, weil du einfach so ehrlich das schreibst, was du denkst und das mag ich generell einfach supergern =)

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  2. Also was den Humor in den Jugendbücher von Kerstin Gier betrifft, ist das bei mir ganz seltsam. Ich lese 'ne Stelle und denke mir: Ah, da haben bestimmt alle gelacht! Wirklich lustige finde ich es aber nicht xD Xemerius der war ulkig ^^
    Die Klischees bedienen oder damit spielen, ich glaube die Grenzen sind da bei der lieben Frau Gier eher fließend.
    Also bei Rubinrot hab ich mich ja schon direkt auf fliegende Regenbogen-Einhorn-Ponys eingestellt, aber ich hatte nicht damit gerechnet dass es SO viele davon in dem Buch gibt XD
    Ich fand es in Silber sogar noch schlimmer als in den einzelnen Büchern der Edelstein-Trilogie!
    Wenn Gwen einfach mal den Mund aufgemacht und für sich selbst eingestanden wäre, hätte ich sie auch gar nicht so blöde gefunden. So allerdings, hasse ich sie einfach nur ^^
    Was Liv angeht naja... Da scheint bei all den Umzügen und dem ganzen Pipapo wohl etwas in der Entwicklung schief gelaufen zu sein xD

    Ohh danke! Freut mich dass dir meine Rezensionen so gut gefallen, fühle mich dadurch doch glatt einige Zentimeter größer :3


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  3. Ohhhhwww. Ich habe das Buch noch ungelesen im Regal stehen. Ich musste es unbedingt haben und nu ... tja.

    Deine Rezension liest sich sehr witzig und obwohl es wohl nicht so gedacht war, bin ich jetzt umso neugieriger auf das Buch. xD ich bin auch lange Zeit um die Edelstein Trilogie geschlichen weil ich dachte, die sind mir einfach zu kindisch. Tja... Ich steh doch auf den Mädlkram ^^

    Übrigens, Du hast nun eine Leserin mehr und willkommen in der Bloggerwelt ;)

    LG Sarah

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    1. Na ja, an sich ist das Buch ja auch nicht schlecht oder so, und auch die Edelstein-Trilogie ist ganz in Ordnung. Ich glaube aber um sie so richtig genießen - oder wie es neudeutscht jetzt heißt- abfeiern zu können, braucht man einfach ein paar Brüste oder aber, 'ne Östrogen-Behandlung xD

      Freut mich dich als Leserin begrüßen zu dürfen und vielen Dank für den Willkommensgruß ^.~

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  4. Ach schau an, DU warst das mit der tollen Rezension, die ich auf Amazon gelesen habe :-D
    Ich hab mich fast weggeschmissen vor Lachen! Noch habe ich "Silber" nicht gelesen. Allerdings möchte ich nach deiner Rezi mehr denn je dieses Buch haben. Auch negative Rezensionen machen mich manchmal neugierig. Ich freue mich schon mehr von dir zu lesen!
    LG Kathi

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    1. Ja, ICH xD
      Hahaha, danke freut mich wenn ich dich amüsieren konnte :D
      Ich sach ja immer: Lies es egal was andere sagen, und bilde dir dann selbst eine Meinung :)
      Es ist bestimmt und eigentlich auch ein ganz tolles Buch... Nur für mich nicht xD

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  5. Ich hab das Buch wegen der unglaublich vielen positiven Rezensionen auf amazon und einer Radiowerbung gekauft. Und wünsche mir deine Rezension VOR dem Ausgeben der 18 Euro gelesen zu haben.

    Am schlimmsten fand ich ja dass sie (die Autorin) ihre ganzen Charaktere nicht richtig ernst nimmt. Und jetzt nicht im "Haha, wir können auch über uns selbst lachen"-Sinne, sondern im Sinne von "Hmm... ich brauche noch jemanden der dumm ist und jemanden der nervig ist. - So, zwei weitere Charakte sind fertig."

    Die Charaktere kann man alle auf ein paar wenige Attribute reduzieren und NUR anhand dieser Attribute handeln sie im Buch. Ausgenommen Liv, ihre Schwester und Henry.

    Neben dem absolut fantasielosen Mr. Wu (den man sich mit orangem Anzug, Glatze und langem Schnurrbart vorstellen muss) fand ich die Darstellung der verliebten Lotti als am Unwürdigsten. Kein Mensch auf der Welt beginnt andauernd Anfangsbuchstaben zu verwechseln! Das ist absolut unmöglich! Lundeheine? Zonditoren und Kahnärzte? Oh behave...

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    1. Je nachdem wo du es gekauft hast, kannst du es ja vielleicht wieder umtauschen ^^

      Da kann ich dir nur zustimmen, ich finde es auch schrecklich wie wenig Mühe sich die Autorin bei ihren Charakteren gegeben hat und dass sie sich lediglich auf so hirnlose Klischee beschränkt :(

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  6. Entspricht beinahe dem, was ich gedacht habe, als ich das Buch gelesen habe. Nur bei der Traumthematik habe ich eher gedacht, dass man die hätte ausbauen können.

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    1. Ja, hätte man, man hätte sie aber auch weglassen können. Ich glaube das hätte der Geschichte jetzt nicht so viel genommen.

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    2. Aber die hatte wenigsten Konfliktpotenzial, das auch irgendwie ins "dunkle" hätte gehen können. Alles andere hatte diese Möglichkeit nicht. Ich finde den Tittletattleblog eher weglassen können, der lenkt nämlich bloß davon ab, dass es keine Handlung gibt. Aber das ist meine persönliche Ansicht ;-)

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  7. Hey :-)

    Danke Dir für diese geniale Rezension. :-D

    Ich habe selten so gelacht bei einer Buchbewertung.
    "Silber" Teil 1 und 2 liegen hier noch ungelesen rum.Jetzt muss ich mir beim Lesen nur die Mühe geben, dass ich nicht an Hackfleisch und an brechenden Hello Kittys, My little Ponys etc. denken muss. ;-)
    Jedenfalls ist es sehr erfrischend, wenn man ein Buch, welches schon sehr gehypt wird, auch mal rationalisierter betrachtet und bewertet.

    Dein Blog und Dein Bewertungssystem gefällt mir und bin Leserin Nr. 200.

    Mach's gut

    Caro von Bücherwanderin

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